CRE-Strategie: "War for Talents" wichtiger als Kostensenkung

Arbeitsbedingungen haben einen wachsenden Einfluss auf Immobilienentscheidungen von Unternehmen. Laut einer Umfrage von CBRE sind die Mitarbeiterzufriedenheit sowie das Gewinnen und Halten von Talenten ("War for Talents") der Schlüssel zu einer erfolgreichen Corporate-Real-Estate-Strategie.

68 Prozent der in diesem Jahre befragten 180 Unternehmen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika bewerten im "EMEA Occupier Survey 2019" von CBRE die Mitarbeiterzufriedenheit als besonders wichtig für ihre Immobilienstrategie. 65 Prozent nannten den sogenannten "War for Talents" als wichtigsten Treiber. Als noch bedeutender wurde nur die Ausrichtung der Strategie anhand der Unternehmensziele bewertet. Die Kostensenkung, in der Vorjahresumfrage der wichtigste Faktor für die CRE-Strategie, liegt jetzt auf Platz vier (43 Prozent).

Die meisten der befragten Unternehmen sind im Bereich "Banking & Finance" tätig, gefolgt von "Technology & Communications" (15 Prozent), "Professionelle Dienstleister" (13 Prozent), "Biowissenschaften" (elf Prozent) und "produzierende Industrie" (neun Prozent.) Der Rest veteilt sich. Etwa 50 Prozent der Unternehmen befinden sich in Kontinentaleuropa, vor allem in Deutschland, der Schweiz und Frankreich.

Personal- und Fachkräftemangel bedeuten große strategische Herausforderung

Wie schon in der CBRE-Umfrage 2018 werden auch in diesem Jahr Technologie-Disruptionen (36 Prozent), wirtschaftliche Unsicherheit (43 Prozent) und Kostensteigerungen (31 Prozent) als zentrale Herausforderungen für die Nutzer genannt. Rund 30 Prozent der Unternehmen sehen im Personal- und Fachkräftemangel eine wichtige strategische Herausforderung: Das sind doppelt so viele Unternehmen wie noch im Vorjahr.

"Die Herausforderung für die Nutzer besteht darin, geeignete Immobilien über verschiedene Standorte, Funktionen und Formate hinweg zu finden, zu gestalten und zu verwalten, sodass optimale und attraktive Arbeitsbedingungen bestehen." Oliver Küppers, Head of Advisory & Transaction Services | Occupier bei CBRE Deutschland

Diese Herausforderungen seien vor allem für Abteilungen in Unternehmen besonders akut, welche die knappen und umkämpften digitalen oder datenwissenschaftlichen Talente anziehen müssen, erklärt Küppers.

Nutzer würden für hochtechnisierte Gebäude Prämien auf die Spitzenmieten zahlen

Die CBRE-Umfrage identifiziert vier wesentliche Hebel, mit denen Unternehmen Immobilien nutzen wollen, um ihre Attraktivität für Fachkräfte zu beeinflussen und zu erhöhen: eine Beschaffungs- und Ausrüstungsstrategie, eine flexible Raumstrategie, die User-Experience-Strategie und eine Technologiestrategie.

"Diese vier Aspekte sind alle eng miteinander verknüpft. Die Herausforderung für Unternehmen besteht darin, einen effektiven Ansatz sowohl für jeden dieser Aspekte zu finden als auch aus dem Zusammenspiel zusätzliche Synergien zu heben." Martina Williams, Head of Client Solutions bei CBRE in EMEA

Laut CBRE wären knapp 60 Prozent der Nutzer bereit, für ein hochwertiges Angebot im Rahmen eines Dienstleistungsvertrags eine Prämie von mindestens zehn Prozent auf die Spitzenmiete zu zahlen. 46 Prozent würden eine ähnliche Prämie für ein voll technisiertes, intelligentes Gebäude zahlen (Beschaffungs- und Ausrüstungsstrategie).

Nachfrage nach flexiblen Flächen steigt weiter

Auch die Nachfrage der Unternehmen nach flexiblen Flächen steigt weiter. Der Anteil der Unternehmen, die in den kommenden drei Jahren eine signifikante Nutzung flexibler Flächen erwarten, ist zwanzig Prozentpunkte größer als der Anteil der Unternehmen, die flexiblen Flächen bereits jetzt eine große Bedeutung zusprechen. Das Gewinnen und Binden von Talenten hat als Grund für das Nutzen flexibler Raumstrategien im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozentpunkte an Bedeutung gewonnen. Immer mehr Unternehmen entscheiden sich auch für flexible Flächen als Teil eines breiteren Versuchs, mit unterschiedlichen Arbeitsplatz- und Nutzungsmodellen zu experimentieren (Flexible Raumstrategie).

Nutzererlebnis: Nur rund ein Drittel der Unternehmen hat ein UX-Programm

Institutionalisierte User-Experience-Programme (UX-Programme), die darauf abzielen, dem gesamten Spektrum der Bedürfnisse der Mitarbeiter hinsichtlich Arbeitsplatz, Annehmlichkeiten und Service zu entsprechen, sind laut CBRE in den Unternehmen immer noch nicht weit verbreitet. Nur rund 30 Prozent der Unternehmen haben demnach ein formelles UX-Programm oder planen die Einführung eines solchen. Ein Drittel der Unternehmen gab jedoch an, einen UX-Verantwortlichen einstellen zu wollen, und zwei Drittel wären bereit, eine Prämie für ein Gebäude zu zahlen, in dem der Vermieter ein erweitertes UX-Angebot anbietet (User-Experience-Strategie).

Als die vier wesentlichsten Faktoren für ein UX-Programm nannten die Unternehmen das Umfeld, beispielsweise die Gebäudesicherheit (83 Prozent), Annehmlichkeiten wie Fitness- oder Essensangebote (63 Prozent), Gemeinschaft (37 Prozent) und Arbeitsprozesse, etwa technische Tools (67 Prozent).

Investitionen in Immobilientechnologie stärker auf Menschen ausrichten

Technologische Disruption, vor allem künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen, wie 83 Prozent der Befragten sagten, werden zu einem wichtigen Treiber, noch vor dem oder Internet of Things (53 Prozent). Im CBRE-Survey 2018 hatten 62 Prozent der befragten Unternehmen angegeben, ihre Investitionen in Immobilientechnologien bis zum Jahr 2021 erhöhen zu wollen. Im aktuellen Bericht sagten das nun 70 Prozent der Unternehmen. Dabei sollen diese Investitionen künftig noch stärker auf den Menschen ausgerichtet werden, etwa durch neue Apps für die Gebäudenutzer. Geplant sei außerdem das Einstellen von Datenwissenschaftlern und das Auslagern an Spezialisten (Technologiestrategie).


Das könnte Sie auch interessieren:

Corporate Real Estate Management kämpft mit Investitionsstau

Markt für flexible Büros: Hybrid-Modelle beliebter als Coworking