13.05.2013 | Hauswärme-Studie

Alte Heiztechnik bremst Energiewende

Bei fünf Millionen alten Heizanlagen entweicht jeder dritte Cent ungenutzt durch den Schornstein
Bild: Dynamic Graphics, Inc.

Die Energiewende in deutschen Haushalten kommt nicht voran: Nur 20 Prozent aller Heizgeräte entsprechen dem aktuellen Stand der Technik. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Shell und dem Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH).

Die Hauswärme-Studie wurde von Shell und dem BDH in Zusammenarbeit mit dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und dem Institut für Technische Gebäudeausrüstung (ITG) unter dem Titel "Klimaschutz im Wohnungssektor - Wie heizen wir morgen? Fakten, Trends und Perspektiven für Heiztechniken bis 2030" erstellt.

Demnach entweicht bei mehr als fünf Millionen alten Heizanlagen jeder dritte Cent ungenutzt durch den Schornstein. Durch eine beschleunigte Heizungsmodernisierung, neue Heiztechniken und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien ließen sich der Studie zufolge die Treibhausgasemissionen des deutschen Wohnungssektors bis zum Jahr 2030 um rund 30 Prozent reduzieren.

Schwerpunkt der Studie ist zum einen eine Analyse der Potenziale aktueller und neuer Heiztechniken und Energien. Zum anderen wird mit Hilfe von Szenarien untersucht, wie sich Heiztechniken - neben Gebäudesanierung - im Wohnungssektor in den kommenden 20 Jahren entwickeln und welche Beiträge sie zu Energie- und Klimazielen der Politik leisten können.

Wohnungssektor

Mit der Zahl der Haushalte steigt auch die Zahl der Wohnungen - von heute 40,3 Millionen auf 41,9 Millionen Wohneinheiten im Jahr 2030, vor allem in Ein- und Zweifamilienhäusern. Mehr als 70 Prozent der Wohnfläche sind vor 1979 erbaut. Sie genügen oftmals nur geringen Gebäudeeffizienzstandards.

Hauswärme

Der Haushaltssektor ist mit einem Endenergieverbrauch von 625 Milliarden kWh sowie einem Anteil von rund 25 Prozent einer der großen Endverbrauchssektoren. 71 Prozent des häuslichen Energieverbrauchs werden für Raumwärme und 14,5 Prozent für Warmwasser benötigt.

Veraltete Heiztechnik

Von den aktuell 21,3 Millionen Wärmeerzeugern sind bereits 2,7 Millionen mehr als 25 Jahre alt. So befinden sich im Heizungsbestand heute noch rund 2,5 Millionen Gas- und Öl-Standardkessel, obwohl sie seit etwa 15 Jahren nicht mehr eingebaut werden dürfen.

Diversifizierung Heiztechnik und Energieträger:

Von 21,3 Millionen Wärmeerzeugern in Wohngebäuden sind 18,4 Millionen beziehungsweise 86 Prozent Gas- oder Öl-Heizkessel. Dennoch werden sich im Trend die Heiztechnik und damit auch die Heizenergieträger bis 2030 zunehmend diversifizieren.

Die Zahl alternativer beziehungsweise erneuerbarer Wärmeerzeuger wird sich von heute weniger als drei Millionen auf 6,3 Millionen mehr als verdoppeln. Die Zahl der Solarwärmeanlagen könnte sich von heute 1,6 Millionen auf rund sieben Millionen nahezu verfünffachen.

Erneuerbare Energien

Mit der Zunahme alternativer und neuer Heiztechniken wächst der Anteil erneuerbarer Energien am Heizenergieträgermix. Heute liegt der Anteil erneuerbarer Energien bei 12,5 Prozent, bis 2030 könnte er bei trendmäßiger Entwicklung auf 24 Prozent, unter ambitionierten Bedingungen auf 29 bis 31 Prozent zulegen.

Holz ist der bedeutendste erneuerbare Energieträger. Künftig gewinnen Solarwärme sowie Umweltwärme jedoch relativ an Bedeutung. Umweltwärme wird der Umgebung durch Wärmepumpen entzogen und dann zur Beheizung genutzt.

Schlüsseltechnologie Gas-/Öl-Brennwerttechnik

Der Anteil zentraler Gas- und Öl-Heizkessel an zentralen Hauswärmeerzeugern fällt von 85 Prozent leicht auf 81 Prozent (Trend) beziehungsweise deutlich auf 72 Prozent (Alternativ) im Jahr 2030, von dann 22,5 Millionen Heizanlagen werden 2030 18,2 beziehungsweise 16,2 Millionen Gas-/Öl-Heizkessel sein. Dabei wird sich die Zahl der Brennwertgeräte von heute 4,1 Millionen auf 10,6 Millionen (Trend) beziehungsweise 11,7 Millionen (Alternativ) nahezu verdreifachen.

Brennwerttechnik nutzt die Brennstoffe nahezu 100 Prozent und ermöglicht gegenüber veralteten Bestandstechnologien spezifische Energieeinsparungen von bis zu 35 Prozent.

Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen

Im Trend sinken der jährliche Endenergieverbrauch um 14,5 Prozent und die jährlichen Treibhausgasemissionen um 22 Prozent. In den beiden Alternativszenarien geht der Endenergieverbrauch um 18 beziehungsweise 23 Prozent zurück, die Treibhausgasemissionen um 31 beziehungsweise 36 Prozent.

Auch wenn hiermit die Zwischenziele der Energie- und Klimapolitik erreicht werden könnten, bliebe ein nahezu klimaneutraler Wohnungsbestand im Jahr 2030 noch deutlich entfernt, heißt es in der Studie.

Schlagworte zum Thema:  Energiewende, Heizung

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