18.06.2015 | Unternehmen

Nach Verkauf des Kraftwerksgeschäfts: Erneute Gewinnwarnung bei Bilfinger

Bei Bilfinger geht das "Großreinemachen"weiter
Bild: Bilfinger

Der angekündigte Verkauf des Kraftwerksgeschäfts ließ die Aktie des Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger heute am MDax-Ende um 15,95 Prozent auf 31,51 Euro fallen. Im April 2014 war ein Anteilsschein an der Börse in der Spitze 93,05 Euro wert. Wegen hoher Abschreibungen auf Geschäfts- und Firmenwerte rechnet Bilfinger im ersten Halbjahr 2015 mit einem "deutlich negativen Konzernergebnis".

Im Kraftwerksgeschäft (Power-Geschäft) erwartet Bilfinger für 2015 einen operativen Verlust von bis zu minus 100 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte sich hier noch ein Plus von acht Millionen Euro ergeben.  Analyst Jasko Terzic von der DZ Bank nach gibt es ernsthafte Probleme im Projektmanagement der Mannheimer und sei auch die Dividendenzahlung in Gefahr.

Experten sind skeptisch, ob Bilfinger die Kehrtwende gelingen wird. Auch nach einer Veräußerung des "Hauptproblems" blieben signifikante Herausforderungen, schrieb Analyst Gregor Kuglitsch von der UBS. Denn das Industriegeschäft leidet in einzelnen Einheiten weiter unter den Folgen des niedrigen Ölpreises.

Serie von Gewinnwarnungen

Analyst Craig Abbott von Kepler Equities glaubt nicht, dass der neue Chef Per Utnegaard nun mit dem Großreinemachen aufhören kann. Schließlich leide das Industriegeschäft weiter unter Investitionskürzungen. Abbott wies darauf hin, dass Bilfinger nun alle Geschäftsbereiche einer "detaillierten strategischen Überprüfung" unterziehen will.

Im vergangenen Jahr hatte Bilfinger nach einer Serie von Gewinnwarnungen erstmals seit 1998 einen Verlust ausgewiesen. Dahinter steckten die Dauerflaute im europäischen Kraftwerksbau, die Zurückhaltung vieler Industriekunden bei Investitionen, Umbaukosten und millionenschwere Wertberichtigungen im Energiegeschäft.

Utnegaard verteidigt Umbau - Kraftwerksverkauf alternativlos

"Der Verkauf von Power ist ein logischer Schritt", sagte der erst seit Anfang des Monats amtierende neue Konzernchef Utnegaard am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz. Am Mittwochabend hatte der MDax-Konzern die Verkaufspläne für rund ein Fünftel der Konzernleistung und 11.000 Mitarbeiter, davon 3.500 in Deutschland, angekündigt.

Wegen hoher Wertberichtigungen rechnet der Konzern im ersten Halbjahr zudem mit einem deutlichen Verlust. Bilfinger will sich künftig auf das Geschäft mit Industrie- und Immobiliendienstleistungen konzentrieren.

"Wir konzentrieren uns auf zwei Segmenten mit dem Schwerpunkt auf Industrie und Immobilien", sagte der Manager. Doch auch dieses Geschäft stellte er am Mittwochabend auf den Prüfstand. Prozesse und Arbeitsabläufe sollen auch hier gründlich durchleuchtet werden. Eine neue Strategie für den Gesamtkonzern will der Manager im Oktober vorstellen. Grundsätzlich gelte dabei die Devise, weniger Bürokratie und einen stärkeren Fokus auf das Geldverdienen.

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister

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