Innovation für die Immobilienbranche: KI für den Klimaschutz

Mit Hilfe von KI wollen Startups wie Dabbel den Energieverbrauch von Büro- und Gewerbebauten senken. Perspektivisch kann die Lösung auf Wohngebäude übertragbar werden.

Alte Ölheizung raus und die Fassade dämmen – geht es um Energiesparen im Gebäudebereich, dreht sich die Diskussion meist um diese zwei Kernthemen.

Weniger im Fokus steht, dass auch die Digitalisierung einen Beitrag dazu leisten kann, den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken: Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) tüfteln Startups derzeit an einer Optimierung der Gebäudeleittechnik – zunächst von Gewerbebauten und Bürogebäuden, perspektivisch auf Wohngebäude übertragbar.

Die Softwarelösung soll helfen, den 40-Prozent-Anteil am gesamten Energieverbrauch und den fast ebenso hohen Anteil an Kohlendioxidemissionen zu senken, für den Gebäude verantwortlich sind.

José Samaniego
José Samaniego, Gründer von Dabbel

Eigenes Modell des Gebäudes wird erstellt

Die Software schaltet sich über eine spezielle Internetverbindung auf die Gebäudeleittechnik größerer Gebäude. Mit Hilfe der Daten dieser Technik und des Gebäudegrundrisses entsteht ein eigenes Modell des betreffenden Objekts.

Die Technik kann nun autonom arbeiten und Entscheidungen treffen – zum Beispiel die Heizung steuern, Lüftung, Kühlung und Schattenwurf im Gebäude ideal aufeinander einstellen. Dabei werden Kernfaktoren wie Außen- und gewünschte Innentemperatur, Luftqualität und Isolierung des Gebäudes berücksichtigt. Das System prüft und aktualisiert im Abstand weniger Minuten die jeweilige Regulation. Mit dem selbstlernenden Ansatz geht das Prinzip damit über herkömmliche Softwareprogramme zur Optimierung des Energieverbrauchs hinaus.

Die Vorteile dabei: Ein solches System arbeitet effizienter und mit weniger Fehlern als es bei individuellem Handeln von Menschen passieren würde. Außerdem kann das System bei ungewöhnlichem Verlauf oder Verhalten die für die Gebäudeleittechnik verantwortlichen Mitarbeiter informieren und so Fehler beheben, bevor sie Mieter beeinträchtigen.

Startup Dabbel mit Pilotprojekten

Einen solchen Algorithmus hat etwa das Startup Dabbel entwickelt. Dessen Gründer José Samaniego ist davon überzeugt, dass die KI-Anwendung die Brücke schlägt zwischen wirtschaftlicher Effizienz für Unternehmen und Betreiber etwa von Hotels sowie weiter reichenden Zielen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Vorteilhaft für Unternehmen sei außerdem, dass die Innovation kein technisches Nachrüsten verlange: Es schalte sich selbst auf die bestehende Technik – installiere sich also selbstständig – ohne Schnittstellenproblematik, arbeite und lerne, so der Gründer.

Erprobt wird Dabbel derzeit etwa vom Gelsenkirchener Versorger Gelsenwasser, der sich unter Verweis auf die noch laufende Pilotphase allerdings derzeit nicht zu Inhalten oder Ablauf äußern möchte. Auch die Technische Universität Ilmenau testet die KI-Lösung in einem Gebäude des Fachbereichs Computerwissenschaften. Weitere Projekte sind dem Startup zufolge in Planung oder Vorbereitung. Dabei stünden gewerblich genutzte Objekte im Mittelpunkt, heißt es von den Gründern. Eine Erweiterung auch auf Wohnimmobilien sei perspektivisch indes denkbar.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Innovation, Startup