Die Büromietmärkte in Europa entwickeln weiterhin gut, die Nachfrage Flächen bleibt hoch, ganz besonders in Berlin Bild: John Foxx Images

Der europäische Mietpreisindex von JLL legte im ersten Quartal 2017 gegenüber dem Schlussquartal 2016 um 0,6 Prozent zu. Ohne Großbritannien notiert der Immobilienberater sogar ein Plus der Spitzenmieten um 4,3 Prozent. Dies deute auf eine in immer mehr Ländern zunehmend vermieterfreundlichere Marktentwicklung hin. Berlin zeigt mit einem Plus von 3,7 Prozent ein starkes Wachstum, während London einen Rückgang von rund acht Prozent verzeichnet.

In den beiden größten Märkten, Paris und London, blieben die Spitzenmieten über das Quartal stabil bei 765 Euro pro Quadratmeter und Jahr. London weist dabei seit dem EU-Referendum einen Rückgang um 8,3 Prozent auf, was JLL zufolge Zeichen für eine verstärkte Unsicherheit am Markt ist. Bei weiter zunehmenden Leerständen könnten die Mieten vor allem im Londoner West End bis zum Jahresende noch einmal leicht nachgeben.

Vor allem Berlin (plus 3,7 Prozent auf 336 Euro pro Quadratmeter und Jahr) zeigt erneut ein starkes Wachstum der Spitzenmieten, was einem Mangel an entsprechendem Flächenangebot geschuldet ist. In den kommenden Monaten dürfte es laut JLL bei einem Anstieg der Spitzenmieten bleiben, wenn auch in etwas abgeschwächter Form.

Untersucht wurden die Büromärkte Amsterdam, Athen, Barcelona, Berlin, Brüssel, Budapest, Bukarest, Dublin, Düsseldorf, Edinburgh, Frankfurt am Main, Genf, Hamburg, Helsinki, Istanbul, Kiew, Köln, Kopenhagen, Lissabon, London City, London Westend, Luxemburg, Lyon, Madrid, Mailand, Manchester, Moskau, München, Oslo, Paris CBD, Prag, Rom, St. Petersburg, Stockholm, Stuttgart, Warschau und Zürich, wobei nur die markierten Indexstädte sind.

London verliert 30 Prozent am Umsatzvolumen

Die Nutzernachfrage auf den 24 von JLL untersuchten europäischen Märkten bleibt rege: Das Umsatzvolumen lag in den ersten drei Monaten 2017 mit 2,7 Millionen Quadratmetern auf dem Niveau des Vorjahres. Der Fünf- und Zehn-Jahresdurchschnitt (der jeweils ersten drei Monate) wurde mit zwölf beziehungsweise acht Prozent übertroffen. Dabei zeigen zwölf Märkte einen Umsatzanstieg und zwölf Märkte einen Rückgang, darunter London, das mit einem Umsatzvolumen von 170.000 Millionen Quadratmetern einen um 30 Prozent schwächeren Jahresauftakt als 2016 hinnehmen musste.

In den sieben deutschen Immobilienhochburgen zeigt sich eine ungebrochen dynamische Nachfrage: von Januar bis März wurden knapp eine Millionen Quadratmeter Bürofläche vermietet oder an Eigennutzer verkauft. Das ist laut JLL ein Plus von rund sieben Prozent gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres und von 31 Prozent im Fünf-Jahresdurchschnitt (der jeweils ersten Quartale 2012 bis 2016).

In Anbetracht des außergewöhnlich hohen Umsatzes im Vergleichszeitraum 2016 überrascht es laut JLL nicht, dass einzelne Märkte rückläufige Volumina zu vermelden hatten: Berlin minus 13 Prozent, Düsseldorf minus zwei Prozent, Frankfurt am Main minus zehn Prozent.

Hamburg (plus 48 Prozent), München (plus 39 Prozent) und Stuttgart (plus 18,2 Prozent) legten deutlich zweistellig zu. Den höchsten Umsatzzuwachs weist Amsterdam auf, wo sechsmal so viel Bürofläche vermietet wurde (67.000 Quadratmeter).

Der europäische Büroflächenumsatz dürfte nach Prognosen von JLL auch 2017 über dem Fünf-und Zehn-Jahresdurchschnitt von etwas mehr als elf Millionen Quadratmetern liegen. Flächenexpansionen könnten demnach sogar für ein Ergebnis von 11,7 Millionen Quadratmetern sorgen.

Berlin und München mit niedrigster Leerstandsquote

15 der 24 Index-Städte verzeichneten JLL zufolge einen Rückgang der Leerstandsquote, besonders stark ausgeprägt in Prag, das erstmals seit 2008 eine einstellige Leerstandsquote aufweist (minus 90 Basispunkte auf 9,7 Prozent). Die mit 4,2 Prozent niedrigste Quote unter den 24 Index-Städten weisen mittlerweile zwei deutsche Immobilienhochburgen auf: Berlin und München. Bis Ende des Jahres könnte die Leerstandsquote von derzeit 8,1 Prozent auf unter acht Prozent fallen.

Trotz der Zunahme der Fertigstellungen in den 24 Index-Städten auf insgesamt 889.000 Quadratmeter, entsprechend einem Anstieg von 13 Prozent innerhalb der vergangenen Monate, bleiben laut JLL viele Märkte in einer angespannten Angebots-Nachfrage-Situation: Durch die rege Vermietungstätigkeit wurde das höhere Fertigstellungsvolumen von Projektentwicklungen JLL zufolge in den meisten Städten wieder aufgewogen. Mit 5,3 Millionen Quadratmetern 2018 und 6,2 Millionen Quadratmetern 2019 werde das Fertigstellungsvolumen in den kommenden beiden Jahren weiter zulegen und sich deutlich über dem Fünf-Jahresschnitt bewegen, konzentriert auf London, Paris, Dublin, Berlin und München.

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