Nur 46 Prozent der mittelständischen Immobilienunternehmen haben derzeit einen Plan zur Umsetzung der Digitalisierung, wie eine Studie des Bundesverbands BFW zeigt. Als größte Hürden werden hohe Kosten, Zeitmangel und fehlendes Personal angegeben. "Je länger wir mit den notwendigen Investitionen warten, desto größer werden Investitionskosten und -risiken", warnte BFW-Präsident Andreas Ibel bei Präsentation der Umfrage in Berlin.

Die Umfrage mit dem Titel "Das Digitalisierungsparadoxon" hat der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen gemeinsam mit dem BFW-Digitalisierungsbeirat erstellt.

Befragt wurden Bauträger (31 Prozent), Verwalter (27 Prozent), Bestandshalter (22 Prozent), Projektentwickler (15 Prozent) und Planer (fünf Prozent). Die Firmen sind hauptsächlich im Bereich "Wohngebäude" (56 Prozent) tätig.

"Abgesehen von einer kleinen Gruppe digitaler 'Frontrunner' haben die meisten Unternehmen erst digitale Grundlagen umgesetzt". (BFW-Präsident Andreas Ibel)

Hohe Kosten, Zeitmangel, fehlendes qualifiziertes Personal

46 Prozent der befragten Unternehmen, darunter vor allem Firmen mit einer Unternehmensgröße zwischen 50 und 100 Mitarbeitern (Anteil von 44 Prozent) gaben in der Umfrage an, einen Maßnahmenplan zur Umsetzung der Digitalisierung zu haben. 54 Prozent haben keinen Umsetzungsplan für die Digitalisierung.

"Die Umfrage ergibt, dass die Unternehmen große Erwartungen an die Digitalisierung haben. Sie investieren aber noch zu wenig in eigene Spezialisten und in die notwendigen Technologien", so Ibel. "Interne Schulen etwa werden nur von zehn Prozent der Unternehmen bereits umgesetzt.

Obwohl das Thema Digitalisierung eine relativ große (44 Prozent) oder sehr große (22 Prozent) Relevanz für die Firmen hat, wollen der BFW-Umfrage zufolge 77 Prozent der Unternehmen derzeit keine zusätzlichen Mitarbeiter einstellen. Auch die Budgets sehen nur geringe Investitionen in diesem Bereich vor.

Unternehmen drohen sich selbst auszubremsen

Bei der Frage nach dem Stadium der umgesetzten Maßnahmen gaben insgesamt 49 Prozent der Befragten an, noch nicht begonnen zu haben (fünf Prozent) oder in den Anfängen zu stecken. Nur 15 Prozent sagten, Digitalisierung werde in ihrem Unternehmen bereits gelebt. Dabei waren 44 Prozent der Auskunftgeber CEO und 31 Prozent Mitglieder der Geschäftsleitung.

Die Top-3-Maßnahmen, die in den mittelständischen Unternehmen bereits umgesetzt werden, sind Datenmanagementsysteme (26 Prozent), Prozessautomatisierung (16 Prozent) und neue Software (13 Prozent).

"Die Umsetzung der Digitalisierung in der Immobilienbranche ist von Widersprüchen geprägt. Die Unternehmen drohen sich selbst auszubremsen." (Andreas Ibel)

Rechnungswesen/Finanzbuchhaltung bereits digital abgebildet

Die Kernprozesse der Unternehmen, die bereits digital abgebildet werden, sind zum einen das Rechnungswesen und die Finanzbuchhaltung (51 Prozent sind hier im fortgeschrittenen Stadium, 15 Prozent sehen sich als Experten oder Pioniere) sowie das Controlling (45 Prozent fortgeschritten; elf Prozent Experten/Pioniere).

Am schlechtesten sieht es beim Facility Management und dem Asset Management (jeweils 19 Prozent fortgeschritten; keine Experten/Pioniere) sowie der Grundstücks- und Objektakquise (18 fortgeschritten; zwei Prozent Experten/Pioniere) aus.

Potenzial der Digitalisierung verkannt

Die Mehrheit verkenne das Potenzial, das die Digitalisierung für das Entwickeln neuer Geschäftsmodelle biete. So glauben laut BFW 70 Prozent der Verwalter und Bestandshalter sowie 56 Prozent der Bauträger und Projektentwickler nicht daran, dass sie durch die Digitalisierung neue Geschäftsfelder erschließen können.

Mittelfristig sehen die befragten Unternehmen bei der Digitalisierung vor allem Potenzial zur Kosteneinsparung (83 Prozent), zur Steigerung der Objektqualität (75 Prozent) oder einen Wettbewerbsvorteil (68 Prozent).

Stärkerer Austausch mit digitalen Vorreitern

Bemerkenswert ist dabei, dass vom Internet of Things (IoT) 26 Prozent der Befragten noch nie etwas gehört haben. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Augmented Reality (31 Prozent) und Blockchain (30 Prozent). Bekannt sind vor allem das mobile Internet (das gaben 74 Prozent an), Cloud Systeme (54 Prozent) sowie Smart Home/Smart Building (35 Prozent).

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) hat herausgefunden, dass vor allem der Bereich Smart Building auf dem Vormarsch ist. Einer Umfrage des GdW zufolge werden mobile Endgeräte bereits bei 83 Prozent der Unternehmen häufig eingesetzt, digitale Plattformen bei 44 Prozent und Cloud Computing bei 26 Prozent.

Ibel plädierte in Berlin für einen stärkeren Austausch mit anderen Immobilienunternehmen und Branchen, die sich als digitale Vorreiter hervorgetan haben.

"Vor allem aber brauchen wir eine neue Fehlerkultur und Mut zur Veränderung!" (Andreas Ibel)

Hier scheint es jedoch der Umfrage zufolge noch großen Informationsbedarf zu geben: 63 Prozent der Befragten sagten, ihnen fehlte die Möglichkeit zur Einschätzung zukünftiger Entwicklungen; 54 Prozent kennen die nötigen Prozesse nicht. Auch zur Nutzerintegration (46 Prozent), rechtlichen Fragen (44 Prozent) und zu den Produkten (37 Prozent) gibt es bei den zumeist inhabergeführten Unternehmen (59 Prozent) Informationsbedarf.

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