Der Städtetourismus ist 2017 deutlich stärker gewachsen als der gesamtdeutsche Tourismus, wie der aktuelle Hotelmarktbericht von Dr. Lübke & Kelber zeigt. Während die Zahl der Übernachtungen bundesweit im Vergleich zu 2016 nur um 2,7 Prozent gestiegen ist, betrug das Wachstum in den untersuchten Top-10-Städten 4,6 Prozent. 20,9 Prozent der touristischen Übernachtungen entfielen auf diese Städte. Darunter ist Berlin der mit Abstand größte Hotelmarkt in Deutschland.

Im Jahr 2017 zählten die Top-10-Märkte Berlin, München, Hamburg, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Stuttgart, Dresden, Nürnberg, Leipzig 3.003 Hotelbetriebe (Hotels, Hotels Garnis, Pensionen, Gasthöfe, Jugendherbergen und Campingplätze) mit 473.282 Betten.

"An der positiven Entwicklung des gesamtdeutschen Tourismus haben die Städte einen maßgeblichen Anteil", sagt Daniela M. Bense, Project Manager Hotel bei Dr. Lübke & Kelber. Die Hotelimmobilienmärkte hätten sich in den zehn genannten deutschen Städten in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt und seien in der Investorengunst gestiegen.

Deutschlandweit entfiel jede 15. Übernachtung auf Berlin

Die Berliner Hoteliers verzeichneten der Studie zufolge im Jahr 2017 rund 31,1 Millionen Übernachtungen. Das sind mehr Übernachtungen als in München und Hamburg, den zweit- und drittgrößten Hotelmärkten, zusammen. In München wurden im vergangenen Jahr 15,7 Millionen Übernachtungen, in Hamburg 13,8 Millionen erfasst.

Schlusslichter unter den zehn größten deutschen Hotelmärkten sind Nürnberg mit 3,3 Millionen und Leipzig mit 3,2 Millionen Übernachtungen. Die Hotelkapazitäten spiegeln diese Zahlen: In Berlin bieten 785 Hotelbetriebe rund 146.000 Betten an. In München stehen in 432 Hotelbetrieben rund 74.500 Betten zur Verfügung, in Hamburg in 382 Hotelbetrieben rund 63.200 Betten. "Deutschlandweit entfiel jede 15. Übernachtung auf Berlin, im Vergleich der Top-10-Hotelmärkte sogar jede dritte", sagt Bense.

Übernachtungen: Höchste Steigerungsraten in München

Das Touristenaufkommen ist Dr. Lübke & Kelber im Jahr 2017 in allen zehn Städten gestiegen, allerdings weisen die Werte erhebliche Diskrepanzen auf. Das größte Wachstum verzeichnete München mit 11,6 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr, gefolgt von Leipzig mit 9,4 Prozent, Frankfurt mit 8,4 Prozent und Köln mit 8,1 Prozent.

Anders sieht es in Berlin aus, wo die Anzahl an Übernachtungen nur um 0,3 Prozent gestiegen ist. Leipzig wiederum verzeichnet schon seit 2010 ein rasantes Wachstum. "Die Stadt steigt auch aufgrund der eindrucksvoll restaurierten Innenstadt schon seit Jahren bei Touristen immer höher in der Gunst", erläutert Bense.

Internationale Gäste zieht es nach München, Berlin und Frankfurt

Während 2017 rund 41 Prozent der Übernachtungen in den Top-10 von internationalen Gästen gebucht wurden, lag deren Anteil deutschlandweit laut Dr. Lübke & Kelber nur bei 18 Prozent. Der Studie zufolge kamen fast 50 Prozent der Übernachtungsgäste in München aus dem Ausland, in Berlin betrug der Anteil knapp 45 Prozent, in Frankfurt und Düsseldorf jeweils etwa 41 Prozent.

Den geringsten Anteil an ausländischen Übernachtungen weisen Leipzig mit 18,2 Prozent, Dresden mit 20,5 Prozent und Hamburg mit 24,9 Prozent auf. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Anzahl an Übernachtungen von internationalen Gästen um 14,7 Prozent in München und Leipzig, in Köln um 9,8 Prozent und in Nürnberg um 8,1 Prozent. Lediglich in zwei Städten ging die Anzahl ausländischer Gäste zurück: in Berlin um 1,4 Prozent und in Frankfurt um 0,2 Prozent.

RevPAR seit 2014: Erlöse steigen deutlich in Köln und Hamburg

Auch der Erlös pro verfügbarem Zimmer (RevPAR; Revenue per available room) ist nach Angaben der Dr. Lübke & Kelber GmbH in den untersuchten zehn Städten in den vergangenen Jahren gewachsen: Im Durchschnitt lag der Erlös 7,30 Euro höher als noch 2014.

Besonders hohe Steigerungsraten weisen der Studie zufolge Köln mit mit einem Plus von 16,10 Euro und Hamburg mit plus 10,60 Euro auf. Berlin, Frankfurt und Düsseldorf erlebten eine Steigerung zwischen sieben und acht Euro. Den geringsten Zuwachs verzeichneten Nürnberg (2,20 Euro), München (2,40 Euro) und Dresden (3,10 Euro).

Den höchsten Logiserlös pro verfügbarem Zimmer erreichte im vergangenen Jahr München mit durchschnittlich 86,80 Euro, dicht gefolgt von Köln mit 85 Euro. Berlin lag mit 71,90 Euro an siebter Stelle. Schlusslicht war Nürnberg mit 54 Euro.

Wachsende Hotelmärkte vor allem für Frankfurt und Hamburg erwartet

"Der anhaltende Kapazitätsausbau lässt ein weiteres Wachstum der Hotelmärkte erwarten", sagt Bense. Dr. Lübke & Kelber prognostiziert für fast alle Top-10-Märkte im laufenden Jahr einen weiteren Ausbau des Bettenangebots.

In Frankfurt und Hamburg sind mit 13,4 und 10,6 Prozent zusätzlichen Betten zweistellige Wachstumsraten absehbar. Nur der Nürnberger Markt stagniert. Düsseldorf, gemessen am bestehenden Bettenangebot sowie dem gesamten Übernachtungsaufkommen, werden die stärksten Zuwächse vorhergesagt, Köln und Nürnberg die geringsten.

"Trotz der mehr als 50.000 Hotelzimmer, die sich in den Top-10 Städten derzeit in Bau oder Planung befinden, könnte es bei anhaltendem Übernachtungswachstum in einigen Jahren zu Angebotsengpässen kommen", sagt Bense. Selbst in Berlin sei die objektiv hohe Bautätigkeit am Hotelmarkt bei der Größe des Gesamtmarktes relativ gesehen nicht allzu hoch.

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