Bitten wie "Balkonpflanzen gießen" regeln Berliner immer häufiger über Social Media. 23 Prozent der Haushalte sind bereits mit dem Nachbarn vernetzt. Das ist ein Ergebnis der Zusatzstudie "Wohntrends Berlin-Brandenburg" im BBU-Marktmonitor 2018.

Die Brandenburger sind hier mit einem Anteil von 16 Prozent nicht ganz so modern aufgestellt, können aber im Bereich Smart Living mithalten: Knapp 50 Prozent aller Befragten in Berlin-Brandenburg nutzen innovative Anwendungen.

Die bereits weite Verbreitung von Smart-Living-Anwendungen steht laut Maren Kern, Vorständin des BBU Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, für die "Offenheit der Menschen für technische Neuerungen sowie für die Flexibilität des Wohnungsbestandes".

Besonders beliebt – vor allem in Brandenburg – sind laut der BBU-Studie unter Mitgliedern und Nichtmitgliedern

  • die Fernsteuerung von Heizungen (Berlin: 27 Prozent, Brandenburg: 37 Prozent; Bund: 36 Prozent) und
  • die Fernsteuerung von Jalousien (Berlin: zehn Prozent, Brandenburg: 19 Prozent; Bund: 20 Prozent).

Den im Bundesvergleich geringeren Nutzungsgrad der neuen Technologien in Berlin-Brandenburg erklärt Kern mit den hohen Anteilen von Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern. Eine schnelle Internetverbindung ist dafür Voraussetzung und gilt für die Mehrheit der Befragten als Standard. Bei den Befragten in Brandenburg besteht der Studie zufolge aber kaum Zahlungsbereitschaft, während 16 Prozent der Berliner Befragten mehr Miete für eine schnellere Internetversorgung bezahlen würden.

Moderne Grundrisse werden für Mieter in Mehrfamilienhäusern wichtiger (Symbolbild).

Wohnen im Mehrfamilienhaus macht platzbewusst

Die in Berlin und den größeren Brandenburger Städten dominierende Mehrfamilienhausbebauung hat laut BBU auch Auswirkungen auf die Mieterwünsche nach Grundrissen und Ausstattungen. "Im Vergleich zu Einfamilienhäusern ist man hier platzbewusster", sagt Kern.

  • Bei den Küchen ergab die Studie einen Trend zur sogenannten offenen, "amerikanischen" Küche (Berlin: 58 Prozent, Brandenburg: 60 Prozent; Bund: 56 Prozent).
  • Bei den Bädern herrscht der Wunsch nach Dusche & Badewanne vor (Berlin: 50 Prozent, Brandenburg: 53 Prozent; Bund: 55 Prozent).

Ein hoher Energiestandard wird von den meisten Befragten vorausgesetzt. Etwa 20 Prozent von ihnen, egal ob Berlin, Brandenburg oder bundesweit, würden dafür mehr bezahlen. Für technische Systeme, die den Energieverbrauch steuern, würden nur 23 Prozent der Studienteilnehmer tiefer in die Tasche greifen. In der letzten Umfrage 2013 gaben das noch 48 Prozent an.

Hohe Wohnzufriedenheit – geringe Umzugsneigung

Alle befragten Mieter der Hauptstadtregion sind mit ihrer Wohnsituation zufrieden. In Berlin gaben 86 Prozent, im Land Brandenburg sogar 91 Prozent der Befragten an, sich "voll" oder "eher" im Quartier wohlzufühlen.

"Diese außerordentlich hohe Zufriedenheit steht für die hervorragenden Wohnqualitäten in Brandenburgs Städten." BBU-Vorstand Maren Kern

Die Gründe für 15 Prozent der Befragten in Berlin nur "teilweise zufrieden" oder "unzufrieden" mit der Wohnsituation zu sein, liegen der Umfrage zufolge vor allem in der Art der Wohnung. Dahinter verbergen sich etwa Aspekte wie Wohnungsgröße, das Fehlen eines Balkons oder eines Aufzugs. Zum Teil sorgt auch das Wohnumfeld und die Nachbarschaft für Unzufriedenheit.

Vor allem in Brandenburg ist der Wunsch nach Umzug sehr gering.

Entsprechend ist die Umzugsneigung in Brandenburg mit acht Prozent auch geringer ausgeprägt als in Berlin oder im Bundesdurchschnitt mit jeweils 14 Prozent. Dabei ist auffällig, dass die Berliner nicht in eine andere Stadt ziehen würden, sondern sich bestenfalls innerhalb Berlins (77 Prozent) nach neuen Wohnungen umsehen würden. Zwölf Prozent der Befragten gaben an, im Falle eines Wohnungswechsels auch im selben Kiez bleiben zu wollen.

Dabei ist in Berlin der Wunsch nach Gemeinschaftsflächen und -aktivitäten deutlich ausgeprägter als im Brandenburg oder im Bundesdurchschnitt. Größtes Interesse besteht der Studie zufolge an Bewohnertreffs (Berlin: 31 Prozent, Brandenburg: 19 Prozent), gefolgt von Mitfahrangeboten (Berlin: 24 Prozent, Brandenburg: zehn Prozent). Coworking-Spaces sind derzeit noch ein städtisches Phänomen.

Große Akzeptanz bei Wohnkosten – Hang zur Unabhängigkeit im Alter

Die Wohnkosten werden von der großen Mehrheit als angemessen oder günstig bewertet, wie die regionalisierte Wohntrend-Studie außerdem zeigt: In Berlin gaben insgesamt 84 Prozent an, die Wohnkosten seien "sehr günstig", "günstig" oder "angemessen" – in Brandenburg waren es 82 Prozent. 16 Prozent in Berlin und 18 Prozent im Land Brandenburg empfinden die Wohnkosten als "hoch" oder "viel zu hoch". Das entspricht laut BBU jeweils dem Bundesdurchschnitt. Im Vergleich zur Erhebung im Jahr 2013 hat sich die Beurteilung der Höhe der Wohnkosten kaum verändert.

Wer im Alter selbstständig wohnen will, kann darauf angewiesen sein, dass die Wohnung barrierefrei oder barrierearm ausgestattet ist.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass die Berliner und Brandenburger im Alter selbständig wohnen wollen – entsprechend in einer barrierearmen oder barrierefreien Wohnung. Das sagten für Berlin 34 Prozent der Befragten und in Brandenburg 29 Prozent (Bund: 24 Prozent). Den großen Hang zur Unabhängigkeit im Alter in Berlin führt der BBU auf den hohen Anteil von Singlehaushalten in der Bundeshauptstadt zurück.

"Die Menschen hier sind daran gewöhnt, alleine zu wohnen, und wollen das dann offenbar auch im Alter so beibehalten." Maren Kern, BBU-Vorstand.

Angesichts des ausgeprägten Wunsches nach selbständigem Wohnen sei es besonders wichtig, dass diese Wohnungen auch bezahlbar blieben, so Kern.

Die Antworten stammen aus 232 Telefoninterviews mit Mietern und Eigentümern in Berlin und Brandenburg, die im Zuge der Erstellung der GdW "Wohntrends 2035" geführt und exklusiv für die Zusatzauswertung im Auftrag des BBU analysiert und aufbereitet wurden.

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