Von Januar bis August 2018 wurden in Deutschland 204.100 Wohnungen genehmigt. Das sind 2,5 Prozent (5.000 Einheiten) mehr als in den ersten acht Monaten 2017, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Der deutliche Anstieg ist ausschließlich auf mehr bewilligten Neubau in Mehrfamilienhäusern zurückzuführen (plus 7,7 Prozent). Der Bundesverband GdW reagierte verhalten auf die Zahlen: Noch würde zu wenig gebaut.

Die Zahl der Baugenehmigungen bei Einfamilienhäusern sank um 1,2 Prozent, bei Zweifamilienhäusern um 3,8 Prozent. Nach Beobachtung der Statistiker könnte es mehr sein, doch steigende Baupreise und Handwerkermangel bremsen den Neubau. Zudem sei gerade in Ballungsräumen Bauland knapp. Dem Statistischen Bundesamt zufolge lagen die Baupreise schon 2017 deutlich über dem Niveau des Vorjahres.

Die Zahl der Bewilligungen für Wohnheime (inklusive Flüchtlingsunterkünfte) sank um 21 Prozent. Ohne den Einfluss der Wohnheime wären die Baugenehmigungen laut Destatis insgesamt um 3,2 Prozent gestiegen. So nahmen die Baugenehmigungen in den ersten acht Monaten 2018 inklusive aller Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden nur um 1,9 Prozent (4.500) zu.

Wohnungsneubau: Nachfrage nicht gedeckt

Um die große Nachfrage nach Wohnungen zu decken, müssten nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen gebaut werden. 2017 wurden dem GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen zufolge aber nur knapp 285.000 errichtet. Obwohl die Bundesregierung mit mehr sozialem Wohnungsbau und Baukindergeld für Familien den Wohnraummangel bekämpfen will, wie sie auf dem Wohngipfel 2018 vereinbart hat. Im Koalitionsvertrag ist die Rede von 1,5 Millionen Wohnungen bis 2021 – das wären 375.000 pro Jahr.

"Die steigenden Baugenehmigungen bei Mehrfamilienhäusern sind ein Lichtblick. Sie zeigen: Unsere Unternehmen wollen bauen – wenn man sie denn lässt", reagiert GdW-Präsident Axel Gedaschko auf die Zahlen.

"Angesichts der Menge an fehlenden Wohnungen in den Hotspots des Landes bleiben die steigenden Genehmigungen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", GdW-Präsident Axel Gedaschko

Zuletzt ist laut Destatis auch der Überhang an genehmigten, noch nicht fertiggestellten Wohnungen gestiegen.

GdW: Ergebnisse des Wohngipfels umsetzen

Hohe Baukosten, fehlende oder zu teure Grundstücke, unzureichende Planungs- und Baukapazitäten, steigende Grunderwerbsteuern und hohe energetische Anforderungen in Kombination mit Diskussionen um neue Mietendeckel sind dem GdW zufolge die Haupthindernisse. Über langwierige Genehmigungsprozesse, teure Auflagen und hohe Steuern klagt auch der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA. Zudem würden die Kommunen Mittel für schnelles und günstiges Bauen nicht genug ausschöpfen.  

"Bund, Länder und Kommunen müssen jetzt an einem Strang ziehen und die Ergebnisse des Wohngipfels umsetzen. Sonst wird der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in vielen Großstädten zum größten sozialen Problem der nächsten Jahre werden", Axel Gedaschko, GdW-Präsident

Die Gewerkschaft IG Bau fordert mehr Geld für den Sozialwohnungsbau für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums und sieht die Politik in der Pflicht, Spekulanten einen Riegel vorschieben.

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