16.02.2015 | Top-Thema ImmobilienScout24: Interview mit Volker Wohlfarth

Für Makler! Mitgliedschaft und Marktplatz

Kapitel
  • Für Makler! Mitgliedschaft und Marktplatz
Volker Wohlfarth ist Vice President Anbietermarketing und Markenführung bei ImmobilienScout24 und Mitglied der Geschäftsleitung.
Bild: Matti Hillig Photography

Es gibt einige neue Entwicklungen bei ImmobilienScout24. Doch das Unternehmen muss sich immer wieder auch mit Mutmaßungen auseinandersetzen, man wolle selber ein Franchisesystem aufbauen. Das dementiert Volker Wohlfarth, Mitglied der Geschäftsleitung, und spricht über die Herausforderungen des Marktführers.

Herr Wohlfarth, worauf legt ImmobilienScout24 2015 seinen Fokus? Es geht immer um Kundenbedürfnisse. Wie können wir mit Technologie zusätzliche Werte schaffen? Und da fragen wir uns kontinuierlich, wo es im Prozess Probleme gibt, für die wir Lösungen schaffen wollen.

Welche Bedeutung haben Smartphones inzwischen? Fast 60 Prozent unserer Nutzer auf Konsumentenseite greifen damit auf unsere Services zu.

Aber der neue Trend heißt TV? Die Zahlen der Smart-TV-App-Benutzung sind im Moment noch gering, wir wissen noch nicht so genau, ob das tatsächlich etwas wird oder nicht.  Es geht uns zunächst darum, den Kanal zu verstehen, weil der das Potenzial hat, ganz groß zu werden.

Geht der Trend weg von den Maklern hin zu den Konsumenten? Ein klares Nein. Makler haben für uns nach wie vor sehr große Bedeutung, es gibt ein klares Bekenntnis zur Maklerschaft. Es geht uns immer darum, wie wir Makler unterstützen können, sodass sie mehr Daten haben, mehr Infos, um Eigentümer und Nachfrager am besten zu bedienen. Wir wollen transparent machen, wie gut die Arbeit von Maklern ist. In unserem Branchenbuch können sie sich bewerten lassen, aber sie können auch ihre Arbeit beschreiben.

Ihnen wird immer wieder unterstellt, Sie wollten selber ein Makler werden …
Nein, wir haben klar gesagt, dass wir das nicht wollen!

Auch nicht die Maklerprovision? Nein!  Für mich ist es ab und zu etwas enttäuschend, dass diese Botschaft nicht richtig ankommt. Ich habe in meiner Abteilung ein Maklerpraktikum eingeführt. Wir wollten wissen: Werden die Botschaften, die wir versenden, verstanden? Von den meisten Maklerhäusern wurde diese Aktion gut angenommen. Aber einige haben gemutmaßt, wir machten das nur, weil wir ein Franchisesystem aufbauen wollten …

Und, wollen Sie? Klares Nein. Ein Franchisesystem aufzubauen, erfordert Manpower, regionale Präsenz. Es ist kein digitales Geschäftsmodell, das entspricht nicht unserem Business.

Es scheint, nicht bei allen Maklern werden Ihre Positionen verstanden … Wir haben es bisher noch nicht überall geschafft, als vertrauensvoller Partner angenommen zu werden. Dabei haben wir durchaus Verdienste: Wir haben den Markt digitalisiert und Transparenz geschaffen, haben die Suche nach Immobilien vereinfacht und vielen Maklern den Eintritt in die Maklerschaft erleichtert.

ImmobilienScout24 gilt bei manchen als zu teuer. Im Jahr 2000 etwa wurde für Print-Anzeigen viel mehr ausgegeben als heute für online. Kleine Unternehmen konnten es sich teilweise nicht leisten, Verkaufsanzeigen zu schalten. Aber einige Anbieter haben tatsächlich eine emotionale Hürde …

Welche emotionale Hürde meinen Sie?
Es gibt eine Marktunsicherheit. In diesen Zeiten haben wir die Mitgliedschaft eingeführt. Das bedeutet Veränderung. Das mag niemand. Aber uns geht es darum, dem Makler die Weichen für eine Zeit zu stellen, in der Rahmenbedingungen schwieriger werden. In dieser Phase sollen die Makler mit unserem neuen Modell bestmöglich unterstützt werden. Mit der Mitgliedschaft haben wir etwas Tolles geschaffen, das ist unsere feste Überzeugung. Wir bekommen sehr gutes Feedback.

