26.08.2014 | Liegenschaftsfonds

Berlin wird ehemalige Goebbels-Villa nicht los

Der Berliner Senat findet keinen Käufer für die heikle Immobilie am Bogelsee.
Bild: Helga Ewert ⁄

Sie ist der Ladenhüter des Liegenschaftsfonds: Ein Käufer für die ehemalige FDJ-Hochschule der DDR und einstige Goebbels-Villa nebenan hat sich bislang nicht gefunden. Seit 15 Jahren steht das Gebäudeensemble am Bogensee in der Nähe von Berlin bereits leer.

Nun hat der Berliner Senat den dritten Versuch unternommen, die Geschichtsruine im Dornröschenschlaf zu verkaufen. Bis Ende März lief das weltweite Bieterverfahren für das 16,8 Hektar große Gelände. „Es gab mehr Interessenten, das Ergebnis ist erfreulich“, zieht Marlies Masche, die Sprecherin des Liegenschaftsfonds, Bilanz. Wie viele Bieter Gebote abgaben, aus welchen Teilen der Erde, werde aus Wettbewerbsgründen nicht vor Abschluss verraten, sagt sie. Auf jeden Fall sei das Interesse wesentlich größer als 2006 und 2008, als die Ausschreibungen mangels Nachfrage eingestellt werden mussten. Die Verkäufer im Auftrag des Berliner Senats sind überzeugt, dieses Mal ernsthafte Investoren zu finden. 

Wallfahrtstätte für Neonazis vermeiden

Man lasse sich Zeit, die Gebote und Konzepte zu prüfen, sagt die Sprecherin. Denn die Beteiligten möchten vermeiden, dass die einstige Goebbels-Villa zu einer neuen Wallfahrtsstätte für Neonazis wird. 

Die Geschichte des abgelegenen Areals ganz in der Nähe der einstigen DDR-Bonzen-Siedlung Wandlitz ist bewegt. In den 1920er Jahren verkaufte ein verarmter adliger Gutsbesitzer das Gelände der Stadt Berlin. 1936 schenkte die Stadt ihrem Gauleiter Joseph Goebbels den Bogensee mit umliegendem Gelände. 1939 ließ Goebbels „ein komfortables Landhaus mit 30 Privaträumen, 40 Dienstzimmern, Garagen und einem Filmsaal für 2,3 Millionen Reichsmark errichten, gesponsert von der UFA“, berichtete 2014 der MDR. Nach dem Untergang des Dritten Reiches nutzten die Alliierten das Gelände kurzzeitig als Lazarett. Die Sowjets übergaben das Gelände schließlich 1946 der frischgegründeten Freien Deutschen Jugend (FDJ). Von 1991 bis 1999 zog der gemeinnützige „Internationale Bund für Sozialarbeit“ in die Gebäude. Seitdem stehen sie leer und verfallen. Der Unterhalt kostet das Land Berlin laut Masche pro Jahr rund 150.000 Euro.

Schlagworte zum Thema:  Vermarktung, Verkauf

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