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Je bunter eine Belegschaft, desto besser für das Immobilienunternehmen. Bild: Corbis

Vielfalt wirkt sich positiv auf die Leistung von Immobilienfirmen aus, auch wirtschaftlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI im Auftrag des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss. Sie erklärt, wie Diversity gelingen kann.

In den vergangenen Jahren ist das Thema Diversity auch für Unternehmen aus der Immobilienwirtschaft zunehmend in den Fokus gerückt. Denn gesellschaftliche Veränderungen wie demographischer Wandel, Digitalisierung und Fachkräftemangel betreffen auch Immobilienfirmen. Der Faktor Mensch spielt dabei eine immer größere Rolle: Es gilt, die besten Köpfe für die Immobilienbranche zu gewinnen und sie auch langfristig in den Unternehmen zu halten. Eine Studie von Ernst & Young bezeichnete schon 2016 Diversity als „Zukunftsvorsorge und Zukunftssicherung“. Bislang beschränken sich die Diversity-Aktivitäten der Immobilienbranche hauptsächlich auf Teilbereiche, etwa auf die Förderung von Frauen.

Was bringt Vielfalt im Unternehmen?

Laut der aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung lassen sich vier Teilbereiche des unternehmerischen Handelns herausstellen, auf die sich ein bewusster und offensiver Umgang mit Vielfalt auswirkt.

Wirtschaftlicher Erfolg: Gelebte Diversität beeinflusst den wirtschaftlichen Erfolg und die Produktivität.

Verschiedene Untersuchungen weltweit zeigen, dass sich in börsennotierten Unternehmen die ökonomischen Kennzahlen mit einem gewissen Anteil an Frauen und auch mit ethnischer Diversität im Management  positiv entwickeln – als Schwellenwert gelten um die 20 Prozent.

Eine Untersuchung für Deutschland auf Basis von Dax-Unternehmen im Zeitraum 2008 bis 2010 hat ergeben, dass die Firmen, die in Sachen Diversity zum obersten Viertel gehören, eine Return-on-Equity-Rate haben, die bis zu 66 Prozent höher als die der Unternehmen des letzten Quartils liegt; beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT margin) haben die Vorreiter in Sachen Diversity sogar ein bis zu 82 Prozent besseres Ergebnis.
Wie stark sich Diversität auf die verschiedenen Bereiche wie Personalkosten, Image, Marktzugang, Innovationskraft und ökonomische Gesamtperformance auswirkt, ist abhängig von der Art des Unternehmens, seiner Größe, den Produkten und dem Kundenstamm. Es sei klar, so stellt die Studie des Fraunhofer-Instituts fest, dass eine Vielzahl externer Einflüsse, wie zum Beispiel gesetzliche Regelungen und andere staatliche Rahmenbedingungen, ebenfalls stark das wirtschaftliche Ergebnis eines Unternehmens beeinflussen und Diversity nur ein Faktor unter vielen sein kann.

Diversity ist laut der Fraunhofer-Studie „ein Einflussfaktor, der zum Teil in bedeutendem Maße in viele unterschiedliche Unternehmensbereiche hineinreicht“.

Personalrecruiting: Auch im Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte sei ein Unternehmen, das Vielfalt offen lebt, besser aufgestellt, heißt es in der Untersuchung. Firmen steigerten ihre Attraktivität als Arbeitgeber, vor allem bei der jüngeren Generation („Generation Y“), der ein kollegiales Arbeitsumfeld sehr wichtig ist.

Ein wertschätzender Umgang fördert laut der ISI-Studie die Zufriedenheit der Mitarbeiter und stärke zudem die Verbundenheit mit dem Unternehmen.

Diversity Management könne außerdem helfen, die Personalfluktuation und die Fehlzeiten zu verringern. Damit sinken insgesamt die Kos­ten für Rekrutierung und Einarbeitung.

Marketing: Diversität in der Belegschaft ermöglicht es zudem, sich besser auf unterschiedliche Kundengruppen oder Märkte einzustellen. Indem die Kunden Gesprächspartner bekommen, die „die gleiche Sprache sprechen“, ist es dem Unternehmen möglich, auch neue Kunden anzusprechen und zu gewinnen.
Die Fähigkeit, auf unterschiedliche Kundengruppen einzugehen, werde in Zukunft immer wichtiger, heißt es in der Studie des Fraunhofer-Instituts, da die Lebenswelten der Menschen diverser werden (zum Beispiel durch neue Familienformen, eine zunehmende Anzahl an Menschen mit ausländischen Wurzeln oder neue Konsumformen wie „Sharing“). Eine „One-size-fits-all“-Strategie spreche eine immer größer werdende Zahl an Kunden nicht mehr an.

Innovation: Die Studie zeigt auch:

Divers zusammengesetzte Teams entwickeln in Immobilienunternehmen kreativere Ideen und Lösungen.

Sie bringen unterschiedliche Sichtweisen ein, die oft schneller zu Ergebnissen und innovativen Produkten führen.
Die ISI-Studie zitiert dabei aus einer kürzlich erschienenen Untersuchung der Boston Consulting Group und der TU München. Diese erforschte den Zusammenhang zwischen Diversität und Innovation in Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Schlussfolgerungen sind eindeutig: Unternehmen, in denen die Führungsmannschaft einen Diversitätsgrad über dem Median aller Unternehmen aufwies, erzielten durch Innovation einen um bis zu zehn Prozentpunkte höheren Umsatz als vergleichbare Unternehmen.
Besonders positiv wirkt sich demnach aus, wenn Personen aus dem Management vormals in einem anderen Unternehmen oder Sektor gearbeitet haben oder wenn sie unterschiedliche Herkunftsländer haben. Ebenfalls positiv wirkt sich die Geschlechterverteilung aus.

Schlagworte zum Thema:  Studie, Diversity Management

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