Krise beim Wohnungsbau: Storno-Quote steigt weiter

Noch mehr Stornierungen im Wohnungsbau meldet das Forschungsinstitut Ifo nach einer Umfrage in der Branche für September: 16,7 Prozent der Unternehmen sind nun betroffen, nach 11,6 Prozent im Vormonat. Die Planungssicherheit sei dahin, die Geschäftserwartungen im Keller.

"Die Stornierungswelle im Wohnungsbau brandet höher", meldet das Ifo-Institut nach der monatlichen Umfrage im September. 16,7 Prozent der Unternehmen gaben an, betroffen zu sein betroffen – 11,6 Prozent waren es im August. Als Gründe wurden erneut "explodierende" Material- und Energiepreise und steigende Finanzierungszinsen genannt. Die Planungssicherheit sei dahin, so das Institut.

Ifo-Institut: Stornierungswelle seit April

Im Juli 2022 wurden laut Ifo-Institut 11,5 Prozent der Aufträge storniert. Im Juni sah es ähnlich düster aus mit 12,3 Prozent. Den bisherigen Höchststand gab es im Mai mit 15,8 Prozent, der Wert wurde nun in der September-Umfrage "getoppt". Selbst zu Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020 betrug der Anteil der Stornierungen "nur" rund sieben Prozent; davor waren es regelmäßig etwa fünf Prozent. Die Experten sprechen von einer Stornierungswelle seit April.

"Die Baukosten steigen immer weiter. Für einige Bauherren ist das alles nicht mehr darstellbar, sie stellen Projekte zurück oder ziehen ganz die Reißleine", sagte ifo-Forscher Felix Leiss.

Die Preise für Baustoffe wie Stahl und Holz waren allerdings schon vor dem Krieg in der Ukraine hoch. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) von Februar 2022 sind die Erzeugerpreise bereits im Jahresdurchschnitt 2021 so stark gestiegen wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949. Die Preise für den Neubau von Wohngebäuden insgesamt lagen demnach im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Wohnungsbau: Geschäftserwartungen auf neuem Tiefpunkt

Die Geschäftserwartungen der Unternehmen trübten sich im September nochmals ein: Sie fielen auf minus 53,2 Punkte. Das ist laut Ifo der tiefste Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1991. Die Materialengpässe entspannen sich demnach nur langsam: Knapp jedes dritte (32,7 Prozent) Wohnungsbauunternehmen meldete noch Engpässe, nach 36,4 Prozent im August.

"Die Unternehmen verfügen im Schnitt immer noch über große Auftragsreserven, aber die Zukunftssorgen waren selten so groß", ergänzte Leiss. Die hohen Energiepreise verteuerten das knappe Material zusätzlich. Die Bauunternehmen müssten die steigenden Beschaffungskosten an die Kunden weitergeben. "Für die kommenden Monate sind auf breiter Front weitere Preiserhöhungen geplant", so Leiss. Die Preispläne erhöhten sich von 48,4 auf 49,5 Punkte.


Das könnte Sie auch interessieren:

Storno am Bau: Wer bleibt auf den Kosten sitzen?

Baukonjunktur: Der Wohnungsbau ist nicht mehr der Motor

Abschreibung beim Wohnungsbau: 3-Prozent-AfA ab Juli 2023

dpa