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Geschlossene Fondsanbieter: 90 Prozent setzen auf Immobilien

In Immobilien sehen Anbieter und Vermittler derzeit das größte Potenzial
Bild: Michael Kopatz ⁄

In diesem Jahr planen 50 Prozent der von der Ratingagentur Scope befragten geschlossenen Fondsanbieter Neuemissionen mit deutschen Immobilien. Der Optimismus bezieht sich vor allem auf die zweite Jahreshälfte. Für mehr als 90 Prozent der Anbieter und zwei Drittel der Vermittler sind Immobilien die Assetklasse mit dem größten Potenzial für die kommenden drei Jahre. 

Im Zeitraum von 2012 auf 2013 hatte sich das Emissionsvolumen halbiert. Fast 45 Prozent der befragten Vermittler rechnen auch mit Interesse an Fonds mit ausländischen Immobilien. Immerhin knapp 40 Prozent der Anbieter beabsichtigen die Auflage geschlossener AIF mit ausländischen Objekten.

Optimismus für das zweite Halbjahr

Insgesamt beurteilen über alle Assetklassen hinweg 42 Prozent der Anbieter ihre Lage als gut, acht Prozent sogar als sehr gut. Als befriedigend schätzen 25 Prozent der Befragten ihre Lage ein. Jeweils 12,5 Prozent bewerten sie als unbefriedigend oder schlecht.

Der Optimismus bezieht sich vor allem auf die zweite Jahreshälfte. Anbieter, die nach KVG-Zulassung zügig geeignete Produkte anbieten können, agieren in einem Umfeld mit wenig Konkurrenz und rechnen mit hoher Resonanz im Vertrieb.

Diese positive Einschätzung korrespondiert nicht mit dem erwarteten Platzierungsvolumen für den Gesamtmarkt: Von den Anbietern rechnet für 2014 nur rund die Hälfte mit einem ähnlichem Platzierungsergebnis wie im Vorjahr. Ein Drittel der Befragten erwartet geringeres Platzierungsvolumen, ein Fünftel stellt sich auf ein geringeres Platzierungsvolumen ein.

Vermittler: Jüngste Skandale drücken auf die Stimmung
Die Lage ihrer Unternehmen im Geschäftsfeld geschlossene Fonds beurteilen die befragten Vermittler deutlich skeptischer als die Anbieter: nur sieben Prozent mit gut oder sehr gut, 37 Prozent mit befriedigend, rund 55 Prozent mit unbefriedigend oder schlecht.

Die Vermittler haben im Vergleich mit den Anbietern auch pessimistischere Erwartungen für das Platzierungsvolumen: Nur rund 22 Prozent rechnen für 2014 mit einem ähnlichen oder steigendem Platzierungsergebnis auf Gesamtmarktebene. 45 Prozent erwarten geringere Eigenkapitalplatzierungen, 34 Prozent deutlich weniger als im Vorjahr.

Als Gründe für die pessimistische Einschätzung sehen Vermittler vor allem den Mangel an geeigneten Fonds. Darüber hinaus drücken die jüngsten Skandale um S&K und vor allem Wölbern auf die Stimmung der Vermittler. Auch das neue regulatorische Umfeld hemmt nach Ansicht von mehr als der Hälfte der Vermittler den Vertrieb geschlossener Fondsanteile.
Bedeutung geschlossener Fonds sinkt

Trotz einiger positiver Aspekte geht ein Drittel der Vermittler davon aus, dass die Bedeutung geschlossener Fonds für Privatanleger in den kommenden drei Jahren sinken wird, jeder Fünfte erwartet sogar einen starken Bedeutungsverlust. Fast 20 Prozent der Befragten erwarten in den kommenden drei Jahren einen Bedeutungsgewinn für Privatanleger, rund 28 Prozent sehen keine Veränderung. Dass die Branche wieder an frühere Platzierungszahlen deutlich über fünf Milliarden Euro anschließen kann, verneinen 85 Prozent der Befragten.

Anbieter richten Fokus stärker auf Institutionelle
Fast 80 Prozent der Anbieter planen in den kommenden drei Jahren neben geschlossenen AIF für Privatanleger die Auflage weiterer Produkte, allen voran Spezial-AIF für Institutionelle, aber auch Projektanleihen und Genussscheine für professionelle und semi-professionelle Anleger.

Dass sich der Fokus grundsätzlich hin zu institutionellen Investoren verschiebt, zeichnete sich bereits in den Platzierungsergebnissen der vergangenen Jahre ab. Die Umfrage von Scope Ratings bestätigt diese Entwicklung: Mehr als drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass sich der Fokus auf institutionelle Investoren weiter verstärken wird.

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister, Immobilienfonds

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