| Kolumne Eike Becker

Frauen bauen

Der Architekt Eike Becker
Bild: Dirk Weiß

Eike Becker leitet seit 1999 zusammen mit Helge Schmidt das Büro Eike Becker_Architekten in Berlin, das zu den erfolgreichsten Architekturbüros in Europa gehört. In seiner Kolumne äußert sich Eike Becker zu Architektur und Stadtplanung - diesmal zum Thema Frauen in der Immobilienwirtschaft.

Die Immobilienbranche ist keine Frauendomäne. Zu bestaunen ist das jedes Jahr wieder auf der Mipim im Frühjahr und auf der Expo Real im Herbst. Hier versammeln sich die so genannten Entscheidungsträger. Und das sind ehrgeizige Kerle in neuen, dunklen Anzügen. Wenig hat sich hier in den vergangenen 20 Jahren verändert. Krisen wechseln mit Boomzeiten, aber die Old Boys bleiben exklusiv. Junge, langbeinige Attraktionen dürfen helfen. Aber Frauen in Führungspositionen sind immer noch die Ausnahme in dieser Anpacker-Branche. Machismen und Macho-Männer schotten sie ab. Sie ist dadurch für die allermeisten Frauen unattraktiv. Ein Desaster für die Gesellschaft. Wie viel besser könnten Häuser und Städte sein, wenn mehr Frauen mitsprechen, planen, entscheiden würden!

Teilhabe

Frauen haben es jedoch in diesem Immobilien-Biotop schwer. Auch wenn die Emanzipation und die Feminisierung in anderen Teilen der Gesellschaft unaufhaltsam voranschreiten. Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe in Führungspositionen verpflichtet über 100 börsennotierte Unternehmen, ab 2016 im Aufsichtsrat mindestens 30 Prozent der Posten mit Frauen zu besetzen. Diese und 3.500 weitere Unternehmen müssen außerdem Zielvorgaben für den Frauenanteil im Vorstand und in zwei weiteren Führungsetagen veröffentlichen. Auf meiner Suche nach den Gründen, warum die Immobilienbranche meint, ohne Frauen auszukommen, bin ich hier fündig geworden: Ein erfolgreicher Immobilienunternehmer und seine Leiterin der Projektentwicklung trennen sich einvernehmlich, nachdem diese auf dem Flughafen in Frankfurt wieder einmal ihren Flieger verpasst hat und ihre Tochter auf der Straße vor dem Kindergarten in Berlin wieder einmal vergeblich wartete.

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Work-Life-Balance? Wie soll das denn gehen, wenn wir Weltmeister werden wollen? Die männliche Prägung in den Führungsetagen hat zu Vorstellungen einer Karriere geführt, die auf der Erfahrung eines Mannes mit einer ununterbrochenen, ausschließlichen Erwerbstätigkeit beruhen. Dadurch werden Führungskräfte mit typisch männlichen Eigenschaften wie Dominanz, Selbstsicherheit, Autonomie verbunden. Das führt dazu, dass Führungspositionen von meist männlichen Arbeitgebern eher mit Männern in Verbindung gebracht werden. Aktuelle Forschungsergebnisse (z.B. GIL, Soziologisches Institut der RWTH Aachen) lassen jedoch deutlich daran zweifeln, dass Führungseigenschaften eine Frage des Geschlechts sind, sondern eine der Persönlichkeit. Männer und Frauen sind gleichermaßen für Führungspositionen geeignet.

Schlagworte zum Thema:  Stadtplanung, Architektur

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