17.04.2015 | Top-Thema Kolumne Eike Becker: Hans im Glück

Die Entwicklungslinie der Immobilienwirtschaft

Kapitel
Zur Eröffnung wird ein Vortrag über den Baukulturbericht 2014/15 gehalten
Bild: (c) EUROFORUM DEUTSCHLAND SE / Foto Vogt GmbH

Zur Eröffnung ist der deutsche Pavillon proppevoll. Reiner Nagel, Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, spricht eloquent und stolz über den Baukulturbericht 2014/15. Zu Recht. Der deutsche Botschafter lässt sich vertreten. Auch Jürgen Meyer H., Sauerbruch Hutton, Michael Schumacher, Rainer Schmidt, Lava, Jan Kleihues, Auer und Weber, Eller und Eller sind an Bord.

22.000 Besucher aus über 90 Ländern bieten sich als mögliche Geschäftspartner an. Das sollte für alle reichen. Ein Architekt braucht nicht einmal 50 Auftraggeber in seinem Leben.

Mangelndes Selbstvertrauen - Fehlanzeige

Diverse Termine später dusche ich im Hotel den verschwitzten Tag ab und telefoniere mit der Familie. Alle denken, ich würde Urlaub machen. Dann geht es mit dem Bus in ein Restaurant am Strand. Die Gastgeber erfreuen ihre Gäste mit einer extrem kurzen Ansprache. Mein Tischnachbar beeindruckt mit einer eigenen Evolutionstheorie. Die Entwicklungslinie in der Immobilienwirtschaft geht so: Architekt, Makler, Projektentwickler und der Investor als Krone der Schöpfung. Auf meine Anmerkung, dass alle intensiv zusammenarbeiten müssen, um erfolgreich zu sein, antwortet er mir: „Ich brauche hier keine Couch und auch keinen Therapeuten!“ Seine Kollegin staunt wie ich über so viel Selbstvertrauen. Ja, daran mangelt es der Branche in diesen Boomzeiten nicht. Manch einer fühlt sich an 2007 erinnert, als auf grenzenlose Euphorie der Absturz folgte. Die Erfahrung rät zur Vorsicht, aber konkrete Argumente für eine bevorstehende Trendwende kann keiner nennen.

Die Zeit zum Atmen bleibt

Am nächsten Tag habe ich 15 Termine und eine Gesprächsrunde. Morgen bin ich heiser. Nach dem Abendessen geht’s auf eine Yacht mit Saxophonspielerin. Dort erfahre ich, dass der Auftraggeber, mit dem ich am Tag vor der Mipim den Architektenvertrag für den gewonnenen Wettbewerb unterschrieben habe, das Grundstück mit unserer noch zu erstellenden Planung bereits wieder so gut wie verkauft hat. Der Käufer verhandelt schon mit einem neuen Käufer für das dann fertiggestellte Gebäude. Von dieser Hans-im-Glück-Geschichte oder von dem biotonischen Getränk schwirrt mir schon der Kopf – ich verlasse das Schiff.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienwirtschaft, Architekt

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