14.10.2015 | Unternehmen

Bilfinger kann keine Strategie präsentieren

Bilfinger fehlt ein Plan, um aus der Krise zu kommen
Bild: Bilfinger

Die Strategieplanung beim kriselnden Baukonzern Bilfinger kommt ins Stocken. Der neue Vorstandschef Per Utnegaard wollte am 15. Oktober eine neue Vorgehensweise verkünden, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. "Wir sind noch nicht soweit", zitiert die Zeitung einen Aufsichtsrat. Bereits sicher ist: Bilfinger will sich künftig auf nur noch zwei Sparten konzentrieren.

Zeit räume auch der schwedische Großinvestor Cevian den Mannheimern ein. "Auf ein paar Monate bis zur Verkündung der neuen Strategie kommt es denen nicht an", zitiert die Zeitung Investorenkreise.

Das Ergebnis der Analyse des Geschäfts hat Utnegaard indessen heute in Mannheim vorgestellt. Auf dem Prüfstand stehen Geschäfte mit einem Leistungsvolumen von etwa einer Milliarde Euro, kündigte Vorstandschef an.

Künftig will sich der Konzern, der zu den zehn umsatzstärksten Bauunternehmen Europas zählt, auf Industrie- und Immobiliendienstleistungen konzentrieren. Damit will Utnegaard das Unternehmen von 2017 an wieder auf Wachstumskurs bringen. An der Börse lag die Aktie von Bilfinger am Morgen mit 1,4 Prozent im Plus.

Zuletzt war es für Bilfinger steil bergab gegangen. Innerhalb eines Jahres verschreckte das Management die Aktionäre mit sechs Gewinnwarnungen. im ersten Halbjahr kam ein Verlust von 439 Millionen Euro zusammen. Auch für das gesamte Jahr rechnet Utnegaard mit tiefroten Zahlen. Der Aktienkurs befindet sich schon seit Sommer 2014 im Sturzflug.

Bereits Mitte Juni hatte der Bilfinger-Chef die Reißleine gezogen und das Kraftwerksgeschäft, das 2014 noch für ein Fünftel der Konzernleistung stand, zum Verkauf und alle anderen Bereiche auf den Prüfstand gestellt.

Diesmal bestätigte das Management seine Zielvorgaben für das laufende Jahr. Demnach soll die Leistung im fortgeführten Geschäft mit 6,25 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau und das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebita) zwischen 150 und
170 Millionen Euro liegen. Konkrete Ziele für 2016 sowie weitere Maßnahmen zur Umsetzung der Strategie wird Bilfinger im Frühjahr bekanntgeben.

Die im MDax notierte Gesellschaft will sich bei Dienstleistungen für die Industrie nun auf die profitablen Märkte in Zentral- und Nordeuropa konzentrieren. Dort wollen die Mannheimer von Wachstumstrends in der Industrie sowie der Digitalisierung und der zunehmenden Vernetzung profitieren. Bereiche mit schwachen Gewinnmargen will das Management umbauen und das Immobiliendienstleistungsgeschäft auf dem europäischen Markt erweitern. Neben Wachstum aus eigener Kraft plant das Unternehmen hier auch Zukäufe.

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Schlagworte zum Thema:  Bauunternehmen, Strategieplanung

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