Die Mietpreise für Büroimmobilien sind im ersten Halbjahr 2018 so stark gestiegen, dass viele Investoren nicht mehr auf Vertragsverlängerungen, sondern auf Neuvermietungen setzen, um höhere Mieteinnahmen zu erzielen. Das ist ein Ergebnis des "Real Estate Investor Survey" der Beratungsgesellschaft PwC. Der sogenannte Risiko- und Renditeindikator All-Risks-Yield (ARY) lag bei durchschnittlich 3,3 Prozent.

Zum ersten Mal seit der ersten Ausgabe 2014 weist der aktuelle PwC-"Real Estate Investor Survey" damit eine Stabilisierung der Renditen in den deutschen Büroimmobilienmärkten aus. Die für die PwC Studie befragten Investoren gehen davon aus, dass der Wert von 3,3 Prozent auch in den kommenden fünf Jahren stabil bleiben wird. Laut einer Marktanalyse von Union Investment rechnet die Mehrheit der Investoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien bereits für 2019 oder 2020 mit wieder steigenden Renditen.

Der höchste durchschnittliche ARY-Wert im PwC-Survey wurde für Köln ermittelt (4,7 Prozent, minus 0,06 Prozent), gefolgt von Düsseldorf (4,6 Prozent, minus 0,04 Prozent) vor Stuttgart (4,4 Prozent, minus 0,03 Prozent), Frankfurt am Main (4,3 Prozent, stabil), Hamburg (4,3 Prozent, minus 0,05 Prozent) und am unteren Ende München mit einem durchschnittlichen ARY-Wert von 3,9 Prozent (minus 0,02 Prozent). Die Leerstandsquote in den Top 7-Büromärkten hat laut einer Studie von GPP mit 3,7 Prozent im ersten Halbjahr 2018 ein neues Allzeittief erreicht.

Auch in den so genannten "Regional Cities" gingen die ARYs bei Büroimmobilien laut PwC insgesamt zurück und liegen aktuell in Magdeburg am höchsten mit 6,5 Prozent im Durchschnitt (minus 0,16 Prozent). Es folgen Duisburg mit 6,2 Prozent (minus 0,06 Prozent), Erfurt (6,0 Prozent, minus 0,1 Prozent), Dortmund (5,8 Prozent, minus 0,13 Prozent), Rhein-Neckar mit Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen (5,7 Prozent, minus 0,05 Prozent), Dresden 5,6 Prozent, minus 0,08 Prozent), Bremen (5,6 Prozent, minus 0,05 Prozent), Essen (5,5 Prozent, stabil), Karlsruhe (5,5 Prozent, minus 0,08 Prozent), Wiesbaden & Mainz (5,4 Prozent, minus 0,18 Prozent), Leipzig (5,3 Prozent, minus 0,1 Prozent), Hannover (5,2 Prozent, minus 0,15 Prozent), Nürnberg (5,1 Prozent, minus 0,03 Prozent) und Bonn (5,0 Prozent, minus 0,01 Prozent).

Besonders gefragt: Fachmarktzentren und Logistikimmobilien

Die Nachfrage nach High-Street Objekten hat sich laut PwC in den vergangenen sechs Monaten abgeschwächt. Attraktiver werden für Investoren dem Survey zufolge Fachmarktzentren und Baumärkte.

Auch Logistikimmobilien bleiben stark nachgefragt. Der durchschnittliche ARY in Sekundärlagen sank in den vergangenen sechs Monaten um 25 Basispunkte. München und Berlin zeigen die stärkste Komprimierung der minimalen ARYs und bleiben mit 4,4 Prozent an der Spitze der Liste. Die jährliche Wachstumsrate der Mieten liegt bei zwei Prozent.

Die Top 15 Locations

Stadtmin. ARYARY (Durchschnitt Q1 2018)max. AYR
Berlin4,4 %5,7 %6,8 %
Düsseldorf/Köln4,6 %5,9 %6,7 %
Rhein-Main / Frankfurt4,5 %5,6 %6,6 %

Hamburg

4,5 %5,6 %6,5 %
München4,4 %5,5 %6,4 %
Stuttgart4,6 %5,7 %6,6 %

Bremen / Nordseehäfen

5,1 %6,5 %7,4 %
Dortmund4,8 %5,9 %7,0 %

Halle / Leipzig

5,1 %6,1 %7,2 %

Hannover / Braunschweig

5,0 %6,3 %7,1 %
Kassel / Göttingen5,1 %6,3 %7,1 %
Niederbayern5,1 %6,5 %7,3 %

Nürnberg

4,9 %6,0 %7,0 %
Rhein-Ruhr4,8 %5,9 %7,0 %

Ulm

5,2 %6,2 %7,3 %

Quelle: PwC

Investoren rechnen mittel- und langfristig mit steigenden Zinsen

68 Prozent der von PwC befragten Akquisitions- und Research-Abteilungen deutscher und internationaler Investmenthäuser rechnen mit steigenden Zinsen in den kommenden fünf Jahren, auf lange Sicht, also übe die fünf Jahre hinaus, sind es sogar 89 Prozent. Im PwC-Survey für das erste Halbjahr 2017 gaben nur 54 Prozent der Investoren an, zu glauben, dass die Zinsen mittelfristig wieder steigen.

Ganz ähnlich die Schweizer Investoren, die ebenfalls für die Studie befragt worden sind: 73 Prozent rechnen mittel- und 95 Prozent langfristig mit steigenden Zinsen.

Auf dem Markt für Wohnimmobilien in den Top-9-Standorten der Schweiz ist der ARY innerhalb der vergangenen sechs Monate um durchschnittlich 25 Basispunkte gesunken. Ganz oben: Zürich mit einem ARY von 2,2 Prozent. Auch bei den Büroimmobilien wurde in allen Marktsegmenten ein Rückgang des minimalen ARY verzeichnet. Auch hier steht Zürich mit 2,4 Prozent an der Spitze der Liste. Bei Wohnimmobilien in Deutschland ist das Mindestziel des Inflationsschutzes kaum noch zu erreichen, lautet eines der Kernergebnisse der aktuellen "5 %-Studie" von Bulwiengesa.

Lesen Sie auch:

Risiko für Immobilienblase in München und Frankfurt steigt

Asiatische Investoren zieht es verstärkt nach Deutschland

Wohninvestments: Braunschweig aus Renditesicht attraktiver als Hamburg