26.08.2013 | Union Investment

Europäische Investoren bleiben risikoscheu

Noch ist in Sachen Trendwende nichts zu spüren: Skepsis schlägt Risikobereitschaft nach wie vor
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Auf der Suche nach Auswegen aus der "Core-Falle" zeigen europäische Immobilienunternehmen auch weiterhin nur eine geringe Bereitschaft, erhöhte Investitionsrisiken auf sich zu nehmen. Das zeigt eine Studie von Union Investment. 150 Investmententscheider mit Sitz in Deutschland, Frankreich und Großbritannien wurden befragt.

Rund zwei Drittel (65 Prozent) der befragten Immobilieninvestoren geben an, dass sich die Eurofinanzkrise auf ihre Anlagestrategie deutlich ausgewirkt hat. Zu den stärksten strategischen Anpassungen, die vorgenommen wurden bzw. in den nächsten zwölf Monaten erfolgen sollen, gehört bezeichnenderweise die Konzentration auf die westeuropäischen Kernmärkte (57 Prozent). "Core-Immobilien sind in den nachgefragten europäischen Märkten jedoch teuer. Sehr hohe Einstiegspreise sind die risikobehaftete Kehrseite einer zu starren Risikovermeidungsstrategie", so Kutscher.

Trend: Stärkere Beimischung von B-Standorten

Eine Alternative hierzu sind für über die Hälfte der befragten Investoren (57 Prozent) mehr Investments in Gebäude, die von mehreren Mietparteien genutzt werden. Die stärkere Beimischung von B-Standorten (38 Prozent), von kleineren Objektgrößen (36 Prozent) oder Logistikobjekten (33 Prozent) spielen in den strategischen Planungen ebenfalls eine Rolle. Mit einer stärkeren Gewichtung von außereuropäischen Investitionen (22 Prozent) oder einer breiteren Diversifikation durch die Beimischung von Hotelobjekten (17 Prozent) setzt sich demgegenüber nur ein kleiner Teil der befragten Investoren auseinander.

Gleichzeitig ist der scharfe Wettbewerb um Core-Immobilien nur für eine Minderheit der europäischen Investoren Anlass, das Risikoprofil ihrer Anlagen zu überprüfen. Nur 32 Prozent der befragten Investoren wollen infolge der hohen Nachfrage nach Core-Immobilien höhere Investitionsrisiken auf sich nehmen, 59 Prozent lehnen höhere Risiken ab.

Briten risikofreudiger als Deutsche und Franzosen

Hier weist die Studie jedoch große regionale Unterschiede aus: 59 Prozent der britischen Investoren, 12 Prozent der Deutschen und 28 Prozent der Franzosen zeigen sich infolge des derzeitigen Preisniveaus bei Core-Immobilien zu mehr Risiko bereit. Einig zeigen sich Briten und Deutsche bei der Beurteilung des Klimas für Immobilieninvestitionen: Der von Union Investment halbjährlich ermittelte Index überschreitet erstmals seit  Herbst 2011 in beiden Ländern wieder die 70-Punkte-Schwelle, die ein freundliches Investitionsklima anzeigt. Pessimistischer sind die Franzosen: Der Index gab hier um fast drei Punkte nach und liegt nun bei 61,5 Punkten.

Steigende Bereitschaft zu Zugeständnissen

In der Gruppe, die infolge der Nachfrage nach Core-Immobilien mehr Risiken auf sich zu nehmen bereit ist, zeigt sich folgendes Bild bei den Risikoarten: 81 Prozent wären bereit, kürzere Mietvertragslaufzeiten zu akzeptieren, 66 Prozent planen sich stärker in Projektentwicklungen zu engagieren, und 52 Prozent würden eine geringere Vorvermietung bei Projekten hinnehmen. Abstriche bei der Lagequalität oder bei der Nachhaltigkeit sind demgegenüber nur für 33 Prozent der Befragten akzeptabel. Lediglich 13 Prozent können sich vorstellen, Zugeständnisse bei der baulichen Qualität der Ankaufsobjekte einzugehen.

Die deutlichsten Preiskorrekturen auf der Miet- und Transaktionsseite erwarten die Immobilienprofis in den kommenden 18 bis 24 Monaten in Spanien (57 Prozent der Befragten), Italien (47 Prozent), Frankreich (37 Prozent) und in Portugal (35 Prozent). Mit größeren Preiskorrekturen in den Niederlanden (17 Prozent), UK (12 Prozent) und Irland (11 Prozent) rechnen nur verhältnismäßig wenige Investoren.

Nachhaltigkeit + Energiewende prägt Märkte der Zukunft am stärksten

Eine weiteres Ergebnis der Studie: Der Megatrend "Nachhaltigkeit in Verbindung mit der Energiewende" wird aus Sicht der Investoren die europäische Immobilienwirtschaft in den nächsten zehn Jahren am stärksten prägen. Auf Platz Zwei landet der Trend der "Urbanisierung", gefolgt von "Digitalisierung" und "Globalisierung".

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister, Immobilieninvestoren

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