01.04.2014 | Projekt

Geplante Outlet-Erweiterung in Metzingen sorgt für Unmut

Was für Metzingen gut ist, sorgt in den Nachbargemeinden für Unmut
Bild: Achim Dörnach ⁄

Der Fabrikverkauf in Metzingen soll weiter wachsen. Auf 10.000 Quadratmetern will vor allem der Modekonzern Hugo Boss neue Verkaufsflächen bauen. Insgesamt soll die Verkaufsfläche auf 40.000 Quadratmeter wachsen. Das sorgt für Streit mit einigen Nachbarstädten: Sie fürchten die Konkurrenz und kritisieren die Pläne heftig. Nun liegt die Entscheidung beim Tübinger Regierungspräsidium.

Von dort war eigentlich bereits für Ende Oktober eine Entscheidung erwartet worden. Doch "dieser Fall ist absolutes Neuland. Wir brauchen noch Zeit", sagt die zuständige Regierungsdirektorin Ulrike Kessler. Die Metzinger "Outlet-City" sei ein Sonderfall, "ein sehr spezielles Konstrukt, das in keine klassische Schublade passt".

Bis wann das seit vergangenen Sommer laufende Raumordnungsverfahren abgeschlossen sein wird, lässt sich laut Kessler nicht sagen. Das größte Kopfzerbrechen bereitet ihr das sogenannte "Kongruenzgebot". Demnach darf nicht mehr als ein Drittel der Kunden von außerhalb kommen, um andere Stadtzentren vor dem Ausbluten zu bewahren - doch dagegen verstoße das Metzinger Outlet schon heute. Laut einer Kundenbefragung von Hugo Boss haben rund 37 Prozent der Käufer keinen deutschen Pass, weitere 37 Prozent reisen bundesweit an.
Nur ein Viertel der Käufer kommt aus Baden-Württemberg. Für die Stadt hängt viel vom Verfahren ab. Die Kunden aus aller Welt bringen viel Geld in die Stadt. Metzingens Oberbürgermeister Ulrich Fiedler verweist auf 75.000 Übernachtungen, die das Outlet jedes Jahr in der Region generiere. Rückendeckung bekommt Metzingen vom Regionalverband Neckar-Alb, der einer Erweiterung schon im vergangenen Sommer mehrheitlich zugestimmt hat.

Einigen umliegenden Städten wie Reutlingen, Tübingen oder Nürtingen ist die geplante Erweiterung ein Dorn im Auge. Das Vorhaben "schadet der Stadt Nürtingen enorm. Wir lehnen die Pläne daher strikt ab", sagt Otmar Heirich, Oberbürgermeister von Nürtingen (Kreis Esslingen). "Seit Jahren verzeichnet Nürtingen einen beachtlichen Kaufkraftverlust durch die ständig wachsende Metzinger Outlet-City."

Auch der Einzelhandel in Reutlingen ist dagegen: "Es gibt nur lebendige Innenstädte, wenn es auch einen funktionierenden Einzelhandel gibt" - und genau den sieht Peter Voss, Vorsitzender der Reutlinger Einzelhändler, durch die Erweiterung des Fabrikverkaufs in der Nachbarstadt bedroht. "Unsere Innenstädte veröden", warnt er.

Die Stadt Tübingen fürchtet sogar, dass Geschäfte dort wegen der Konkurrenz aus Metzingen schließen müssen. Ein vom Regierungspräsidium in Auftrag gegebenes Gutachten kommt hingegen zum Ergebnis, dass die Erweiterung des Outlets keine negativen Folgen für die Nachbarstädte hätte.

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