Corona-Folge: Dämpfer bei Bürovermietungen in den Metropolen

Die Büromärkte in den sieben deutschen Metropolen reagieren direkt auf die Coronakrise. Bereits jetzt sind die Vermietungen drastisch um mehr als ein Drittel zurückgegangen, wie die Halbjahreszahlen von German Property Partners (GPP) zeigen. Mit einem Nachholeffekt rechnen die Makler erst 2021.

"Wie und ob sich die aktuelle Situation auch langfristig auf die Mietpreisentwicklung und das Flächenangebot auswirken wird, ist noch nicht abzusehen. Auch wenn sich mancherorts die Situation ganz langsam wieder normalisiert", sagt Oliver Schön, Sprecher beim Maklerverbund German Property Partners (GPP). Er geht davon aus, dass die Bürovermietungen in diesem Jahr deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben werden.

"Wir rechnen an den Top-7-Standorten mit rund 2,5 Millionen Quadratmetern zum Jahresende. 2019 waren es rund 3,87 Millionen Quadratmeter", prognostiziert Schön und rechnet dabei die Zahlen hoch, die GPP in den sieben größten deutschen Städten ermittelt hat. Analysiert wurden die Flächenumsätze an den Büroimmobilienmärkten von Berlin, München, Hamburg, Frankfurt am Main, Düsseldorf, Köln und Stuttgart zwischen Januar und Juni 2020.

Corona-Auswirkungen sind in Frankfurt deutlich zu spüren

Der Flächenumsatz an den Top-7-Bürostandorten ist im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 35 Prozent gesunken. In den ersten sechs Monaten 2019 wurden knapp 1,9 Millionen Quadratmeter Büroflächen vermietet, zwischen Januar und Juni 2020 betrug der Flächenumsatz gerade einmal 1,2 Millionen Quadratmeter in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München. Ursächlich für den starken Rückgang des Flächenumsatzes seien die Lockdown-Maßnahmen wegen der Corona-Pandemie, meint GPP-Sprecher Schön.

Den stärksten Einbruch gab es in Frankfurt mit einem Minus von 55 Prozent. München verzeichnete den niedrigsten Rückgang (minus 19 Prozent). Auch in den anderen Metropolen ist die Nachfrage merklich eingebrochen. In Hamburg am zweitstärksten mit einem Minus von 47 Prozent, gefolgt von Stuttgart (minus 44 Prozent), Düsseldorf (minus 35 Prozent), Köln (minus 34 Prozent) und Berlin (minus 24 Prozent).

"Unternehmen agieren bei der Suche nach Büroflächen zögerlich. Vor allem Gesuche, die in der Expansion von Unternehmen begründet sind, liegen weitgehend auf Eis." Oliver Schön, Sprecher von German Property Partners (GPP)

Vom Leerstandsboom zur Überversorgung

Die Leerstände bei den Büros an den Top-Standorten waren in den vergangenen Jahren über alle sieben Großstädte hinweg auf dem "Sinkflug". Diese Entwicklung hat Corona gebremst.

Die Leerstandsquote ist im ersten Halbjahr 2020 nur noch in Berlin rückläufig: Hier sank der Leerstand von 1,6 in den ersten sechs Monaten 2019 auf nun 1,3 Prozent. Auch in Düsseldorf registriert GPP noch einen Rückgang der Leerstandsquote von 7,4 Prozent auf 6,8 Prozent. In München stagnierte sie bei 1,7 Prozent. In den anderen vier Städten nahm das Flächenangebot zu.

"Im Zuge der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen ihren Flächenbedarf überprüft, zeitweise Homeoffice-Lösungen ausgebaut und teilweise leider auch Stellen abbauen müssen. Dadurch kommen temporär Untermietflächen auf den Markt." GPP-Sprecher Oliver Schön

Auch hier toppt Frankfurt alles mit einer neuen Leerstandsrate von 7,2 Prozent. Auch Hamburg liegt noch über dem Durchschnitt mit 3,3 Prozent Leerstand. Über alle Top 7 hinweg liegt die Rate aktuell im Schnitt bei 3,1 Prozent. In Stuttgart und Köln stieg zwar das Flächenangebot, aber der Leerstand hält sich noch in Grenzen mit 2,2 beziehungsweise 2,6 Prozent. Der Trend steigender Leerstandsraten wird allerdings "kein dauerhaftes Phänomen sein", glaubt Schön.

Büromieten steigen durch Abschlüsse vor Corona und durch Großdeals

Die Durchschnittsmieten sind laut GPP in fast allen Top-7-Städten gestiegen, am deutlichsten in Berlin und München mit einem Plus von jeweils 20 Prozent. In Berlin begründet GPP dies mit Anmietungen, die vor Ausbruch der Corona-Pandemie angestoßen wurden. In München liege der deutliche Anstieg vor allem an den teuren Großabschlüssen von Amazon (34.000 Quadratmeter) im ersten Quartal und KPMG (32.000 Quadratmeter) im zweiten Quartal.

Auch in Frankfurt, wo die Durchschnittsmieten einen Sprung von neun Prozent gemacht haben, ist ein Großdeal verantwortlich. Dort haben Freshfields Bruckhaus im "Four T1" rund 14.500 Quadratmeter angemietet. Das ist eines von vier Bürohochhäusern, die im Bankenviertel nach und nach entstehen. Der Tower 1 (T1) mit 233 Metern Höhe ist ein reines Bürogebäude und soll bis 2024 fertig werden. Die teuerste Miete wird derzeit im Schnitt in der Hauptstadt bezahlt mit 28,95 Euro pro Quadratmeter; am günstigsten ist Köln mit 15 Euro.

Bei der Spitzenmiete legte Hamburg mit einem Anstieg um neun Prozent am deutlichsten zu: von 28 auf 30,50 Euro pro Quadratmeter und Monat. In Düsseldorf stieg die Spitzenmiete nur leicht um zwei Prozent auf 28,50 Euro pro Quadratmeter und Monat. In diesem Bereich ist Frankfurt die teuerste Stadt mit einem Quadratmeterpreis von 45 Euro. Berlin liegt mit 39 Euro vor München (38,50 Euro).


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