22.07.2016 | Politik

Ein Jahr Bestellerprinzip: Die Branche reagiert auf die neue Gesetzeslage

Umzug in eine neue Wohnung - doch immer häufiger ist diese nicht durch einen Makler vermittelt worden.
Bild: Haufe Online Redaktion

Als vor einem Jahr das Bestellerprinzip eingeführt wurde, warnten Immobilienmakler vor den Folgen. Sie prognostizierten Umsatzeinbußen und sahen ihre Existenz gefährdet. Ganz so schlimm ist es zwar nicht gekommen. Doch die Branche muss umstrukturieren. Zumal inzwischen auch das Bundesverfassungsgericht die Beschwerde gegen das Bestellerprinzip zurückgewiesen hat. 

Seit der Einführung des Bestellerprinzips gilt: Wer den Makler beauftragt, muss diesen auch bezahlen. Das ist verfassungsgemäß, hat das Bundesverfassungsgericht entschieden: Die Richter haben Beschwerden von zwei Maklern und einem Mieter zurückgewiesen. Die Branche hat inzwischen auf das Bestellerprinzip reagiert. Laut einer aktuellen Umfrage des Immobilienportals Immobilienscout24 setzt nur noch rund jeder zehnte Wohnungseigentümer bei der Suche nach neuen Mietern auf die Dienste eines Maklers. Das ist das Ergebnis einer Befragung unter 1.114 privaten Immobilienvermietern. Diejenigen, die weiterhin einen Makler beauftragen, schätzen vor allem, dass der Immobilien-Profi die komplette Transaktion übernimmt und dass er den regionalen Markt kennt. Knapp jeder vierte Eigentümer (22,7 Prozent), der aktuell mit Maklern zusammen arbeitet, gibt an, dass Makler ihre Provisionen reduziert haben oder ihre Leistung nun kostengünstiger anbieten.

Makler haben Geschäftsmodelle verändert

Viele Immobillienmakler hätten inzwischen ihr Geschäftsmodell verändert, sagt der Immobilienverband Deutschland (IVD). Er hat aktuell 6.000 seiner Mitglieder befragt. 70 Prozent gaben an, ihr Geschäftsfeld mittlerweile auf den Verkauf umstrukturiert zu haben.  Während vor Inkrafttreten der Regelung in etwa gleich viele Miet- wie Kaufobjekte durch die Unternehmen vermittelt worden seien, habe sich das Verhältnis ein Jahr nach Inkrafttreten des Bestellerprinzips verschoben - zu knapp 70 Prozent Kaufimmobilien und nur noch rund 30 Prozent Mietobjekten. Bereits im Dezember hatte der Verband mitgeteilt, dass das Bestellerprinzip immer mehr Makler zur Aufgabe des Vermietungsgeschäfts zwinge. Der IVD hatte sich dabei auf Zahlen des Internetportals Immobilienscout24 berufen, wonach seit Einführung der Regelung rund 80 Prozent der Makler spürbare Einbußen im Bereich Vermietung verzeichnen. Knapp die Hälfte sehe ihre wirtschaftliche Existenz gefährdet.

Die aktuelle Umfrage des IVD zeigt auch: Das Angebot an Mietwohnungen ist durch das Gesetz zur Neuregelung von Maklerprovisionen um 40 Prozent zurückgegangen – sowohl bei Maklern als auch auf den Immobilien-Online-Portalen. Die IVD-Mitglieder hätten sich jedoch inzwischen größtenteils auf die neuen Rahmenbedingungen eingestellt, teilt der Verband mit. So biete eine Vielzahl der Befragten den Eigentümern und Vermietern nun Paketlösungen an, die klar den Leistungsumfang für eine entsprechende Provision definierten. Zu einem ähnlichen Ergebnis war auch eine Umfrage von immowelt.de im Juli 2015 gekommen. Damals hatte die Mehrheit der Makler (56 Prozent) gesagt, dass sie ihr Geschäft bereits an die neuen Bedingungen angepasst habe.

Ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Bestellerprinzips lehnt mehr als die Hälfte der Makler (54 Prozent) die Gesetzesänderung allerdings immer noch ab. Das zeigt der Marktmonitor Immobilien 2016 (MMI) des Immobilienportals immowelt.de. Bei einer Ad-Hoc-Umfrage im August 2015 lag die Ablehnung mit 63 Prozent noch etwas höher.

Nur 19 Prozent der Makler stark betroffen

Insgesamt seien weniger Makler von der Gesetzesänderung betroffen als zuerst angenommen, heißt es weiter. Nur 19 Prozent der Immobilienprofis gaben in der Befragung an, stark vom Bestellerprinzip betroffen zu sein - im August 2015 waren es noch 37 Prozent. Für gut ein Viertel (26 Prozent) der Befragten wirke sich die Gesetzesänderung überhaupt nicht auf das Geschäft aus, weil sie die Provision auch vorher schon vom Vermieter bekommen haben oder weil die Vermietung von Immobilien nicht zu ihren Geschäftsfeldern gehört.

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Schlagworte zum Thema:  Bestellerprinzip, Makler

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