Das Investmentklima in Deutschland hat sich erstmals seit März wieder eingetrübt: ist eine Trendumkehr in Sicht? Bild: Corbis

Erstmals seit März 2017 ist das Immobilienklima im Juli wieder gesunken – um ein Prozent auf 133,4 Zählerpunkte. Grund für den Rückgang ist das stark nachlassende Investmentklima, das um rund 1,9 Prozent auf 136,3 Zählerpunkte sank, wie der Immobilienkonjunktur-Index der Deutschen Hypo zeigt. Dazu passt das Ergebnis des aktuellen Deloitte-Property-Index: Die Renditen für deutsche Wohnimmobilien etwa befinden sich unter dem europäischen Durchschnitt. Ist „ein Ende der Fahnenstange“ erreicht?

Das Ertragsklima zeigte sich laut Deutsche Hypo mit einer marginalen Abnahme von 0,1 Prozent auf 130,4 Zählerpunkte vergleichsweise stabil. Der leichte Rückgang des Immobilienklimas zum Start in die zweite Jahreshälfte sollte nicht überbewertet werden, meint Vorstandschef Andreas Pohl. Die immobilienwirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien weiterhin sehr gut, wie ein Transaktionsvolumen von rund 26 Milliarden Euro zeige.

"Die Erwartungen der Marktteilnehmer sind skeptischer als die Fundamentaldaten", so Pohl.

Dennoch: In der Branche wächst nach Auffassung der Deutschen Hypo die Zurückhaltung. Der Markt wird sich verändern. Die Frage ist: wann? Die Marktteilnehmer machen nicht mehr „Business as usual“, sondern überprüfen ihr Engagement stärker und unterziehen ihre Entscheidungen einer Art Stresstest.

Wohnklima bleibt stabil

Bis auf das Wohnklima, das sich leicht auf 159,3 Zählerpunkte verbessert, verzeichnen im Juli alle Segmente Verluste. Vor allem das Logistikklima: Im Juni hatte es im Ranking das Büroklima überholt, jetzt fällt es mit einem Minus von 3,7 Prozent auf 143,1 Zählerpunkte und landet hinter dem Büroklima wieder auf Platz drei. Die Verluste beim Büroklima halten sich mit 0,6 Prozent auf 144,5 Zählerpunkte in Grenzen.

Das Klima bei den Hotelimmobilien ließ um zwei Prozent nach und rangiert aktuell bei 129 Zählern, liegt aber immer noch über dem Tiefstwert von Januar 2017 mit 127 Zählerpunkten. Und das Klima bei den Handelsimmobilien zeigt seit April 2017 am ehesten eine Seitwärtsbewegung. Die Gewinne aus dem Vormonat werden durch einen Rückgang von 0,7 Prozent im Juli wieder zunichtegemacht: Mit bleibt 97,7 Zählerpunkten bleibt das Handelsklima damit weiterhin unter der 100-Zähler-Marke.

Bild: Bulwiengesa

Boom bei Immobilienkonjunktur hält an

Im Gegensatz zum Immobilienklima geht es bei der auf ökonomischen Faktoren basierenden Immobilienkonjunktur weiter bergauf: um 0,2 Prozent auf 307,4 Indexpunkte. Das ist ein neues Allzeithoch. Ein Ende der positiven Entwicklung ist laut Deutsche Hypo nicht in Sicht. Demnach stimmt auf dem deutschen Immobilienmarkt die gefühlte Lage aktuell offenbar nicht mit der Ist-Situation überein.

Empirica hatte im Frühjahrsgutachten des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) zumindest einen Trendbruch bei den Mietpreisen in den Metropolen prognostiziert. Wüest Partner beobachtete in München, Frankfurt am Main und Stuttgart eine Schwelle bei den Spitzenkaufpreisen von Eigentumswohnungen.

Die hohen Kaufpreise sorgen dem Deloitte-Property-Index zufolge für eine grenzübergreifende Tendenz zum Mieten europaweit. 54,3 Prozent der deutschen Bevölkerung bevorzugen eine Mietwohnung. Die Profite der Vermieter liegen in Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt. Metropolen wie Hamburg, Frankfurt am Main, München oder Berlin finden sich am Ende der Skala bei den Renditen: Die Spanne der möglichen Mietrenditen in den deutschen Städten liegt zwischen 3,2 (München) und 4,9 Prozent (Berlin).

Die Immobilienpreise im teuersten Stadtgebiet Europas, Inner London, sind von 2015 auf 2016 um 8,8 Prozent gefallen, während sie in Berlin um knappe zehn Prozent auf 3.510 Euro pro Quadratmeter gestiegen sind. Deutschlandweit liegen die Preise mit durchschnittlich 2.957 Euro pro Quadratmeter niedriger als in Frankreich, Dänemark oder Irland. Die Steigerungsrate von durchschnittlich 8,5 Prozent bewegt sich jedoch im oberen Mittelfeld.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienkonjunktur, Immobilienwirtschaft

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