Peking toppt alles: Hier werden die meisten modernen Büros entstehen Bild: Christoph Froning ⁄

Ganz besonders in Berlin fehlt es an modernen Büros, wie Studien zeigen. Der Neubau kommt hier der Nachfrage nicht hinterher. Dabei boomt weltweit der Bau von Büroimmobilien. Das ist zumindest eine Aussage im Report Global Office Forecast von Cushman & Wakefield. Mehr als 65 Millionen Quadratmeter neuer Büroflächen sollen demnach bis 2019 auf den Markt kommen, bei einer Nachfrage nach 48 Millionen Quadratmetern. Wird doch zu viel gebaut?

Weltweit bleibt die Nachfrage laut Cushman & Wakefield (C&W) also deutlich hinter dem Angebot zurück. Das wird zu einem Anstieg des Leerstands in vielen Städten führen. Und doch ist das Bild in Europa zum Teil ein ganz anderes: Berlin und München etwa werden laut C&W im Jahr 2019 mit 3,1 Prozent beziehungsweise 3,3 Prozent die zweit- und drittniedrigsten Leerstandsraten auf der Welt aufweisen.

Neben Berlin und München wird nach Ansicht von C&W auch Frankfurt am Main in den kommenden Jahren zu den deutschen Städten mit dem stärksten Anstieg der Büromieten gehören, weil es an hochwertigen neuen Flächen fehlt. Für Frankfurt geht Heiko Himme, Niederlassungsleiter Berlin und Head of Office Agency Germany bei Cushman & Wakefield, davon aus, dass die Anfragen von in London ansässigen Finanzunternehmen steigen könnte, die sich nach Alternativen im Falle eines harten Brexit umsehen wird.

Eine aktuelle Studie von Scope zu der Büromietentwicklung in Europa hingegen sieht Frankfurt nicht als den großen Gewinner des EU-Austritts der Briten. Das Wachstum der Bürobeschäftigung in London wird laut C&W nur vorübergehend gehemmt durch die Unsicherheiten. Der Leerstand wiederum wird mit weniger als fünf Prozent gering bleiben.

Ältere Bürogebäude haben das Nachsehen

Nach Erkenntnissen von Cushman & Wakefield ist die Entwicklungspipeline in Europa ordentlich gefüllt – vor allem wichtige europäische Büromärkte, wie Paris, London und Brüssel, werden demnach in den kommenden zwei Jahren einen zyklischen Höhepunkt der Neubauaktivitäten erreichen, allerdings bei weiterhin niedrigen Leerstandsraten.

„Die Mehrheit der Projektentwickler konzentriert sich auf die weltweit wichtigen Städte; dort, wo der Hunger nach neuen Hochglanz-Gebäuden am größten ist", sagt Kevin Thorpe, Global Chief Economist von Cushman & Wakefield.

Diese Angebotswelle an modernen Flächen wird sich laut C&W über kurz oder lang zu einem harten Wettbewerb für schlechter ausgestattete Büroimmobilien entwickeln. Wann Flächen auf den Markt kommen, ist nicht absehbar, da sich einige europäische Projektentwickler aufgrund der Unsicherheiten durch die Brexit-Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien noch zurückhalten.

Büromietwachstum: Berlin unter den Top 5 weltweit

In Europa werden die meisten Büros laut C&W in Istanbul, London, Brüssel, Wien und Dublin noch 2017 fertigstellt werden. In Stockholm, Amsterdam und Helsinki wird der Bestand an neuen Büroflächen am wenigsten wachsen, was voraussichtlich zu höheren Mietpreisen führen wird.

Das höchste durchschnittliche Mietwachstum erwartet C&W in Europa für Madrid, Berlin und Stockholm. Frankfurt, Mailand und Budapest haben es unter die ersten zehn geschafft. Lange Jahre war München Top-Performer unter den deutschen Städten im weltweiten Vergleichsstudien. Immobilieninvestoren wiederum bevorzugen nach Oslo und London noch immer München, wie der JLL Investment Intensity Index zeigt, der im Frühjahr auf der Mipim in Cannes vorgestellt wurde. Auch im European Regional Economic Growth Index von LaSalle für 2016 schnitt München als Investmentstandort im europäischen Vergleich besonders gut ab.

60 Prozent des Büroneubaus entfallen auf Asien-Pazifik

In Europa wird also nicht zu viel gebaut. Wie also sind die Rekordzahlen zu erklären? Tatsächlich konzentrieren sich knapp 60 Prozent der gesamten Neubauaktivität weltweit auf den Raum Asien-Pazifik, schreibt Cushman & Wakefield. Vor allem in Peking, Shenzhen, Schanghai, Manila und Bangalore boomt der Büroneubau. Alleine diese fünf Märkte machen 55 Prozent der in Asien-Pazifik stattfindenden Bautätigkeit und mehr als ein Drittel der Bautätigkeit weltweit aus.

Peking wird in den kommenden drei Jahren sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite die Führungsrolle in der Welt einnehmen.

In den meisten Märkten im Raum Asien-Pazifik geht Cushman & Wakefield von einer Verschiebung in Richtung Mietermarkt aus. Durch die Überalterung des Flächenbestands in Gateway Cities wie Singapur, Melbourne und Tokio werden neue Projekte für Mieter, die eine effiziente und moderne Fläche suchen, dennoch interessant bleiben. Die weltweit niedrigste Leerstandsrate von 2,4 Prozent wird im Jahr 2019 Sydney aufweisen.

USA, Kanada und Südamerika: Mehr Flächen errichtet als gebraucht

Der amerikanische Kontinent erreicht 2017 laut C&W den Höhepunkt seines Bauzyklus, der sich 2018 und 2019 abschwächen wird. Immer noch werden in den USA, Kanada und Südamerika mehr Flächen errichtet als in den nächsten Jahren absorbiert werden können.

New York City, Dallas, Los Angeles, Atlanta und Chicago werden Büroflächen brauchen, da hier das Beschäftigungswachstum am höchsten ist. Washington, D.C. Metro (inklusive der angrenzenden Washington Metropolitan Area) und Phoenix zeigen ebenfalls einen deutlichen Aufwärtstrend. In Südamerika boomen Rio de Janeiro und Sao Paulo. Die niedrigsten Leerstandsraten erwartet C&W im Jahr 2019 in Toronto (3,9 Prozent), Vancouver (6,3 Prozent), Orlando (7,2 Prozent), Ottawa (7,3 Prozent) und Winnipeg (7,4 Prozent).

In den USA sind es die B-Märkte, die in den kommenden drei Jahren die größten Mietpreiswachstumsraten aufweisen werden.

Für Seattle erwartet C&W bis 2019 Mietpreisanstiege von 6,8 Prozent, damit ist die Ostküstenmetropole die Nummer eins beim erwarteten Mietpreiswachstum.

Schlagworte zum Thema:  Büroimmobilie, Neubau

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