30.04.2012 | Top-Thema Landflucht: Die Leere auf dem Land

Modernisierungen wurden vernachlässigt

Kapitel

Daten, die den daraus resultierenden Leerstand erfassen, gibt es nicht. Das BBSR spricht von einem „Handicap der Immobilienmarktbeobachtung“, das den Umgang mit der Situation erschwere.

Ulf Hahne, Volkswirt an der Universität Kassel, hat eine Erklärung dafür: „Viele vertuschen lieber, als sich dem Problem zu stellen.“ Hahne hat sich vor allem mit Nordhessen beschäftigt, einem strukturschwachen, ländlich geprägten Raum. Zahlen zur Immobilienlage ließen sich höchstens aus anderen Indikatoren etwa zur energetischen Sanierung ableiten, sagt er. „Man merkt schnell, wo nicht investiert wird – in Nordhessen liegt die Quote 50 Prozent unter dem Landesdurchschnitt.“ Die Menschen steckten kein Geld mehr in ihre Häuser.

Was also tun? Zunächst einmal raten Marktbeobachter zu genauem Hinschauen: Den „ländlichen Raum“ an und für sich gibt es nicht. Da grobkörnige Prognosen anfällig seien für Überraschungen, müssten Immobilieninvestoren deutlich regional diversifizieren, schreibt Tobias Just, Analyst bei der Deutschen Bank, in einer Studie zu Bevölkerungsprognosen und Leerstand. Das gleiche gilt für Kommunalpolitiker und Planungsverbände: Sie müssen die Realität akzeptieren. „Es geht darum, so viele Informationen wie möglich zu sammeln: Wo sind Brachflächen, wo leerstehende Gebäude“, empfiehlt Henger vom IW. „Es braucht Schrumpfungskonzepte, auch und gerade weil nicht gern über das Thema geredet wird.“  Wenn die Fakten auf dem Tisch seien, so die Argumentation Hengers, könnten die Verantwortlichen offen mit dem Thema umgehen, zum Scharnier zwischen Eigenheimbesitzern und Investoren werden und womöglich dem Niedergang ihres Ortes trotzen.

Schlagworte zum Thema:  Demografie, Leerstand

Aktuell

Meistgelesen