Büromieter-Umfrage: Keine Verkleinerung trotz Corona

Das Arbeiten im Homeoffice hat sich mittlerweile etabliert. Bei einer Umfrage kam jedoch heraus, dass nur etwa jeder zehnte Büromieter plant, sich deshalb räumlich zu verkleinern. Büros werden in der modernen Arbeitswelt nicht obsolet – und es kommen Trends, die auch Chancen für Investoren bieten.

Zwei Drittel (66 Prozent) der Büromieter planen eine Änderung ihrer Bürogrößen wegen Covid-19. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Rueckerconsult im September 2020. Teilgenommen haben daran 210 Unternehmen. Nur etwa jedes zehnte Unternehmen (13 Prozent) gab an, die Flächen reduzieren zu wollen, 14 Prozent wollten sich nicht festlegen oder machten keine Angaben – und sieben Prozent der Umfrageteilnehmer denken jetzt schon über größere Büros nach, um ihre Pandemie-Schutzmaßnahmen besser umsetzen zu können.

Die Ergebnisse der Umfrage wurden im Rahmen einer Online-Pressekonferenz diskutiert. Die Teilnehmen waren Michael Schöneich (Commercial Director bei ISG), Ken Kuhnke (Leiter Vermietungsmanagement und Mitglied der Geschäftsleitung bei HIH Real Estate) und Mathias Gross (Vorstand der Polis Immobilien AG).

Das Homeoffice: Doch nur ein Hype?

Das Arbeiten im Homeoffice hat sich laut Rueckerconsult im Laufe der Corona-Krise in fast allen der befragten Unternehmen etabliert. Nur 14 Prozent ermöglichen ihren Mitarbeitern kein mobiles Arbeiten. 29 Prozent der Unternehmen haben jeden fünften Mitarbeiter im Homeoffice, nur sieben Prozent gaben an, dass vier von fünf Mitarbeitern von zu Hause arbeiten.

"In den meisten Fällen wird das Thema Homeoffice flexibel von Fall zu Fall geregelt", erklärte Michael Schöneich (ISG). 41 Prozent der Büromieter handhaben das aktuell so. In rund einem Drittel (37 Prozent) der Fälle steht es den Mitarbeitern offen. Beklagt wird von den Arbeitgebern, dass knapp ein Viertel (23 Prozent) der Beschäftigten im Homeoffice weniger produktiv seien. Nur zehn Prozent der Befragten konstatieren eine höhere Produktivität.

"Büros bleiben auch in der modernen Arbeitswelt unersetzlich. Sie sind Garant für persönlichen Austausch, für Kreativität und Produktivität am Arbeitsplatz“, kommentierte Mathias Gross (Polis Immobilien AG). Auch in Zukunft werde das Homeoffice eine Rolle spielen, aber nach Corona deutlich an Bedeutung verlieren.

Auch wechselnde Arbeitsplätze beziehungsweise Desk-Sharing sind im deutschen Büroalltag eher noch die Ausnahme: Mit 81 Prozent der Befragten nutzt die überwältigende Mehrheit der Mieter diese Form der Büroorganisation nicht.

Büro der Zukunft: "Hochwertig gestalteter Treffpunkt"

Eine Marktlücke erkannte Schöneich bezüglich der Flächenberatung: "Ein Großteil der Unternehmen agiert bislang ohne Fokus auf Präventionsmaßnahmen oder führt nur einzelne punktuelle Maßnahmen durch." Etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen (36 Prozent) beschäftigten sich aktuell nicht mit Schutzmaßnahmen im Büro aufgrund von Covid-19.

Ein Fünftel (20 Prozent) hat sie schon realisiert oder plant noch Minimalmaßnahmen wie seitliche Abschirmungen von Arbeitsplätzen. Rund 13 Prozent der Umfrageteilnehmer nutzen festgelegte Laufwege, um die Infektionsgefahr zu verringern; elf Prozent haben die Essbereiche umgestaltet oder haben das noch vor, um Ansteckungsrisiken zu minimieren.

Das Büro der Zukunft wird aber mehr sein: Es wird zum Beispiel auch mehr Gemeinschaftsflächen und Konferenzräume umfassen müssen, meinte Schöneich: "Denn das Büro hebt sich nicht als Arbeitsort, sondern allem voran als hochwertig gestalteter Treffpunkt von der Privatwohnung ab."

Bürovermietung: Kurzzeitverträge könnten für Investoren interessant werden

Der deutsche Büro(vermietungs)markt ist derzeit geprägt von Absagen, Verschiebungen und verlangsamten Entscheidungsprozessen. "Mieter sind aufgrund der Krisenerfahrungen zudem eher an Neuverträgen mit kürzerer Festlaufzeit interessiert", so Ken Kuhnke (HIH Real Estate), der die aktuelle Situation auf dem Vermietungsmarkt für Büros analysiert hat. Er sieht darin mittelfristig Chancen für Investoren.

"Tendenziell kürzere Festlaufzeiten erlauben in besseren Zeiten eine positive Preisentwicklung schneller zu antizipieren", erläuterte Kuhnke. Eine Erholung des Büromarktes erwartet er für 2021 – und auch er denkt, dass das aktuell verbreitete Homeoffice nicht zu einer umfassenden Flächenreduktion bei Büromietern führen wird. Im Gegenteil: "Die Anzahl der Bürobeschäftigen wird weiter steigen", sagte Kuhnke.

Trend: Mehr Flächen für Austausch und Kollaboration

Im Ergebnis waren sich die Diskutanten auch sicher: Der Trend am Bürovermietungsmarkt geht zu mehr Flächen für Austausch und Kollaboration. Der Wunsch nach Interaktion im Fokus werde durch das Homeoffice noch befördert. Diese mache ausreichend Flächen für "Come-together-Zonen" zwingend erforderlich, heißt es auch in der Umfrage von Rueckerconsult.

"Insofern sehe ich aus den zahlreichen Gesprächen mit Mietern, dass individuelle Arbeitsräume durchaus reduziert werden sollen, aber dadurch gewonnene Flächen durch attraktive Sozialflächen ersetzt werden. Die Mieter wissen sehr gut, dass die Pandemie endlich ist und danach der Fachkräftemangel nicht verschwunden sein wird", sagte Kuhnke abschließend.


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