In Frankfurt am Main sind im zweiten und dritten Quartal 2016 die höchsten Preissprünge unter den zehn größten deutschen Städten registriert worden. Eigentumswohnungen im Bestand mit mittlerem Wohnwert haben sich laut einer Studie des Immobilienverbands IVD noch einmal um knapp 19 Prozent auf durchschnittlich 2.200 Euro pro Quadratmeter verteuert. Die Stadt liege damit noch vor Köln (plus 15) und Stuttgart (plus 11,3).

Flughafen bekommt dritten Terminal

Mit seiner verkehrsgünstigen Lage mitten in Europa und als Knotenpunkt mehrerer Verkehrsträger ist Frankfurt auch für Gewerbeansiedlungen weiterhin sehr interessant - zumal jetzt auch noch der internationale Flughafen Frankfurt ausgebaut wird. Dieser erhält bis zum Jahr 2022 einen dritten Terminal mit einer Kapazität von bis zu 14 Millionen Passagieren im Jahr. Der Flughafenbetreiber Fraport investiert 2,5 bis drei Milliarden Euro in den Neubau im Süden des Flughafens. Zu einem späteren Zeitpunkt kann die Kapazität durch zwei weitere Piers auf bis zu 25 Millionen Fluggäste jährlich erhöht werden. Mit einer neuen Sky-Line-Bahn wird das Terminal 3 an die bestehende Infrastruktur im Norden angebunden. Die Grundfläche des neuen Terminals beträgt etwa 90.000 Quadratmeter.

Goldbeck-Hotel Premiere Classe Frankfurt

Tourismus auf Wachstumskurs

Neben Wohnen und Gewerbe befindet sich auch der Tourismus in Frankfurt auf Wachstumskurs. Im Jahr 2015 stieg die Zahl der Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr um 7,8 Prozent auf 8,68 Millionen. Mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre kann Frankfurt eine Steigerung um knapp 100 Prozent vorweisen.

„Die Zahlen spiegeln deutlich die steigende touristische Attraktivität der Stadt wieder.“ Oberbürgermeister Peter Feldmann

Die Stadt habe mittlerweile das Image einer lebendigen, internationalen Reisedestination mit einem vielseitigen Kulturangebot sowie einem hohen Erlebnis- und Freizeitwert, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann. Außerdem habe sich Frankfurt als Veranstaltungsort im Kongress- und Eventgeschäft fest etabliert. Der Frankfurter Hotelmarkt verzeichnete 265 Beherbergungsbetrieben und 45.333 Betten.

Hotspot für FinTechs

Im Büromarkt übt die digitale Wirtschaft laut einer Analyse von BNP Paribas Real Estate einen signifikanten Einfluss auf die Flächenumsätze aus. Während diese Branche in den vergangenen sechs Jahren jedoch in Berlin fast ein Viertel zum Flächenumsatz beitrug, liegt der Anteil in Frankfurt lediglich zwölf Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich im Hinblick auf die Steigerung des Flächenumsatzes der digitalen Wirtschaft im vergangenen Jahr. Düsseldorf und Berlin legten um 39 und 34 Prozent zu, Frankfurt nur um sieben Prozent. Anders sieht es bei den jungen Technologie-Unternehmen im Bereich Finanzdienstleistungen (FinTech) aus. Hier liegt die Rhein-Main-Neckar-Region, wo derzeit 58 Unternehmen aktiv sind, als FinTech-Hotspot nur knapp hinter Berlin mit aktuell 69 Unternehmen, so eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft EY. „Die Region ist sehr viel weiter und dynamischer als gemeinhin angenommen“, sagt Jan-Erik Behrens, einer der Autoren der Studie und Executive Director bei EY. „Es gibt hier erstaunlich viele FinTech-Unternehmen, die still, aber wirkungsvoll ihrer Arbeit nachgehen. Im deutschlandweiten Vergleich steht die Region auf Rang zwei und damit nicht mehr allzu weit hinter Berlin und deutlich vor München“, erläutert Behrens. Unterstützung erhält der FinTech-Standort Frankfurt auch durch das Land Hessen, das in der Stadt eine FinTech-Plattform gründen will, auf der alle Akteure der Finanztechnologie und angrenzender Technologiebereiche sowie wissenschaftliche Institutionen zusammenwirken können. 

Welche Folgen wird der Brexit haben?

Noch unklar ist, welche Auswirkungen der Brexit auf den Finanzstandort Frankfurt haben wird. Knapp 60 Prozent der Bürger Großbritanniens haben im Juni in einem Referendum für den Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Marktexperten rechnen damit, dass die Stadt zu den Hauptprofiteuren des Brexits zählen wird.  Das sagten 72 Prozent in einer Umfrage des Beratungsunternehmens EY. Gute Noten erhält Frankfurt als Alternative zum Standort London auch von 360 leitenden Bankern aus Großbritannien, Frankreich, den USA und Deutschland, so eine Umfrage der Boston Consulting Group.


Der Text ist in der Sonderausgabe "Regionen-Report Frankfurt" (Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 10/2016) erschienen.

dpa