Dazu passt die Übernahme von Flow-Fact. Ja, das ist eine wunderbare Ergänzung, denn FlowFact versteht die Immobilienwirtschaft sehr gut. Wir sehen, dass FlowFact Prozesse effizienter macht ...

Wie hat sich eigentlich Ihr Selbstverständnis verändert? Wir waren einmal eine reine Datenbank für Immobilien. Das ist wenig emotional: Man stellt eine Information ein, andere greifen darauf zu, und dann findet der Prozess unabhängig von dieser Datenbank statt. Aber die Menschen heute wollen dazu angeregt werden, die richtige Entscheidung zu treffen, und das auf eine möglichst einfache Art. Es geht nicht mehr nur darum, Informationen bereitzustellen, sondern darum, dem Kunden bei allen Entscheidungen rund um eine Transaktion zu helfen.

Das ist der Marktplatz-Gedanke? Ja, wir bringen Menschen mit bestimmten Eigenschaften zusammen. Wir wollen dem Konsumenten die größtmögliche Anzahl von Angeboten zeigen, es geht aber auch darum, wie wir unseren Makler-Kunden das Leben vereinfachen können. Ein Beispiel: Der Anbieter will möglichst früh den richtigen Kunden finden. Deshalb haben wir auf unserem Portal jetzt ein Profil eingebaut, wo man sich als Nachfrager selbst beschreiben und ein Foto von sich und der Familie hochladen kann.

Wird das angenommen? Ja, es machen sehr viele. Wenn man den Prozess der Vermietung einfacher gestaltet, indem der potenzielle Mieter einmal ein Profil ausfüllt und im Grunde immer die Bewerbung gleich rausschickt, ist das eine Bewerbung mit nur einem Klick. Es gibt immer mehr emotionale Vertreter im Netz. Wenn ich denen gleich mein Profil zeigen kann, erspare ich mir fruchtlose Besichtigungen.

Was versprechen Sie sich von der Übernahme des mobilen Flohmarkts „stuffle“? Inspiration. Das ist ein junges Team, die haben ein Produkt geschaffen, das den Kunden Spaß macht. Die machen viele Dinge anders. Sie haben eine ganz hohe Wiederkehrrate ihrer Kunden.

An wem orientieren Sie sich beim Thema Innovation? Als Marktführer ist das ein bisschen schwierig: An der Branche können wir uns wenig orientieren. Innovationen holen wir uns von außen. Deshalb veranstalten wir etwa Wettbewerbe für Programmierer (sog. Hackathons) und laden dazu ein, rund um die Immobilie neu zu denken. Die Welt draußen verändert sich ständig. Und wenn wir uns nicht verändern, dann werden wir verändert.

Was ist Ihr Credo? Sich selbst immer wieder zu hinterfragen. Ist das, was wir 2014 gemacht haben, 2015 noch richtig? Wir üben Selbstkritik, aber damit macht man sich auch angreifbar. Ich selber renne durchs Leben mit tausend Fragen und treffe viele Leute mit standardisierten Antworten. Oft merke ich: Die wenigsten haben ihre Antworten richtig durchdacht.


Was können Sie über die Zukunft der Scout24-Gruppe sagen? Der Schwerpunkt liegt weiter auf AutoScout24 und ImmobilienScout24. Wir werden als Unternehmen stärker zusammenwachsen. Der spekulierte Börsengang ist eine mögliche Option für die Zukunft, dazu ist noch keine Entscheidung gefallen.

Welches sind die großen Herausforderungen? Eine ist, den Konsumenten besser zu bedienen und so ein Konsumentenprofil zu haben, das wir Anbietern zur Verfügung stellen können. Wir wollen über die Mitgliedschaft professionelle Anbieter erfolgreicher machen. Und Prozesse vereinfachen. Die technische Umgebung wird immer komplexer. Smartwatch wird kommen, die iWatch und vieles mehr. Die Riesenherausforderung für uns ist, Big Data nutzbar zu machen. Wie schaffe ich es, Geräte nur mit dem Daumen zu bedienen? Das Schlagwort heißt hier Smart Data, doch dazu später einmal mehr …

  • Zurück
  • Weiter

Schlagworte zum Thema:  Makler, Immobilienmarketing

Aktuell

Meistgelesen