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Bernd Ringe, Teamkoordinator Immobilienservice und Projektentwicklung HWF, Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Bild: Steffen Dollhopf

Der Druck ist enorm: Wenn Unternehmen in Hamburg nach einer geeigneten Gewerbefläche suchen, geben sie oft auf und wandern ins Umland ab. Was könnten Lösungsansätze sein?

Durch die HIE Hamburg Invest Entwicklungsgesellschaft GmbH & Co. KG soll die HWF die letztverbindliche Entscheidung über die Vergabe von städtischen Wirtschaftsförderungsflächen treffen. Gibt es für die Unternehmen wirklich nur noch einen Ansprechpartner?
Ringe: Ja, wir firmieren dafür sogar um. Zum 1. Oktober wird aus der HWF Hamburg Invest. Unter diesem Dach agiert auch die HIE. Hamburg Invest ist der zentrale Ansprechpartner und wird für die Unternehmen den gesamten Erwerbs­prozess beschleunigen.   

Erhoffen Sie sich, Herr Klein, dadurch eine Senkung der Kosten, etwa für öffentliche Grundstücke?

Klein: Es kann vor allem volkswirtschaftlich Kosten einsparen, weil die Prozesse beschleunigt werden. Für die Stadt Hamburg ist es die Chance, Unternehmen Standorte zu liefern – und auch Arbeitsplätze nach Hamburg zu holen.
Kaldenhoven: So ist es: Ein Gewerbekunde braucht viel Fläche.

"Im Moment erleben wir, dass viele Kunden die Suche in Hamburg abbrechen und ins Umland gehen." René Kaldenhoven, Leiter der Goldbeck-Niederlassung Hamburg

Entweder sind Flächen nicht verfügbar oder gar nicht zu finden. Oder sie sind extrem teuer. Der Druck ist enorm. Ich begrüße deshalb die HIE sehr.

Deshalb diese neue Tochterfirma, Herr Ringe?
Ringe: Ja. Denn beim gewerbeflächigen Potenzial gab es viele Jahre lang einen deutlichen Nettoflächenabfluss. Durch Konversion, aber vor allem dadurch, dass keine neuen Flächen auf den Markt kommen.

"Momentan haben wir von Jahr zu Jahr eine Preissteigerung in diesem Sektor von zehn bis 20 Prozent." Bernd Ringe, Teamkoordinator  Immobilienservice und Projektentwicklung HWF, Hamburgische  Gesellschaft für Wirtschaftsförderung

Wir versuchen daher, für Hamburg förderliche Firmen das Preisniveau etwas niedriger zu halten. Natürlich müssen wir uns am Markt orientieren. Und wir müssen natürlich auch neue Flächen entwickeln.

Konversion von innerstädtischen Gewerbeflächen

Auch innerstädtische?
Ringe: Wenn es innerstädtische Gewerbeflächen gibt, die heute wirklich nicht mehr gut sind, sollten wir diese in eine Konversion führen. Doch das können wir nur guten Gewissens machen, wenn wir dafür neue Gewerbeflächen ausweisen. Das wird ein ganz wichtiger Part sein!
Sonnenschein: Es wird gerade bei gewerblichen Hallensystemen immer noch mit Flächen geaast. Das geht in einem Stadtstaat wie Hamburg nicht mehr! Dies muss Unternehmen deutlich vermittelt werden. Auch Firmen wie Amazon müssen ins erste oder zweite Obergeschoss gehen.
Kaldenhoven: Wir haben in diesem Bereich fast eine Verdoppelung der Kosten, bei Verkleinerung in der Grundfläche.

"Gerade im Gewerbebereich gibt es zudem extreme Auflagen von der Gesetzgeberseite. Energieeffizienz, EnEV et cetera treiben die Immobilie in eine ganz andere Kostenstruktur." René Kaldenhoven, Leiter der Goldbeck-Niederlassung Hamburg

Kein Mehrgeschossansatz deshalb?
Kaldenhoven: Doch! Wir diskutieren das ständig. Gerade bei großflächigen Logistik-Projekten kann man alles, was nicht unter schweren Lasten auf der Sohle passieren muss, auf die zweite Ebene verlagern. Da habe ich auch eine überschaubarere Kostenentwicklung. Übrigens haben wir am Standort Hamburg darüber hinaus sehr viele Anforderungen – etwa an Nachhaltigkeit. Stichwort Dachbegrünung oder Wiedergewinnung von Wasser, Abwasser et cetera. Das sind Themen, die sind ganz schnell im Bereich von 25 Prozent der gesamten Bau- und Planungskos­ten. Das ist Qualität, das stelle ich nicht infrage. Aber das macht einfach Immobilien unendlich teuer.
Pirschel: Der Markt hier gibt doch die Baukosten her und goutiert die ökologischen Auflagen! Was würde denn passieren, wenn wir diese zurückführen? Es stiegen bloß die Grundstückspreise.

"Die hohen Anforderungen sind kein Nachteil für den Standort. Sie haben einen dämpfenden Effekt auf den Grundstücksmarkt." Matthias Pirschel, Niederlassungsleiter Hamburg Strabag Real Estate

Kaldenhoven: Vorsicht, diese Anforderungen sind ja häufig an Grundflächen gekoppelt. Ergo ist der Kostenanteil im Wohnungsbau eher gering im Vergleich zu den typischen Großflächen von heute. Ich bin trotzdem bei Ihnen: Wir brauchen die Qualität.

Gewerbeflächen oft nicht optimal genutzt

Pirschel: Wenn ich durch Hamburg fahre, habe ich oft den Eindruck, dass nicht alle gewerblichen Flächen optimal genutzt sind. Was meint denn die Runde: Woran liegt das?
Kaldenhoven: An Mittelstand und Wachstum. Das führt am Ende zu ganz seltsamen Grundstücksauslastungen. Denn manchmal wächst eine Firma eben nicht wie erwartet, sondern schrumpft. Dann sieht man plötzlich: Wir haben extrem ungüns­tig genutzte Grundstücksflächen. Da muss man eine Lösung finden, wie man diese längst vom Eigentümer abgeschriebenen  Grundstücke wieder sinnvoll dem Markt zuführt.

Wie sehen Sie das, Herr Klein?     
Klein: Mittlerweile wird etwa Konvertierung von Gewerbe- in Wohnflächen schon eingebremst.

"Es wird abzuwarten sein, was jetzt passiert mit den Flächen, die in den letzten zwei Jahren auch aufgrund der Flüchtlingsthematik erst mal nicht verfügbar waren." Konstantin Klein, Geschäftsführer PROJECT Immobilien Hamburg GmbH

Impressionen der Unternehmerrunde haben wir für Sie in einem Video festgehalten

Schlagworte zum Thema:  Hamburg, Immobilienmarkt, Unternehmen, Immobilienwirtschaft

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