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In Coworking-Büros gibt es auch Minigolf-Bahnen. Bild: Getty Images, Inc.

Coworking boomt. Mit der Vermietung einzelner Schreibtische in Fabrikhallen haben die marktdominierenden Hybridlösungen in zentralen Lagen dabei kaum mehr etwas gemeinsam. Auch Konzerne wissen die Rundum-Sorglos-Lösungen der modernen Arbeitswelt inzwischen zu schätzen.

Vor dem Kaffeeautomaten warten drei Minigolf-Bahnen auf Spieler, in der Ecke laden mit Samt bezogene Ohrensessel zum Eintauchen ein, es riecht nach Popcorn und aus dem Internetradio dudelt Musik: Wer das ehemalige Kaufhaus Mannheimer nahe dem Berliner Gendarmenmarkt betritt, fühlt sich wie in einer Mischung aus Wohnzimmer und Freizeitpark. Erst die durch Glasscheiben getrennten Büros in den oberen Stockwerken erinnern daran, dass sich hier täglich Menschen zum gemeinsamen Arbeiten treffen – das Gebäude zählt zu den Vorzeigeobjekten des Coworking-Anbieters rent24.

Rasante Karriere eines neuen Trends

Und es zeigt musterbeispielhaft, wohin sich der Markt entwickelt hat: Vom einzelnen Schreibtisch in der vollgepfropften Fabriketage hin zum Rundum-Sorglos-Büro in einer „Community“, in der vom Rückzugssofa bis hin zum gemeinschaftlichen Hausfrühstück sämtliche Formen der sozialen und beruflichen Interaktion möglich gemacht werden.

„Die Zeit ist reif für solche Angebote.“ Analyst Wolfgang Speer, Colliers International

Das Büroimmobilien-Segment hat in den vergangenen drei Jahren eine rasante Karriere hingelegt. Auch wenn die Idee hinter den meisten dieser gemeinschaftlichen Büro-Angebote gar nicht so neu sei – nun würden sich offenbar die Vorstellungen von Startup-Betreibern und die Erfahrungen bewährter Unternehmen auf dem deutschen Markt treffen und gegenseitig befruchten, so Speer, der bei Colliers den Bereich Office & Occupier Services verantwortet.

Martanteil stieg um fünf Prozent

Kollegen anderer Beratungshäuser geben ihm in der Einschätzung Recht: Coworking boomt. Cushman & Wakefield verzeichnete 2017 eine Rekordnachfrage nach Coworking Spaces. Und die Analysten von CBRE beobachteten ebenfalls überhaupt erst seit 2015 ein vermehrtes Auftreten von so genannten Flexible-Office-Betreibern, unter die Coworking fällt. „Derzeit lässt sich eine äußerst dynamische Expansion internationaler Anbieter  beobachten“, halten sie in ihrem jüngsten Bericht zum deutschen Bürovermietungsmarkt fest. Der Marktanteil am Gesamtumsatz der Transaktionen habe 2017 gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozentpunkte auf sieben Prozent zugelegt. In manchen Top-Innenstadtlagen wie etwa in München verzeichneten die CBRE-Analysten einen Marktanteil von mehr als einem Drittel.

Umsatzstärkstes Marktsegment in den USA

Ihre Kollegen vom Beratungshaus Savills bekräftigen die Einschätzung. „Im Sog der Büroflächenknappheit entwickeln sich die Anbieter von Coworking-Spaces zu bedeutenden Spielern an den Büromärkten“, erklären sie. Damit schwappt mit zeitlicher Verzögerung eine Entwicklung aus den USA nach Deutschland, wie Jones Lang LaSalle (JLL) in einer Studie zeigt: Ihr zufolge ist Coworking in New York zum umsatzstärksten Marktsegment aufgestiegen.

Schlagworte zum Thema:  Selbstständige Arbeit, Bürogemeinschaft

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