09.07.2015 | Top-Thema Immobilienbörsen

Interview mit Torsten Bölting - „Immobiliensuche wird sexy“

Kapitel
Bild: InWIS Forschung & Beratung GmbH

Immobiliensuche wird nach Ansicht von Torsten Bölting zum Erlebniseinkauf. Entscheidend für den Erfolg von Portalen sei auch die emotionale Ansprache, sagt der Geschäftsführer der InWIS Forschung & Beratung GmbH. Das Beratungsinstitut hat einen Kooperationsvertrag mit Immoscout24 über die Nutzung von Marktdaten.

Herr Bölting, Immobilienbörsen liefern sich derzeit eine virtuelle Schlacht um Kunden. Warum ist der Markt auf einmal so in Unruhe?

Ich bin selbst verwundert, wie schnell sich die Räder drehen. Noch vor wenigen Jahren spielte sich der Markt hauptsächlich in Tageszeitungen ab. Inzwischen ist es eben so, dass alle Bevölkerungsgruppen das Internet in ihren Alltag integriert haben – und damit auch die entscheidenden Player in der Branche, wie Verbände, Eigentümer, sich früher eher zurückhaltende Großinvestoren. Damit ballen sich hier die Konkurrenten. Da die Portale alle recht einfach geworden sind, ist auch die Hemmschwelle niedriger, als Anbieter aktiv zu werden.


Was bedeutet das für Interessenten?

Zunächst einmal wird die Immobiliensuche für sie leichter. Früher musste ich zu nachtschlafender Zeit aufstehen, zum Kiosk rennen, großformatige Blätter wälzen und mir die Finger wundtelefonieren. Heute erledige ich das locker unterwegs, zwischendurch, auf Tablet und Smartphone, im Bus und im Café. Je stärker der Wettbewerb wird, umso mehr werden Anwendungen auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten– das dürfte sich noch verstärken.

Worum geht es den Immobilienportalen eigentlich?

Es geht auch um Daten. Je mehr Daten ich über Anbieter und Kauf- oder Mietwillige sammle, desto mehr weiß ich über meine Kunden. So kann ich Angebote noch präziser ausrichten und letztlich eine bessere Leistung bieten. Außerdem spielen die Daten natürlich auch anderswo eine Rolle – wir nutzen sie ja auch, um das Marktgeschehen beschreiben und verstehen zu können. Die Erlöse aus Anzeigenpreisen sind nicht allein das entscheidende Argument. Und obwohl Immoscout die Preise angezogen hat – die Zeitungsanzeigen früher waren wesentlich kostspieliger, das vergessen Makler heute oft. Ich glaube aber, dass wir nicht so extrem hohe Preise kriegen werden, das ist aus meiner Sicht begrenzt.

Wie kann ich mich als Portal denn abheben von anderen, im Prinzip sehen die doch alle ähnlich aus?

Es geht auch nicht nur darum, wie gut Immobilien dargestellt sind. Sondern um das beste Konzept: Wie wird  das Thema Immobilien sexy?  Immobiliensuche wird zum Erlebniseinkauf. Ich merke das ja in meiner eigenen Familie: Obwohl wir längst ein Objekt erworben haben, surft meine Frau ab und zu weiter nach Wohnungen im Netz. Es ist für sie eine Art Hobby geworden, mal zu schauen, was sich in der Nachbarschaft tut, wie sich Preise entwickeln, wo Neubauprojekte entstehen.

Das heißt, Nähe wird doch wieder wichtig?

Ja, das kann ein Faktor sein und eine Nische für kleinere Portale, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen. Mit einer geschickten Bindung, dem Ausschlachten von Lokalkolorit können sich einige vermutlich neben den etablierten mit bundesweiter Reichweite behaupten. Nur: Im großen Stil wird es notwendig sein, auf das veränderte Suchverhalten von Menschen einzugehen. Emotionale, individuell zugeschnittene Angebote, all das wird künftig eine viel größere Rolle spielen als bisher. Und damit ist nicht der übliche „Maklersprech“ gemeint, sondern geschicktes Marketing. Es wird entscheidend für die Zukunft sein, ob Immoscout als größter Anbieter diesen Trend setzen, diesen Bedürfnissen nachkommen kann – und sich als Marke so zum Synonym für Immobiliensuche machen, wie es „Tempo“ für Taschentücher geworden ist. Der Zusammenschluss von Immonet und Immowelt verstärkt sicher den Druck auf den Branchenprimus, sich zu bewegen.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienmakler, Immobilienverkauf, Immobilienmarkt

Aktuell

Meistgelesen