Noch treibt der Wohnungsbau das Bauvolumen in Europa, doch auch der Tiefbau wird zulegen Bild: Haufe Online Redaktion

Das Bauvolumen in Europa wird Euroconstruct zufolge in diesem Jahr um 3,5 Prozent zulegen – so stark wie seit 2006 nicht mehr. Treiber ist der Wohnungsbau. Bis zum Jahr 2020 erwartet die Forschungsgruppe einen weiteren Anstieg von noch einmal sechs Prozent europaweit. In Deutschland wird die Bautätigkeit demnach noch deutlicher zunehmen als 2016. Laut Destatis stieg der Auftragseingang in den ersten neun Monaten 2017 um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 

Mittelfristig wird der Euroconstruct-Analyse zufolge der Tiefbau die Rolle des Markttreibers übernehmen, während sich im Wohnungsbau sowie im übrigen Hochbau die Zuwachsraten deutlich abschwächen. Bereits 2018 und 2019 werden für den Tiefbau jeweils vier Prozent mehr Bauvolumen erwartet.

Gleichzeitig wird laut Euroconstruct der Neubausektor in den kommenden Jahren an Schwung einbüßen. Im Jahr 2020 dürfte der Bestandssektor dann erstmals seit 2014 wieder stärker zunehmen als der Neubau.

Deutschland: Wohnungsnot und Tiefbau-Offensive treiben Bautätigkeit

Dass die Bautätigkeit in Deutschland noch einmal deutlich zunehmen wird, liegt Euroconstruct zufolge zum einen am großen Wohnungsbedarf, zum anderen an der gestiegenen Investitionsneigung der Unternehmen und der Tiefbau-Offensive des Bundes. Wenn auch hier das Wachstum deutlich an Schwung verlieren soll, dürften unter anderem im Wohnungsbau auch langfristig umfangreiche Investitionen erfolgen.

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lag der arbeitstäglich- und preisbereinigte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im September 2017 um 0,7 Prozent höher als im August. Im Dreimonatsvergleich sank das Volumen der Auftragseingänge von Juli bis September 2017 gegenüber dem Zeitraum von April bis Juni 2017 um 2,5 Prozent. Im Vorjahresvergleich war der preisbereinigte Auftragseingang im September um 1,5 Prozent höher.

Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe in Betrieben von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen lagen im September 2017 nominal mit rund sechs Milliarden Euro um 2,9 Prozent höher als im September des Vorjahres. Ein höherer Auftragseingang im September eines Jahres war laut Destatis zuletzt vor 18 Jahren erreicht worden (1999: 6,2 Milliarden Euro). Im Vergleich zu den ersten neun Monaten 2016 stiegen die Auftragseingänge in den ersten neun Monaten 2017 nominal um 5,4 Prozent.

Ungarn: Baunachfrage legt um 25 Prozent zu

In manchen europäischen Ländern verhindern nach Angaben von Euroconstruct ausgeprägte Leerstände oder hohe Immobilienpreise eine stärkere Zunahme der Bautätigkeit. In Ungarn wird die Baunachfrage 2017 laut Euroconstruct mit einem Plus von rund einem Viertel am stärksten wachsen. Dahinter folgen Irland (15 Prozent), Schweden (zehn Prozent) und Polen (neun Prozent).

Ungarn wird laut Euroconstruct-Prognose auch bis 2020 den größten Zuwachs aufweisen (33 Prozent). Neben der staatlichen Wohnungsbauförderung spielt die konsequentere Nutzung der EU-Fördergelder im Nichtwohnbau eine wichtige Rolle. Auf dem zweiten Platz findet sich wiederum Irland (28 Prozent), gefolgt von Polen (25), Tschechien und Portugal (jeweils 15 Prozent).

Zu den 19 Ländern des Euroconstruct-Netzwerks gehören Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien, Tschechien und Ungarn.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Bauwirtschaft

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