Deutschlandstudie: Hohe Mieten drängen Familien aus Städten

Die großen deutschen Städte mit den besonders hohen Mieten verlieren immer mehr Familien. In München, Frankfurt am Main und Stuttgart etwa wanderten mehr von ihnen ab als zu, heißt es in der "Deutschlandstudie" des ZDF. Sie zeigt auch, wo es sich am besten wohnt.

In München müssten Familien durchschnittlich etwa 43 Prozent des Einkommens für die Wohnungsmieten ausgeben, heißt es in der Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos, die das ZDF in Auftrag gegeben hat. In Frankfurt und Stuttgart seien es 39 Prozent, im kleineren Freiburg im Breisgau sogar 42 Prozent.

Als Beispiel nennt Harald Rost vom Staatsinstitut für Familienforschung der Universität Bamberg ein Akademiker-Paar aus München: Trotz zweier voller Gehälter hätten sich die gut ausgebildeten Eltern mit drei Kindern erst 70 Kilometer von München entfernt ein Haus leisten können, alles andere sei zu teuer gewesen.

Weiter steigende Mieten verstärken den Trend

"Dass Familien wegen hoher Mieten ins Umland ziehen, ist nicht neu", sagt Detlev Lück vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden: Doch weiter steigende Mieten könnten diesen Trend ankurbeln. Familien zögen typischerweise an den Stadtrand oder in kleinere Städte. Günstigere Wohnungen, ein S-Bahnanschluss und eine machbare Pendelstrecke seien dabei besonders attraktiv. Auch Schulen und Kitas spielten bei der Entscheidung für den Wohnort eine zentrale Rolle.

Ausgewertet wurden statistische Daten aus allen 401 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland, darunter Zahlen zu Infrastruktur, Sozialem, Einkommen und Demografie.

Wo sich Familien die besten Lebensverhältnisse bieten

Die besten Lebensverhältnisse für Familien in Deutschland herrschen der Studie zufolge im Hochtaunuskreis (Rang 1 von 401) im Norden von Frankfurt. Hier haben die Mietausgaben einen Anteil von 25 Prozent am verfügbaren Einkommen. Es folgen Baden-Baden (24 Prozent) und Starnberg (29 Prozent) auf den Plätzen zwei und drei, vor Speyer (26 Prozent) und Neustadt an der Weinstraße (24 Prozent) auf Rang vier und fünf.

Im Vergleich: Die eingangs genannten Städte München, Frankfurt, Stuttgart und Freiburg rangieren auf den Plätzen 81, 97, 123 und 65. Für das Ranking haben sich die Forscher von Prognos vier Lebensbereiche mit zahlreichen Indikatoren angesehen, Punkte vergeben und gesammelt: Geld und Wohnen, Bildung und Soziales, Gesundheit und Sicherheit sowie Freizeit- und Kulturangebote.

Wirtschaftskraft für Wahl des Wohnortes entscheidend

Wissenschaftler Rost hält die Wirtschaftskraft für entscheidend: "Die Leute ziehen dort hin, wo sie einen Job finden". Die Tendenz, wegen hoher Mieten die Städte zu verlassen, sieht er vor allem in den Metropolen. In Mittelstädten wie beispielsweise Bamberg mit rund 77.600 Einwohnern gebe es eher einen starken Zuzug.

Die oberfränkische Kreisstadt Marktredwitz (Kreis Wunsiedel) mit rund 17.300 Einwohnern hat Familien finanzielle Anreize geboten, damit sie sich ansiedelten. Einige Startups im Fichtelgebirge machten die Region auch als Arbeitgeber attraktiv. Laut der Studie sind im Landkreis die Ausgaben für Miete gemessen am Familien-Einkommen mit 16 Prozent am niedrigsten in Deutschland. Die Folge: Der Anteil von Familien an der Bevölkerung sei zuletzt gestiegen, sagt Rost.

Geld & Wohnen, Bildung & Soziales, Freizeit & Kultur – wo welcher Wohnort wie abschneidet, das lässt sich hier checken.


Das könnte Sie auch interessieren:

Studie: Steigende Mietpreise treiben Nachfrage nach weniger Wohnfläche

DIW-Ökonomen: Staatlich geförderter Mietkauf könnte Wohnungsbau pushen

dpa
Schlagworte zum Thema:  Miete, Mieter, Familie, Wohnungsmarkt