Immobilienprojektentwicklung: Service Development ist im Trend

Grundstücke sind knapp, immer weniger Eigentümer verkaufen an Immobilienprojektentwickler – der Trend geht zur Eigenentwicklung. Der Markt verändert sich. Wo Know-how gefragt ist, wo Ressourcen fehlen oder das Risiko zu groß ist, wird gerne ausgesourct, heißt es in einer Studie.

Immobilienprojektentwicklung als Dienstleistung (Service Development) erobert zunehmend den Immobilienmarkt, wie die Studie "Projektentwicklung als Dienstleistung" von EY Real Estate zeigt. Befragt wurden rund 60 aktive Marktteilnehmer aus einem Querschnitt der Immobilienwirtschaft. Mehr als jedem zweiten Befragten wurde schon einmal eine solche Dienstleistung angeboten. Dafür geeignet sind nach Ansicht der Studienteilnehmer fast alle Projektvolumina und Nutzungsarten.

Mehr als jeder Dritte (39 Prozent) der Akteure sieht Service Development für den Neubau auf der "grünen Wiese" als adäquate Lösung. Auch bei Re-Developments von Gebäuden (30 Prozent) oder von Grundstücken und Liegenschaften (26 Prozent) wäre das Outsourcing Mittel der Wahl. Sogar eine große Mehrheit (rund 78 Prozent) der Befragten, die eigene Projektentwicklungserfahrung haben, liebäugeln damit, Service Developer in ihre Immobilienentwicklungsvorhaben zumindest einzubeziehen.

Die "neuen Projektentwickler für den eigenen Bestand" haben wenig Expertise

Da das Angebot an Grundstücken, Liegenschaften und Immobilien immer knapper wird, verändert sich auch der Markt der Projektentwickler – und zwar fundamental, heißt es in der Studie. Anstatt Grundeigentum an einen klassischen Projektentwickler zu verkaufen, gehen die Eigentümer immer häufiger daran, selbst Immobilien zu entwickeln.

"Die neuen Projektentwickler für den eigenen Bestand – etwa Banken, Versicherungen, Unternehmen ganz anderer Branchen und auch öffentliche Akteure – haben oft weder Expertise noch Ressourcen für hochkomplexe, multidisziplinäre Projektentwicklungen", sagt Frank Weißkirchen, Associate Partner bei EY Real Estate und Autor der Studie. Die Risikostruktur, die Immobilienprojekte naturgemäß aufweisen, sind in ihren Geschäftsmodellen unbekannt. "Diese Lücken schließen Service Developer, indem sie Projektentwicklungen komplett oder einzelne Entwicklungsphasen als Dienstleistung erbringen", erklärt Weißkirchen.

Know-how und Risikominimierung: Hauptargumente für Service Developer

Mehr als jeder Vierte (26 Prozent) der Befragten sieht einen Bedarf für spezialisierte Dienstleister über alle Phasen der Entwicklung hinweg. Vor allem aber bei der Umsetzungsphase, in der beim kaufmännischen und technischen Projektmanagement in aller Regel auch die größten Herausforderungen zu erwarten sind, sehen viele (21 Prozent) Umfrageteilnehmer Bedarf für Spezialwissen.

Für drei Viertel der Umfrageteilnehmer spielt eine umfangreiche Erfahrung bei der Auswahl des Service Developers eine sehr wichtige Rolle. Deutlich weniger Beachtung wird der Reputation (neun Prozent) und der Kreativität (sieben Prozent) beigemessen. Netzwerke (fünf Prozent) sowie Persönlichkeit und Ausbildung (zwei Prozent) der Dienstleister spielen bei der Auswahl so gut wie keine Rolle.

Jeweils rund ein Drittel der Eigentümer sehen in der Bereitstellung von Know-how und Ressourcen sowie in der Risikominimierung die deutlichsten Vorteile von Service Developern. Letzteres ist vor allem für die Befragten einschlägig, die angegeben hatten, über eigene Projektentwicklungserfahrung zu verfügen. Immerhin rund 18 Prozent der Studienteinehmer erhoffen sich Vorteile bei der Ideenentwicklung, knapp zwölf Prozent beim Marktzugang und zirka sieben Prozent bei der Renditeerwartung.

Service Developments: Den größten Bedarf gibt es bei Wohnimmobilien

Bei den Assetklassen liegt der größte Bedarf für Service Developer laut Studie bei Wohnimmobilien (49 Prozent). Hierzu dürfte auch die aktuelle Marktsituation mit einem Nachfrageüberhang bei Wohnraum beitragen, der durch die Bautätigkeit derzeit nicht gedeckt wird, mutmaßen die Experten von EY Real Estate. Die Projektentwicklung als Dienstleistung ist aber auch im Gewerbesegment nicht irrelevant für Service Developer: 42 Prozent der Befragten votierten dafür. Eine untergeordnete Rolle spielen Sonder- und Sozialimmobilien mit einem vergleichsweise geringen Anteil von sieben Prozent.

"Im Bereich der Sonderimmobilien liegt viel noch ungesehenes Potenzial für Service Developer", sagt Studienautor Weißkirchen. Denn insbesondere im Bereich der Schul- und Bildungsbauten würden von der öffentlichen Hand zunehmend Projekte extern zur Entwicklung vergeben.

EY Real Estate Studie "Immobilienprojektentwicklung als Dienstleistung – Neue Möglichkeiten für Investoren?"


Das könnte Sie auch interessieren:

Projektentwicklung der Zukunft – der holistische Ansatz