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Bilfinger prüft Verkauf des Bau- und Gebäudedienstleistungsgeschäfts

Bilfinger vor Komplett-Aufspaltung?
Bild: Bilfinger

Der Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger hat Kaufangebote für seine Bau- und Gebäudedienstleistungssparte erhalten. Betroffen ist auch das Geschäft mit Immobilien und Gebäudemanagement. Wie das Unternehmen mitteilt, werden die Angebote näher geprüft. Werden sie angenommen, ist eine komplette Aufspaltung des Konzerns möglich.

Die Prüfung erfolge "ergebnisoffen". Daher sei eine möglicherweise nötige Anpassung der im vergangenen Jahr angekündigten neuen Strategie damit "nicht verbunden", beschwichtigte der Konzern. Die Sparte galt bisher als ein tragender Pfeiler der neuen zwei Säulen-Strategie, die Konzernchef Per Utnegaard im Frühjahr vorstellen wollte.

Bilfinger ist derzeit bereits dabei, das Kraftwerksgeschäft mit einer Leistung von mehr als einer Milliarde Euro aus seiner Industriesparte zu verkaufen. Früheren Medienberichten zufolge gibt es auch Interessenten für die Wassergeschäfte aus der Dienstleistungssparte.

Analysten überrascht

Analysten und Händler zeigten sich in ersten Reaktionen von den Plänen im Bau- und Gebäudedienstleistungsgeschäft überrascht. Laut DZ-Bank-Analyst Thorsten Reigber kann nun selbst eine Aufspaltung der Gruppe nicht mehr komplett ausgeschlossen werden.

Den Aktienkurs dürfte aber stützen. Die Nachricht könnte Hoffnungen wecken, dass bei dem Unternehmen die Summe der Einzelteile mehr wert sei als der Konzern als Ganzes. Die Bilfinger-Aktien legten in einem schwachen Markt um 2,11 Prozent auf 40,855 Euro zu und waren damit Spitzenreiter im MDax.

Wegen hoher Abschreibungen auf das Kraftwerksgeschäft und Umbaukosten hatte Bilfinger in den ersten neun Monaten bereits hohe Verluste eingefahren. Mitte des vergangenen Jahres hatte der neue Chef Utnegaard nach einer Serie von Gewinnwarnungen die Reißleine gezogen und das Geschäft mit Kraftwerken zum Verkauf gestellt. Das Unternehmen wollte sich fortan strategisch auf zwei Säulen konzentrieren, auf Industrie- und Immobiliendienstleistungen.

"Durch die eingeleitete strategische Neuausrichtung werden wir das Unternehmen mittelfristig wieder auf einen profitablen Wachstumskurs führen", sagte Utnegaard Mitte November. Konkrete Ziele für 2016 wollte er nach damaligen Angaben Mitte Februar vorstellen und im Frühjahr die Maßnahmen zur Umsetzung der neuen Strategie bekannt geben. Große Teile des Kraftwerksgeschäfts waren zuletzt nicht ausgelastet. Auch im Industriegeschäft läuft es nicht überall rund, hieß es damals.

Der Norweger gilt als Mann des aktiven schwedischen Investors Cevian, der 26 Prozent der Bilfinger-Aktien besitzt. Die Investmentfirma hatte 2014 den Rausschmiss von Konzernchef Roland Koch betrieben, den Vorstand erneuert und mit Eckhard Cordes einen neuen Aufsichtsratschef etabliert.

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Schlagworte zum Thema:  Bauunternehmen, Gebäudemanagement, Immobiliendienstleister

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