Die Daten sind da – die Kompetenz zur Verarbeitung fehlt Bild: Haufe Online Redaktion

Es fehlt an Veränderungsbereitschaft, digitaler Kompetenz und einer klaren Strategie – fast 90 Prozent der Immobilienunternehmen sehen ein Problem bei der digitalen Transformation. Weniger als 30 Prozent der Unternehmen haben die Rahmenbedingungen für den digitalen Wandel geschaffen. Dies sind Teilergebnisse einer neuen Studie des Future Real Estate Institute im Auftrag des Immobilienberaters CBRE.

50 Prozent der für die Studie "Digitale Transformation und Innovation in der deutschen Immobilienbranche 2017" befragten 190 Teilnehmer aus 163 Unternehmen und Organisationen gaben an, dass ihr Unternehmen nicht zur Veränderung bereit sei.

Weitere 43 Prozent sprachen von einer unklaren Strategie, und insgesamt 47 Prozent sagten, es fehle in ihrem Unternehmen an digitaler Kompetenz. Das Schlüsselwort: Innovationsmanagement.

"Der Aufbau digitaler Kompetenzen stellt einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor dar", sagt Alexander von Erdély, CEO bei CBRE in Deutschland.

Mangelware spezialisiertes Personal

In der deutschen Immobilienbranche fehlt es aber vor allem an spezialisiertem Personal zur Transformation der Digitalisierung – dies betreffe digitale Talente und Führungskräfte sowie ganze Abteilungen, heißt es in der Studie.

Nur 40 Prozent der befragten Unternehmen haben angegeben, eine verantwortliche Führungskraft für digitale Themen zu beschäftigen. Ist diese schließlich vor Ort, habe sie zumeist weitere Aufgaben im Tagesgeschäft zu erledigen, sodass eine Fokussierung auf digitale Aufgaben nicht möglich sei.

"Neben den erforderlichen Ressourcen für digitale Themen ist die digitale Kompetenz eine wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Transformation", sagt auch Thomas Herr, EMEA Head of Digital Innovation bei CBRE.

Dass bei der digitalen Kompetenz Aufholbedarf besteht, ist eine wichtige Erkenntnis der Studie: So schätzen die Befragten, dass mehr als 75 Prozent der im eigenen Unternehmen Beschäftigten nicht über ausreichend fundiertes Wissen bei den zehn betrachteten Technologien verfügen.

Kaum Kenntnisse zu Technologien vorhanden

Den Befragten zufolge ist der Wissensstand im eigenen Unternehmen in den Technologiefeldern Big Data, Building Information Modeling (BIM) und Virtual Reality noch am höchsten. 31 Prozent gaben in der ersten Befragung an, Big Data und Virtual Reality gut zu kennen, 30 Prozent sagten das beim Internet of Things, 24 Prozent bei BIM. Diese Einschätzung wurde dann in Detailfragen allerdings nur eingeschränkt bestätigt.

Allgemein wird der Wissensstand über die einzelnen Technologiefelder gering eingeschätzt, wonach zu keiner der betrachteten Technologien mehr als 25 Prozent im Unternehmen über solides Wissen verfügen. Auffallend ist, dass die Befragten sich selbst stets ein besseres Wissen zuschreiben als der Allgemeinheit ihres Unternehmens.

10 Technologien: Selbsteinschätzung der Befragten

  • Big Data / Virtual Reality (31,15 Prozent)
  • Internet of Things (30,1 Prozent)
  • Building Information Modeling (23,7 Prozent)
  • Augmented Reality (22,6 Prozent)
  • 3D-Druck (20,1 Prozent)
  • Künstliche Intelligenz (17,4 Prozent)
  • Sensorik (16,3 Prozent)
  • Programmierschnittstellen beziehungsweise Apis (9,5 Prozent)
  • Blockchain (9 Prozent)
  • Robotik (6,9 Prozent)

10 Technologien: Wissensranking auf Unternehmensebene

  • Big Data (24,7 Prozent)
  • Building Information Modeling (20 Prozent)
  • Virtual Reality (16,8 Prozent)
  • Internet of Things (14,7 Prozent)
  • Sensorik (14,2 Prozent)
  • 3D-Druck (12,6 Prozent)
  • Augmented Reality (10,5 Prozent)
  • Programmierschnittstellen beziehungsweise Apis (9,5 Prozent)
  • Blockchain (9 Prozent)
  • Künstliche Intelligenz (7,9 Prozent)
  • Robotik (4,2 Prozent)

Potenzial zur Datenverarbeitung nicht ausgeschöpft

Weltweit werden täglich mehr als 2,5 Quintillionen Bytes an Daten produziert. Eine Analyse von Daten ermögliche, wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen.

