18.09.2012 | Ernst & Young

Assetklasse "Problemimmobilien" am deutschen Markt angekommen

Auch Verkäufe aus der Insolvenz werden zunehmend eine Rolle spielen
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Assetklasse "Distressed Real Estate" ist im deutschen Immobilienmarkt angekommen: Rund 70 Prozent der Teilnehmer an einer Studie von Ernst & Young und der Kanzlei Kübler gehen davon aus, dass die Zahl der Transaktionen in diesem Bereich um zehn bis 50 Prozent ansteigen wird.

50 deutsche und internationale Marktteilnehmer, die aus immobilien- und finanzwirtschaftlicher Perspektive mit dem Themenkreis "Distressed Real Estate" befasst sind, haben sich an der Umfrage beteiligt.

"Distressed Real Estate ist kein Nischenthema mehr", sagt Michael Janetschek, Partner bei der Ernst & Young Real Estate GmbH und einer der Autoren der Studie. Zirka 40 Prozent der Befragten erwarten, dass der Anteil der Covenant Breaches (Vertragsbrüche) bei gewerblichen Immobilienfinanzierungen bis zu 20 Prozent betragen wird. Zu hohe Finanzierungsquoten, sinkende Marktwerte der Immobilien und eine verbesserungswürdige Qualität im Asset Management sind die Hauptgründe für diese Vertragsbrüche in Deutschland.

Deutlicher Anstieg der Transaktionen erst 2013

Mehr als die Hälfte der zur Jahresmitte 2012 Befragten erwartet vermehrte Distressed-Real-Estate-Transaktionen erst ab dem Jahr 2013. "Eine genaue Prognose scheint den Teilnehmern der Studie aufgrund der vielen, aktuell in der Praxis vorgenommenen kurzfristigen Kreditprolongationen schwergefallen zu sein", sagt Dr. Thilo Hild, Rechtsanwalt, Insolvenzverwalter und Partner bei Kübler und ebenfalls Autor der Studie.

Es könne sogar noch bis 2014 dauern, bis sich der Markt richtig entwickeln kann. Bei den Transaktionen, die stattfinden werden, gehen rund drei Viertel der Teilnehmer davon aus, dass der Markt in den kommenden Jahren vor allem aus dem Erwerb notleidender Immobilienfinanzierungen bestehen wird. "Auch Verkäufe aus der Insolvenz werden zunehmend eine Rolle spielen", ergänzt Hild.

Büroimmobilien im Fokus

Knapp 90 Prozent der Befragten sehen den zukünftigen Schwerpunkt des Marktes für Distressed Real Estate bei Büroimmobilien. Wohnimmobilien gelten immer noch als sicherer Hafen. Dementsprechend rechnen die Studienteilnehmer bei Wohnimmobilien auch weiterhin mit steigenden Preisen, während bei Büro-, Logistik- und Hotelimmobilien fallende oder zumindest stagnierende Preise prognostiziert werden.

Als Akteure auf dem Markt werden den Befragten zufolge vor allem opportunistische Investoren wie internationale Opportunity- und Private-Equity-Fonds sowie Family Offices erwartet.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienmarkt, Immobiliendienstleister

Aktuell

Meistgelesen