Im teuersten Bezirk Berlin-Mitte werden bis zu 5.887 Euro für eine gebrauchte Eigentumswohnung aufgerufen Bild: Corbis

Die mittlere Angebotsmiete in Berlin liegt aktuell bei 10,15 Euro pro Quadratmeter, wie der Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin zeigt, den Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) vorgestellt hat. Das ist ein Euro mehr als 2016 und weit über dem Mietspiegelwert von 6,39 Euro. Auch die Preise für Bestandswohnungen sind gestiegen, seit dem ersten Quartal 2015 um 12,1 Prozent pro Jahr, und lagen laut Empirica im ersten Quartal 2018 bei 3.765 Euro pro Quadratmeter im Schnitt.

2017 wurde dem Wohnungsmarktbericht zufolge nur noch jede zehnte Wohnung mit einer Nettokaltmiete von weniger als sieben Euro pro Quadratmeter angeboten.

"Die Herausforderungen werden nicht kleiner", so Lompscher. "Die stetig steigenden Angebotsmieten machen deutlich, wie wichtig neben dem Neubau auch die Regulierung der Mieten im Bestand ist." Überdurchschnittlich sind dem Bericht zufolge die Mieten in Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow.

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Viele Berliner ziehen wegen der steigenden Mieten aus der Hauptstadt weg: Nach dem Bericht wuchs in den 50 Umlandgemeinden die Einwohnerzahl von 2012 bis 2016 um 5,6 Prozent und damit fast genauso stark wie in Berlin (5,9 Prozent). Rund 27.000 neue Wohnungen sein im selben Zeitraum im Speckgürtel gebaut worden, vor allem in Potsdam, Falkensee, Königs Wusterhausen und Teltow.

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Preise für Bestandswohnungen steigen im zweistelligen Bereich

Seit 2015 seien die Wohnungspreise in allen Berliner Bezirken jährlich fast überall im zweistelligen Prozentbereich gestiegen, teilt Empirica mit.

Im teuersten Bezirk Mitte wird jede zweite gebrauchte Eigentumswohnung für mindestens 4.399 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche inseriert. Bei einem Standardpreis von rund 323.000 Euro muss laut Empirica ein durchschnittlicher Berliner Haushalt fast zehn Jahresnettoeinkommen für den Kauf aufbringen. Für Wohnungen im gehobenen Segment werden in Mitte Quadratmeterpreise von mindestens 5.887 Euro aufgerufen.

Zwölf Jahresnettoeinkommen werden in Charlottenburg fällig

Standardpreise über 4.000 Euro pro Quadratmeter erreichen auch die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf (4.287 Euro) und Friedrichshain-Kreuzberg (4.155 Euro). In Charlottenburg-Wilmersdorf sind die angebotenen Objekte mit durchschnittlich 106 Quadratmeter Wohnfläche größer als im restlichen Berlin. Dadurch liegt der Preis mit 390.000 Euro auch deutlich höher, so dass Käufer sogar rund zwölf Jahresnettoeinkommen aufbringen müssen. Für Angebote in Friedrichshain-Kreuzberg werden für den Wohnungskauf knapp neun Jahresnettoeinkommen fällig.

In Lichtenberg verteuerten sich Wohnungen um 21,5 Prozent

Laut Empirica sind gebrauchte Eigentumswohnungen seit 2015 in allen Bezirken deutlich teurer geworden. Gegenüber dem ersten Quartal 2015 lag die Preissteigerung auf ganz Berlin bezogen bei 12,1 Prozent pro Jahr, in einigen Bezirken legten die Preise überdurchschnittlich zu.

In Lichtenberg etwa verteuerten sich die Wohnungen um 21,5 Prozent pro Jahr. Auch in Reinickendorf (plus 17,5 Prozent), Marzahn-Hellersdorf (plus 16,9 Prozent), Neukölln (plus 16,5 Prozent) und Tempelhof-Schöneberg (plus 16,2 Prozent) lagen die jährlichen Preissteigerungen weit über dem Durchschnitt. Moderat stiegen die Preise in Spandau (plus 6,9 Prozent), Mitte (plus 7,4 Prozent) und Friedrichshain-Kreuzberg (plus 8,4 Prozent).

Die preiswertesten Objekte gibt es unter 2.000 Euro

Verhältnismäßig günstige Wohnungen können Käufer noch in Spandau finden. Für gebrauchte Eigentumswohnungen wird hier ein Standardpreis von 2.291 Euro pro Quadratmeter verlangt. Das entspricht vier Jahresnettoeinkommen. Die preiswertesten Objekte gibt es bereits zu Quadratmeterpreisen unter 2.000 Euro.

Marzahn-Hellersdorf ist mit einem Angebotspreis von 2.357 Euro ebenfalls ein preisgünstiger Standort. Allerdings haben hier in den vergangenen drei Jahren die Preise bereits deutlich zugelegt. Aktuell muss ein Haushalt für den Kauf einer gebrauchten Eigentumswohnung knapp fünf Jahresnettoeinkommen aufbringen.

In vier Bezirken Wohnungskauf besser als Mietwohnung

Trotz steigender Preise ist ein Wohnungskauf in einem Drittel der Bezirke günstiger als die Miete für eine vergleichbare Wohnung. Am meisten können Käufer in Treptow-Köpenick sparen: Bei einem Wohnungspreis von 182.000 Euro liegt der monatliche Vorteil im Vergleich zur Miete bei 51 Euro. In Spandau sparen Käufer gegenüber Mietern 45 Euro pro Monat. Und auch in Lichtenberg und in Marzahn-Hellersdorf ist die monatliche Finanzierungsbelastung günstiger als die Mietkosten.

Für die Auswertung hat Empirica die Finanzierung einer Eigentumswohnung mit 25 Prozent Eigenkapital und einer Finanzierungsbelastung von fünf Prozent (zwei Prozent Zins und drei Prozent Tilgung) mit den monatlichen Mietkosten verglichen. Berücksichtigt wurden Wohnungen zwischen 60 und 80 Quadratmeter Wohnfläche.

"Angesichts steigender Immobilienpreise ist es richtig, dass die Große Koalition beschlossen hat, potenzielle Erwerber beim Aufbau von Eigenkapital zu unterstützen", sagt LBS-Vorstandsvorsitzender Dr. Rüdiger Kamp.

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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsmarkt, Mietwohnung, Eigentumswohnung

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