Die Anforderungen an den Einzelhandel sind durch die Digitalisierung gestiegen: Gefragt sind Lage und Einkaufserlebnis Bild: Michael Bamberger

Die Digitalisierung nimmt großen Einfluss auf den Einzelhandel. Unter anderem die Entwicklung des E-Commerce, der in den vergangenen Jahren kontinuierlich Umsatzanteile gewonnen hat, wirkt sich auf die Geschäftsmodelle des stationären Handels aus. Die neuen Anforderungen betreffen laut einer gemeinsamen Studie der Deutschen Hypo und Comfort vor allem den Standort des Ladens, aber auch die Geschäftsfläche selbst.

In den vergangenen zehn Jahren hat der Gesamtumsatz im E-Commerce der Studie zufolge um 270 Prozent zugelegt, im Einzelhandel lediglich um 15,2 Prozent. Für das laufende Jahr wird für den Onlinehandel ein weiteres Wachstum von rund zehn Prozent erwartet. Der Gesamtumsatz im E-Commerce würde demnach 2017 knapp 50 Milliarden Euro erreichen.

Damit kommt der Onlinehandel zwar noch lange nicht an die Umsätze des stationären Einzelhandels heran – hier werden laut Studie für 2017 rund 440 Milliarden Euro erreicht –, die Online-Sparte gewinnt aber kontinuierlich Umsatzanteile und erhöht damit den Wettbewerbsdruck auf die stationären Händler.

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Einkaufserlebnis schlägt E-Commerce

Gefährlich wird E-Commerce den stationären Einzelhändlern der Studie zufolge derzeit nicht, unter anderem auch deshalb, weil immer mehr Kunden großen Wert auf die Vermittlung eines Einkaufserlebnisses legen. Andererseits punkten Online-Shops mit jederzeitiger Verfügbarkeit, einer hohen Informationsdichte und einem Lieferservice direkt zu den Kunden.

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Das starke Flächenwachstum im deutschen Einzelhandel ist jedoch vorbei. Die Verkaufsflächen wachsen laut Studie nur noch moderat, während die Umsätze überproportional zunehmen. Die Folge: Die Flächenproduktivität wird wichtiger, die Warenpräsentation aufwändiger. Produktinformationen werden den Kunden zunehmend online zur Verfügung gestellt.

Lage bleibt ein wichtiger Wettbewerbsfaktor

Der wesentliche Erfolgsfaktor für die Investition in eine Einzelhandelsimmobilie bleibt deren Lage. Eine gute Lage zeichnet sich dabei durch eine hohe Kundenfrequenz, einzelhandelsrelevante Kaufkraft, gute Zentralität und ein qualitativ hochwertiges Ambiente für das Einkaufserlebnis aus. Die Digitalisierung wird in den 1A-Lagen der Top-7-Städte sowie in Großstädten mit hoher Zentralität den Wettbewerb um die nur begrenzt zur Verfügung stehenden Flächen auf hohem Niveau halten. In den Großstädten profitieren die Innenstadtlagen im Gegensatz zu den Randlagen von der Digitalisierung.

Städte mit strukturschwachen Innenstädten werden neben Kommunen in den so genannten "Speckgürteln" der Metropolen die Verlierer der Digitalisierung des Einzelhandels sein. Hier liegt der Fokus der Akteure eher auf Anpassungen an eine sinkende Nachfrage mit dem entsprechenden Rückbau von Verkaufsflächen. Dieser Prozess wird durch die Digitalisierung noch beschleunigt werden.

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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Einzelhandel, Stationärer Handel, E-Commerce

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