09.07.2015 | Top-Thema Immobilienbörsen

(Kleiner) Aufstand der Makler

Kapitel
Immonet und Immowelt ziehen zukünftig gemeinsam in den Kampf - nicht nur gegen Immoscout ...
Bild: Haufe Online Redaktion

Makler in Aufruhr: An der Spitze der Immobilien-Marktplätze macht sich Platzhirsch Immoscout mit seiner Preispolitik Feinde, Immowelt und Immonet fusionieren zum ernstzunehmenden Wettbewerber. Als Reaktion gründen Makler eigene Portale mit regionalem oder gar lokalem Fokus. Neue Matching-Möglichkeiten zwischen Vermietern und Mietern werden dazu führen, dass sich das Maklerprofil ändern wird: Er wird stärker zum Berater werden ...

In den Tagen nach dem ersten Zeitungsbericht klingelte bei Softwareentwickler Christian Landes unaufhörlich das Telefon. Immer war es ein anderer Makler, immer aus einer anderen Stadt, und immer war es die gleiche Geschichte: „Der Grundtenor war die Unzufriedenheit über Immoscout“, sagt der Heidelberger. „Viele haben das Portal einst mit aufgebaut und fühlen sich nun willkürlichen Preissteigerungen ausgesetzt – sie kommen sich ausgenommen vor.“ Es ist eine Stimmung, die Landes aus seiner Heimatstadt kennt: Hier haben fünf regionale Makler kurzerhand ihr eigenes Immobilienportal gegründet. Unter www.immobilienportal-heidelberg.de vermarkten sie seither Wohnungen und Häuser aus der Gegend. Landes und seine Firma „bi excellence“ liefern die Technik.
Das bundesweite Echo auf den Start des kurpfälzischen Portals kommt nicht von ungefähr: Die Maklerbranche ist in Aufruhr. Das Geschäftsgebaren von ImmobilienScout24 (Immoscout), dem größten Anbieter am Markt, verärgert viele. „Die haben sich sehr unbeliebt gemacht“, beschreibt etwa Axel Kloth die Stimmung. Der Hamburger Makler ist frischgebackener Vizepräsident des IVD. Seit Immoscout individuelle Preispakete schnüre, sei die Unternehmenspolitik undurchsichtig. „Da werden neue Geschäftsmodelle gestrickt, um Preiserhöhungen nicht als solche erscheinen zu lassen“, kritisiert Kloth. Er persönlich arbeitet seit Jahren nicht mehr mit Immoscout zusammen und teilt die Masse seiner Kollegen in zwei Gruppen: die, die sich abwendeten, und die, die keine Alternative sähen.

Immoscout: „Unser Angebot ist attraktiv“

Immoscout kontert die Vorwürfe mit Verweis auf Marktstellung und Angebot: „Unsere Preispolitik ist immer Spiegel unserer Leistung“, erklärt Senior Vice President Sales & Operations Barbara Wittmann. „Gemessen an den tatsächlichen Anfragen und Kontakten sowie der Aufmerksamkeit, die wir unseren Kunden bieten, ist die Mitgliedschaft ein hochattraktives Angebot.“ Zu konkreten Preisen gibt das Unternehmen keine Auskunft. Es handele sich zum großen Teil um Mitgliedschaftsverträge, die sich an der individuellen Situation und den Bedürfnissen der Kunden orientieren – Region, Geschäftsvolumen, Vermarktungsschwerpunkt.
Marktbeobachter bescheinigen dem Platzhirsch zumindest eine unglückliche Preispolitik; plötzliche Erhöhungen um mehr als 100 Prozent – wie 2007 geschehen – kämen einfach schlecht an, auch wenn die Preise insgesamt immer noch deutlich unter denen für frühere Zeitungsanzeigen lägen, sagt etwa Oliver Obermann von der Leipziger Immo Media Consult. „Unterm Strich sind die Makler ja die großen Gewinner des digitalen Wandels.“ Viele Immoscout-Kunden hätten außerdem ein festes Kontingent, was das Anbieten eines großen Immobilienvolumens erleichtert, ergänzt Torsten Bölting. Der Geschäftsführer des Bochumer Beratungsunternehmens InWIS arbeitet häufig mit Immoscout-Daten. Bölting glaubt, dass die Preissteigerungen für Inserate Grenzen hätten. „So extrem hohe Preise werden wir nicht kriegen.“
Dazu beitragen könnte auch der Zusammenschluss von Immowelt und Immonet, durch den erstmals ein nennenswerter Konkurrent für Immoscout entsteht (siehe dazu das Interview mit CEO Carsten Schlabritz im letzten Heft). Nach Ansicht von Branchenexperten war die Fusion überfällig. „Immoscout wird ja quasi als Synonym für die Immobiliensuche benutzt – so wie Tempo für Taschentücher“, sagt etwa Bölting. „Wenn ich so ein Feld aufrollen will, dann muss ich investieren.“ Das geht eben erst mit einer bestimmten Größe. Immoscout selbst gibt sich bislang gelassen und verweist auf die Nutzerdaten des ersten Quartals 2015, nach denen die Zahl der Besuche auf der Immoscout-Seite deutlich über denen von Immowelt und Immonet zusammen lag. „Für die Entwicklung des Gesamtmarktes begrüßen wir einen gesunden Wettbewerb“, erklärt Barbara Wittmann. Die fusionierte Konkurrenz sporne zwar an – da Immowelt und Immonet jedoch teils identische Kunden hätten, gibt sich Immoscout siegessicher, auch künftig marktführend zu sein.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienmakler, Immobilienverkauf, Immobilienmarkt

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