Den Markt für Coworking-Angebote dominieren derzeit eine Handvoll Großanbieter. Sie expandieren - im Moment vor allem noch in Großstädten. Hinzu kommen lokal fokussierte Einzelanbieter.

Weil das Angebot von Coworking-Spaces auf dem deutschen Bürovermietungsmarkt zunimmt, hat Savills jüngst auf die Entwicklung reagiert und die Plattform "workthere" an den Start gebracht. Das soll nach Angaben des Unternehmens für mehr Transparenz am Markt sorgen.

Diesen dominieren derzeit vor allem Großanbieter. Der seit fast 30 Jahren und weltweit auftretende Anbieter von Business-Centern Regus gilt als Traditionsfirma, das relativ spät auf den Trend aufgesprungen ist. JLL zufolge setzte Regus 2017 knapp 21.000 Quadratmeter an flexiblen Flächen um. „Hier steht eher das traditionelle Raumangebot im Vordergrund“, sagt Stephan Leimbach, Head of Office Leasing bei JLL. Regus gehört zur internationalen IWG-Gruppe, die  darüber hinaus mit Spaces (2017: 13.100 Quadratmeter) eine separate Linie für das flexible Vermieten möblierter Lösungen fährt – und damit einer Entwicklung folgt, bei der vor allem die Mitbewerber von WeWork den Markt vor sich her treiben (Flächenumsatz 2017: 81.800 Quadratmeter).

Lounge-Zugang ab 320 Euro aufwärts

Seit 2016 ist das US-Unternehmen auch in Deutschland aktiv und bietet funktionale Bürotische mit Basis-Ausstattung in verschiedenen Größenordnungen, Gemeinschaftsbereiche mit offenen Küchen, Duschen, Tischtennisplatten und regelmäßige Social-Events. Den Lounge-Zugang gibt es für etwa 320 Euro aufwärts – die wahre Leistung indes sei der Anschluss an die „Community“, die für Freiberufler private und berufliche Austauschbörse gleichermaßen sei, sagt General Manager Wybo Wijnbergen.

Weitere Expansion in Berlin geplant

Den ersten deutschen Standort eröffnete WeWork am Berliner Potsdamer Platz, knapp 1.000 Plätze stehen auf vier Etagen im Sony-Center zur Verfügung, die nach Unternehmensangaben in der Regel zu 95 Prozent ausgebucht sind. Demnächst eröffnet in München das dann elfte Gebäude bundesweit, weitere Expansion vor allem für Berlin ist angekündigt. Die Kunden – Mitglieder genannt – stammen zur Mehrheit aus der Startup-Szene, einen wachsenden Anteil machen indes auch etablierte Firmen aus – in Berlin etwa schätzt die Managerin im Sony-Center den Anteil an bis zu 40 Prozent.

Ein ähnliches Konzept verfolgt rent24 (Flächenumsatz 2017: 14.500 Quadratmeter), das nach der Übernahme des Mitbewerbers friendsfactory die Zahl der Standorte bis 2019 auf mehr als 100 vervierfachen möchte. Gut 150 Millionen Euro wollen die Firmen dafür investieren, neben Einzelbüros und flexiblen Arbeitsplätzen sollen Coliving-Angebote zum dritten Standbein werden. Außerdem testet rent24 Kombinationen wie die Integration eines Fitnesstudios.

Fokus liegt auf Großstädten

Noch fokussiere man wegen der enormen Nachfrage auf  Großstädte, sagt rent24-Chef Robert Bukvic. Auch Universitäts-Städte könnten aber mittelfristig interessant werden. Als Hauptkonkurrenten sieht Bukvic die klassischen Büroflächenanbieter – wegen des Kampfes um die rar gewordenen zusammenhängenden Flächen in den Top-Lagen. Ebenso wie WeWork spielt rent24 mit einer Mischung aus Rückzug und Gemeinschaft, will Wohnzimmer und Businessplattform zugleich sein.

Mindspace-Deutschlandchef Bastian Bauer bestätigt diese Einschätzung.

„Wir wollen immer in die A-Lagen, dort herrscht die Vibration, da will man hin.“ Mindspace-Deutschlandchef Bastian Bauer

Bauer sieht das Alleinstellungsmerkmal seines Unternehmens in der Nähe zum Kunden; die sehen im Mindspace-Konzept Parallelen zur WeWork-Welt. Mit 14.100 Quadratmetern umgesetzter Bürofläche 2017 ist der Anbieter zwar deutlich kleiner als der Platzhirsch, doch die Zeichen stehen auf Wachstum –genauso wie bei Konkurrent designoffices.

Das inhabergeführte Unternehmen setzte der JLL-Analyse zufolge 2017 gut 35.000 Quadratmeter Bürofläche um und hat sich vor allem im Bereich Corporate Coworking etabliert – also im Fullservice-Angebot für Unternehmen. Entsprechend positioniere man sich nicht unbedingt in den Startup-Hochburgen, sondern wähle auch wirtschaftliche Schwergewichte in B-Lagen, erklärt Firmenchef und Gründer Michael Schmutzer und erwähnt Heidelberg und Leipzig.

Den Markt ergänzen häufig lokal fokussierte Einzelanbieter – von der „Factory“, die in Berlin gerade ihren zweiten Standort eröffnet bis hin zu Betreibern auch an B- und C-Standorten oder ganz auf dem Land. Diese „kleinen“ setzten 2017 knapp 45.000 Quadratmeter Bürofläche um.

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