17.04.2015 | Top-Thema Kolumne Eike Becker: Hans im Glück

Mipim Innovation Forum

Kapitel
Mipim Innovation Forum
Bild: © IMAGE & CO / V. DESJARDINS

Wer danach sucht, findet am Eingang zum Hafen das Mipim Innovation Forum. Orange und Frühlingsgrün versprechen jugendliche Neugier. Ben van Berkel was here. Yesterday. Ich genieße ein paar Minuten der Ruhe und der Leere. Für Innovationen steht hier auf der Mipim keiner Schlange.

Frankfurt am Main hat eine Milieuschutzsatzung erlassen. Dadurch ist unser über ein Jahr mit der Behörde abgestimmter und bereits seit Dezember eingereichter Bauantrag zur Niete geworden. Am Frankfurt-Stand hat auch die neue Leiterin der Bauaufsicht bei allem Verständnis kein Ass im Ärmel, mit dem unser Projekt noch gerettet werden kann.

Architektur vs. Weißwürste

Auf dem München-Stand geht es zu wie bei Woolworth in Neukölln zum Räumungsverkauf. Seit Jahren das Erfolgsmodell: 30 Standpartner, mehrere tausend Weißwürste, Brezeln und Gäste auf der Sonnenterrasse und maximal ein Architekturmodell. Denn um Architektur geht es hier nicht. Auch Frankfurt, Berlin, Düsseldorf, Stuttgart und Hamburg sind auf der Messe im Palais des Festivals vertreten. Der Name ist eine kolossale Übertreibung für diesen abgewetzten, labyrinthischen Gelddruckmaschinenbunker zwischen Strand und Yachthafen. Die deutschen Städte sind weit voneinander entfernt verteilt, haben sich aber über die Jahre dem Münchner Vorbild bestmöglich angenähert: große, zentrale Bar mit Sonnenterrasse. Irgendwie gastfreundlich. Architekturmodelle? Fehlanzeige. Die Stände sind zu effizienten Partnerbörsen mutiert. Bei diesen Balztänzen ohne Bräute würden fertige Planungen nur stören.

Frauenquote

Ach ja, die Frauen! Durch das Fernbleiben der russischen Regionen mit ihrer Hostessstrategie ist die Frauenquote gefühlt erneut gesunken. Frauen in Führungspositionen sind immer noch die Ausnahme in dieser gockelhaften Branche. Wie viel besser könnte sie mit ausgewogenerem Führungspersonal wohl sein?! London und Paris sind in Zelten am Strand untergekommen und spielen in ihrer eigenen Liga.

Deutsche Regionen als Architekturkulisse

Die Stadt an der Themse wirbt mit ihrer Architektur. Riesengroße Stadt- und Hochhausmodelle zeugen von einem objektbezogenen Städtebau im Gegensatz zu den über und über fein geschliffenen und am Konsens und Kontext orientierten deutschen Städten. Auch die zumeist hauptstadtfixierten internationalen Akteure scheinen sich mit den vormals als intransparent beklagten deutschen Regionen angefreundet zu haben.

Die Mainmetropole

Deutschland ist auf der Mipim 2015 für internationale Investoren und Entwickler gerade durch seine Polyzentralität, wirtschaftliche Stärke und Lebensqualität attraktiv. Und das, obwohl zum Beispiel der Frankfurter Wirtschaftsförderer es meidet, Chinesen die eigene Einwohnerzahl von jetzt gerade einmal 700.000 zu nennen. Für chinesische Maßstäbe würde dadurch die Mainmetropole zum Dorf geschrumpft. The Times They Are A Changin‘. Immer wieder.

Schlagworte zum Thema:  Bau, Architektur, Mipim, Immobilienwirtschaft

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