Berlin ist eine Startup-Stadt und könnte infolge des Brexit auch zu einer Hauptstadt für Coworking werden Bild: Corbis

Flexible Büroflächen sind begehrter denn je. Cushman & Wakefield verzeichnete 2017 eine Rekordnachfrage nach Coworking Spaces. Dabei hat London die Position als weltweiter Marktführer gefestigt und hat New York hinter sich gelassen. Die Unsicherheit um den Brexit könnte das Interesse nach flexiblen Arbeitsplätzen in London weiter steigern, da Unternehmen langfristige Mietverträge meiden. In Deutschland könnte Berlin als Sitz für Startups zu den Brexit-Gewinnern gehören.

"Flexible Arbeitsplätze sind nun ein äußerst wichtiger Teil der europäischen Wirtschaft und werden zunehmend ein fester Bestandteil in unseren Städten sein", sagt Elaine Rossall, Autorin des Berichts und Partnerin bei Cushman & Wakefield im EMEA Research & Insight Team.

London hat New York sowohl in Bezug auf Flächen als auch auf die Anzahl der Betreiber weit hinter sich gelassen. Seit 2012 entfallen im Durchschnitt in Manhattan 2,9 Prozent der Vermietungen an Betreiber von flexiblen Arbeitsplätzen, verglichen mit 10,6 Prozent in London.

Hohe Wachstumsraten auch in München

Nicht nur London und Berlin, auch andere europäische Städte verzeichnen Wachstumsraten: In Dublin stieg der Flächenumsatz von flexiblen Arbeitsplätzen von 0,7 Prozent im Jahr 2016 auf knapp 7,9 Prozent in 2017. Ähnliches gilt für München. Hier betrug der Flächenumsatz im vergangenen Jahr zirka 35.000 Quadratmeter – insgesamt 7.200 Quadratmeter waren es 2016.

In Frankreich finden derzeit Arbeitsreformen statt, um den Arbeitsplatz flexibler zu gestalten. Und in Spanien entwickelt sich in Barcelona und in Madrid ein Markt für flexible Arbeitsplätze. 2017 wurden in diesen Städten knapp über 30.000 Quadratmeter vermietet. In beiden Städten wird mit einer steigenden Tendenz gerechnet.

Wachstumsprognose: Dynamischere Coworking-Kultur bei größeren Unternehmen

Cushman & Wakefield erwartet, dass die Nachfrage nach Coworking-Spaces 2018 vor allem bei größeren Unternehmen ansteigen wird: Diese Unternehmen bevorzugen der Studie zufolge eine dynamischere Coworking-Kultur sowie auch kürzere Mietverträge.

Das Wachstum wird sich laut Cushman & Wakefield in ganz Europa weiter beschleunigen – einhergehend mit dem Erfolg der Technologiebranche, einer florierenden Startup-Szene und den Prognosen, dass die Bürobeschäftigung bis 2021 um zirka sechs Prozent wachsen wird.

Das bestätigt auch Knight Frank: Laut einer aktuellen Studie werden 2018 flexible Büros das Verhalten der Investoren an den europäischen Gewerbeimmobilien entscheidend prägen.

Marktanteil flexibler Büros wächst bis 2018 auf zehn Prozent

"Ein Hauptthema bleibt der wachsende Druck auf das Angebot von geeigneten Coworking-Spaces und ob die Vermieter und Projektentwickler mit der Nachfrage Schritt halten können", so Rossall. Cushman & Wakefiled geht davon aus, dass flexible Arbeitsplätze beispielsweise in Großbritannien in den kommenden zehn Jahren mindestens zehn Prozent des Gesamtmarktes ausmachen werden. "Für das übrige Europa sehen wir ähnliche Wachstumsraten", fügt Rosell hinzu.

Pubs, Hotels und Bibliotheken gewinnen laut Cushman & Wakefield für die Betreiber von flexiblen Arbeitsplätzen zunehmend an Attraktivität. "Die Verfügbarkeit von leer stehenden Einzelhandelsflächen könnte dazu führen, dass Coworking-Spaces ein fester Bestandteil in den Haupteinkaufsstraßen in Europa werden", sagt Rossall abschließend.

Auch laut Savills werden nicht mehr vorzugsweise Büros in der Peripherie, sondern hochwertige Flächen in bester Lage für die Wissensarbeiter angemietet – immer häufiger handele es sich hierbei um Coworking Spaces und Serviced Offices. Savills selbst hat als Reaktion auf diese Entwicklung vor kurzem die Plattform "workthere" an den Start gebracht.

Schlagworte zum Thema:  Berlin, Büroimmobilie, Startup

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