| Entwickler

Baku will hoch hinaus

Im Kaspischen Meer, vor der Küste Bakus, sollen neue künstliche Inseln entstehen. Und ein Hochhaus, das mehr als einen Kilometer in den Himmel ragt.

Mit „nur" 829 Metern Höhe ist der erst Ende 2009 eröffnete Burj Khalifa in Dubai vielleicht schon bald nicht mehr das höchste Gebäude der Welt. Das nächste Land, das den Höhenrekord im Hochhausbau brechen will, ist Aserbaidschan: Auf eine Kette künstlicher Inseln im Kaspischen Mehr soll unter anderem auch ein mehr als ein Kilometer hoher Wolkenkratzer entstehen, der den eleganten Turm am persischen Golf um knapp ein Drittel an Höhe überragen würde. Das ambitionierte Projekt wäre der bisherige Höhepunkt des seit bereits seit Jahren anhaltenden Baubooms in Aserbaidschan.

Aufgrund seines Reichtums an Erdöl und Erdgas verzeichnet das Land am Kaspischen Meer Jahr für Jahr hohe Wachstumsraten. Folge davon ist unter anderem die rege Bautätigkeit im ganzen Land. Allein in der Hauptstadt Baku sind in der vergangenen Dekade Hunderte neuer Hochhäuser entstanden - deutliches Zeichen dafür, dass mit dem Öbboom die Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeflächen wächst und die Grundstückspreise steigen. Zu den größten Projektentwicklern des Landes zählt die Avesta Company des aserbaidschanischen Geschäftsmanns Haji Ibrahim Nehramli, die am vergangenen Dienstag die Pläne für ein ambitioniertes Projekt vorstellte. Es umfasst 49 künstliche Inseln, die „Khazar-Island", die rund 25 Kilometer südlich von Baku vor der Küste von Sahil (früher: Primorsk) im Kaspischen Meer aufgeschüttet und in ihrem Grundriss an einen Hummer erinnnern sollen. Geplant sind eine Hauptinsel, zwei dahinter liegende parallele Inselstreifen mit größeren Gebäuden sowie mehrere kleinere Inseln mit Villenbebauung. Ferner plane seine seine Gesellschaft auf der Inselkette ein bis zu 1.050 Meter hohes Business Center mit 185 Stockwerken, erklärt Kana Guluzade, Marketingchef von Avesta. Guluzade zufolge sieht das Khazar-Projekt Wohnen und Arbeiten vor: Auf den Inseln werde es ein Behördenzentrum geben, ferner Schulen und medizinische Einrichtungen, Hotels und Büros sowie Freizeiteinrichtungen wie beispielsweise einen Golfplatz oder eine Pferderennbahn, und nicht zuletzt ein Kulturzentrum mit Konzerthalle.

Wie von staatlichen Stellen verlautet, soll Avesta noch kein offizielles Baugesuch eingereicht haben. Rein technisch gesehen, sei der Bau eines solchen Projekts bei Sahil möglich, heisst es. „Sicher wäre technisch möglich, eine solches Hochhaus zu errichten", bestätigt Drees & Sommer-Experte Josef Linder, der für die Projektleitung des derzeit in Bau befindlichen neuen Roche-Towers in Basel verantwortlich zeichnet, mit geplanten 175 Metern ab 2015 das höchste Gebäude der Schweiz. „Studien im Zusammenhang mit einem geplanten, aber dann doch nicht realisierten Hochhaus in Chicago ergaben, dass es sogar möglich wäre, bis 1,6 Kilometer hohe Gebäude zu errichten", sagt Linder. Allerdings scheitere die Umsetzung solch spektakulärer Bauvorhaben oftmals an den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: „Schon allein aufgrund der relativ langen Bauzeit, die die Vermarktung oder Vermietung und damit auch die Finanzierung erschwere; einmal ganz abgesehen von bau- und planungsrechtlichen Hürden."

Unterdessen wollen sich die staatlichen Stellen in Baku erst dann zum Kazhar-Projekt äußern, wenn die Detailplanung dafür vorliegt, mit der Ibrahim Nehramli inzwischen Architekten beauftragt haben soll. Mit dem Bau künstlicher Inseln hat Aserbaidschan übrigens große Erfahrung: Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde, um in der Baku-Region Ölfelder am Meeresgrund nutzen zu können, die Bucht bei Bibi Eilat für den Förderbetrieb trockengelegt. Zwischen 1909 und 1927 wurden etwa 300 Hektar der Bucht aufgeschüttet, nach dem Bau des Panamakanals damals die weltweit größte wasserbautechnische Maßnahme. Ob dort auch der Bau des höchsten Gebäudes der Welt gelingt, bleibt abzuwarten. Bei Avesta zeigt man sich zuversichtlich. Guluzade zufolge soll der Bau Ende 2013 beginnen.

Aktuell

Meistgelesen