"Das Potenzial wird heute weitestgehend nicht ausgeschöpft", kommentiert Viktor Weber, Gründer und Direktor des Future Real Estate Institute und Autor der Studie.


Zwar würden zahlreiche Daten erhoben, jedoch mangele es vor allem an deren Verarbeitung. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, vorhandene Daten seien weder ausreichend strukturiert noch nutzbar. Infolgedessen können eigentlich realisierbare Erkenntnisse und Optimierungspotenziale nicht in vollem Umfang genutzt werden.

Die zehn wesentlichen Erkenntnisse der Studie

  1. In maximal 30 Prozent der Unternehmen wurden Grundlagen für die digitale Transformation geschaffen.
  2. Es mangelt an digitalen Talenten, Führungskräften und Abteilungen. Nur 40 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass es in ihrem Unternehmen eine für digitale Themen verantwortliche Führungskraft gibt.
  3. In mehr als der Hälfte der Unternehmen sind die vorhandenen Daten nicht ausreichend strukturiert und nutzbar. Optimierungspotenziale bleiben daher weitgehend ungenutzt.
  4. Es existiert eine gravierende Lücke zwischen den Erwartungen an den Nutzen der Digitalisierung und der Veränderungs- und Umsetzungsbereitschaft.
  5. Nur elf Prozent der Studienteilnehmer sind der Meinung, dass die digitale Transformation für ihre Unternehmen kein Problem darstellt.
  6. Es besteht ansatzweise Interesse und Wissen, die meisten Marktteilnehmer handeln jedoch noch abwartend.
  7. Nach Einschätzung der Studienteilnehmer verfügen bei den neuen Technologien mehr als 75 Prozent der eigenen Mitarbeiter nicht über ausreichendes Wissen.
  8. Am höchsten wird der Wissensstand in den Technologiefeldern Big Data, Building Information Modeling und Virtual Reality eingeschätzt. Diese Selbsteinschätzung konnte nur eingeschränkt bestätigt werden.
  9. Technologien wie Blockchain und Künstliche Intelligenz werden unzureichend verstanden, weshalb hier eine überzogene Erwartungshaltung an den erzielbaren Nutzen vorherrscht.
  10. Die Marktakteure haben, mit Ausnahme von Technologieunternehmen, ihr Geschäftsmodell bisher nicht digital erweitert.

Erwartungen an die Digitalisierung

Nur 13,2 Prozent der Befragten rechnen mit einem durch die Digitalisierung induzierten Stellenabbau, während 94,2 Prozent von einer Prozessoptimierung im Unternehmen ausgehen. Zirka 54,7 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass im Zuge der Digitalisierung neue Geschäftsmodelle entstehen werden, die zu einer Branchenveränderung und neuen Möglichkeiten zur Profitmaximierung führen.

Aus Sicht der Studienteilnehmer können vor allem interne Aufgabenbereiche wie die Buchhaltung, das Controlling oder die IT automatisiert werden. Auffallend ist Studienautor Viktor Weber zufolge, dass es kaum Bereiche entlang der Wertschöpfungskette eines Immobilienunternehmens gibt, die aus Sicht der Befragten nicht automatisiert werden könnten. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, zu verstehen, dass Automatisierung ein gradueller Prozess ist. Daher sollte man sich davon lösen, Automatisierung als ein Damoklesschwert über dem eigenen Arbeitsplatz zu betrachten, sondern das eigene Tätigkeitsfeld entsprechend aktiv weiterentwickeln.

Die Studienergebnisse haben verdeutlicht, dass die deutsche Immobilienbranche noch am Anfang der digitalen Transformation steht und sich fundiert mit relevanten Zukunftstechnologien auseinandersetzen muss.

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Transformation, Immobilienunternehmen, Innovation, Daten

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