09.07.2015 | Top-Thema Immobilienbörsen

Lukrative Nische

Kapitel
Kommunale Immobilienportale KIP gibt es seit einem halben Jahr bundesweit.
Bild: wunschgrundstück GmbH

Ähnliche Erfahrungen hat Bo Nintzel von den Kommunalen Immobilienportalen (KIP) gemacht.

Hervorgegangen aus einem öffentlich bestellten Vermessungsbüro, bot er zunächst Bauland für Kommunen an. Inzwischen präsentiert sich das Portal (www.kommunale-immobilienportale.de) als ganzheitliches Angebot mit etwa 100.000 Anzeigen von Maklern und Privatpersonen auf etwa 13.000 „lokalen Marktplätzen“. Nintzel hat sich mit dem Fokus auf Kommunen ebenfalls eine Nische gesucht. „Die Zukunft im Portalmarkt liegt aus unserer Sicht auf lokalen Marktplätzen, fast wie im Zeitungsstil“, sagt er. Das Portal ist frei von Werbung. Kommunen zahlen einen Obulus, Makler 39 Euro im Monat für eine Flatrate, die werbehaltige Plattform wunschgrundstueck.de liefert die notwendige Querfinanzierung. Nintzels Team umfasst neun Mitarbeiter, auch das hält die Kosten im Rahmen (zum Vergleich: Bei Immoscout arbeiten 550 Menschen).
KIP gibt es seit einem halben Jahr bundesweit, in Hessen arbeitet auch die Wirtschaftsförderung des Landes damit. Seit Kurzem hat auch der Maklerverband BVFI eine Kooperation mit KIP geschlossen und bietet auf Fachportalen ausschließlich Immobilien von Mitgliedern an.

Wie Pilze aus dem Boden

Das Heidelberger und das kommunale Modell sind zwei Beispiele von vielen. Selbst Marktbeobachtern fällt ein Überblick schwer. „Die schießen wie Pilze aus dem Boden“, sagt Bölting vom InWIS-Institut. Zuletzt machte etwa der IVD Süd mit einem eigenen Immobilienportal von sich reden – ein Experiment, das die anderen regionalen IVD-Verbände genau beobachten, wie Präsidiumsmitglied Kloth erklärt.


Über die langfristigen Möglichkeiten solcher kleinererPortale gehen die Meinungen auseinander. Branchenkenner verweisen auf frühere ähnliche Börsen, die nicht überlebt hätten. Überhaupt sei die Zahl von Online-Portalen vor ein paar Jahren noch viel höher gewesen, die Konsolidierung habe längst eingesetzt. Gleichzeitig wird angesichts des relativ einfachen Markteintritts damit gerechnet, dass immer wieder neue Immobilienbörsen, Auktionshäuser, Infoplattformen aufpoppen – und verschwinden. Die Beschränkung auf Regionen ist dabei Chance und Risiko zugleich: Die Zahl der Business-Kontakte bleibt genauso überschaubar wie das mögliche Wachstum. Mit Letzterem indes erhöht sich die Reichweite eines Portals und damit nicht nur das Volumen lukrativer Daten, sondern oft auch die Qualität von Angebot und Nachfrage. „Letztlich zählen die Reichweite und die Bekanntheit der Marke, und das interessiert am Ende auch die Makler: Hauptsache ist ja, dass das Telefon des Maklers klingelt und qualitativ hochwertige Anfragen produziert werden“, erklärt Berater Obermann. Börsen produzieren Skalenvorteile: Je größer, desto günstiger. Auch das ist ein Faktor, der kleinere Anbieter per se benachteiligt. Weitere Fusionen werden ein Rettungsanker sein.
Gleichzeitig ist der Fokus auf eine Region die Möglichkeit, sich aus dem Wachstums-Wettbewerb auszuklinken. Persönliche Kontakte, der genauere Blick auf die Bedürfnisse von Maklern und Suchenden vor Ort, Detailkenntnisse von Objekten und Entwicklungsperspektiven – das sind Vorteile, die sich auszahlen können – ähnlich wie in anderen Branchen, in denen sich lokale Anbieter in Globalisierungsnischen behaupten. Vertrauen und Transparenz werden so zum Verkaufsargument. „Das beste Beispiel ist das Verkaufsschild im Fenster“, sagt Kloth vom IVD. „Damit kann ich mir das Inserieren sparen, das schlägt nach wie vor alles.“

Schlagworte zum Thema:  Immobilienmakler, Immobilienverkauf, Immobilienmarkt

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