Investoren in Studentisches Wohnen erkannten und entwickeln ein Segment, das vor 20 Jahren noch ein stiefmütterliches Dasein führte. Doch nun startet es durch und ein Ende des Booms ist nicht abzusehen.

Früher war mehr Lametta! Das beschreibt etwas jovial, wie einfach das Geschäfte machen vor 20 Jahren noch war. Doch für einen Bereich innerhalb der Immobilienwirtschaft galt dieser Spruch damals nicht: für das Geschäft mit den Studentenwohnheimen.

Denn außer den Studentenwerken hat sich damals niemand in Deutschland für dieses Segment interessiert. Das sei wie sozialer Wohnungsbau ein reines Zuschussgeschäft und somit keine Rendite zu erwirtschaften, verlautete es vor zwei Jahrzehnten aus der Branche.

Das Ergebnis ist heute in den Universitätsstädten zu erleben: kaum bezahlbarer Wohnraum für Studenten, zu Semesterbeginn Notunterkünfte in Turnhallen und Aufrufe der Oberbürgermeister an die Bevölkerung, doch Studierende bei sich aufzunehmen. Denn bloß rund zehn Prozent der Studenten wohnen in entsprechenden Unterkünften.

Student Housing war als Anlageform unbekannt

Doch seit sieben Jahren tut sich was: Horst Lieder, Vorstandsvorsitzender der International Campus AG, beschreibt, wie unbekannt Student Housing als Anlagesegment in Deutschland noch vor vergleichsweise kurzer Zeit war.

„Für uns war die größte Herausforderung, dass die Banken als Fremdfinanzierungspartner und die institutionellen Investoren so skeptisch waren.“ Horst Lieder, International Campus AG

Doch die weitgehend unbekannte Zielgruppe, für die es keine geeigneten Betreiberkonzepte gab, trat schnell aus ihrem Schattendasein.

„Eine gesunde Nachfragedynamik und die stabilen, nicht-zyklischen Einkommensprofile haben Studentenwohnen zu einer eigenständigen Anlageklasse werden lassen, in die weltweit zweistellige Milliardenbeträge investiert werden. Deutschland als größter Studentenmarkt Europas bietet eine besonders große Chance", unterstreicht der Managing Director der GSA, Dr. Frank Pfirsching, seine Motivation, auf diesem Feld tätig zu sein. 2017 soll in Deutschland bei den Transaktionen die Milliardengrenze geknackt werden.

Auch Dan-David Golla, Managing Direktor von Aviarent, bewertet die Aussichten für das Segment als sehr gut: „Zum einen ist in den Metropolregionen stetiges Bevölkerungswachstum aufgrund des hohen Arbeitsplatzangebotes zu verzeichnen. Zum anderen führt die zunehmende Mobilität zu einem berufs- und studienbedingten Anstieg der der Pendlerzahlen. Dadurch stiegt gerade der Bedarf an kleinen und Kleinstwohnung.“

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes besagen, dass es etwa 2,8 Millionen Studenten in Deutschland gibt. Wer nicht bei den Eltern wohnt, und das betrifft etwa 2,2 Millionen Studierende, muss sich selbständig einen Wohnplatz organisieren. Doch die deutschen Studentenwerke stellen bloß etwa 240.000 Wohnheimplätze zur Verfügung. Schätzungen zufolge kommen 50.000 in sogenannten Mikroapartments unter.

Click to tweet

Das führt auch bereits zu den Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft. So klagt angesichts des allgemeinen Immobilienbooms in Deutschland Horst Lieder: „Kompetente Bauunternehmen zu finden, die auch noch freie Kapazitäten haben, ist nicht einfach.“ Pfirsching fügt hinzu: „Internet und globale soziale Medien haben auch die Erwartungshaltung der Studenten erhöht.“ Und die 20. Sozialerhebung der Studierendenwerke zeigt ganz klar, dass ein Großteil der Studierenden alleine wohnen möchte.

Anforderungen an Studentenbuden haben sich verändert

Moderne Anforderungen der Zielgruppe sollten sich auch in den Bauvorschriften speziell für Studentenwohnheime widerspiegeln. Rainer Nonnengässser, Geschäftsführer der MPC Micro Living Development GmbH, fordert: „Carsharing, schneller Internetzugang und Stellplatzschlüssel müssen realisierbar sein.“ Anbieter von studentischem Wohnraum haben ihr Angebot solchen aktuellen Anforderungen angepasst.

„Künftig wird sicherlich die Grundstücks- und Projektakquisition die größte Herausforderung für den Investor sein.“ Horst Lieder, International Campus AG

„Weil die Komplexität weiter zunimmt und der Wettbewerb intensiver wird, wird Konsequenz im Sinne von Spezialisierung und Durchsetzungsvermögen in Zukunft noch wichtiger werden,“ so Lieder. Dr. Pfirsching stellt nicht mehr bloß Unterkünfte zur Verfügung: „Wir bieten auch hervorragenden Kundenservice, der für Studenten in Europa und internationale Studenten eine immer wichtigere Rolle spielt.“

Allen Aussagen nach ist nunmehr das Geschäft mit dem studentischen Wohnen trotz zunehmender Komplexität doch noch ein lamettareiches geworden.

Asset-Assoziationen: Die Studentenapartements-Investoren

Horst Lieder, Vorstandsvorsitzender der International Campus AG:

Warum ist das Segment der Investoren in Studentenwohnheime die Königsklasse für die gesamte Immobilienbranche?

Weil eine auf lange Sicht konjunkturunabhängige sehr stabile Nachfrage in den national und international grossen Städten ungedeckt bleiben wird. Das damit verbundene Potential werden aber nur die Besten der Branche nutzen können.

Was wäre, wenn es  Investoren in Studentenwohnheime nicht gäbe?

Dann müssten viele Studierende entweder zelten oder sehr lange bei Ihren Eltern wohnen.

Welchen Konsumartikel verbinden Sie mit dem Investor in Studentenwohnheime?

Backpack, Smartphone, Tablet, und gutes Kochgeschirr. Denn die Zielgruppe ist unkompliziert und flexibel beim Reisen, outdoor- und an unserer Natur orientiert, always connected und ernährt sich gesund.

Welche berühmte Persönlichkeit hat eine Eigenschaft, die Sie mit diesem Investor verbinden?

Vielleicht Berta Benz. Sie hat zwar das Automobil nicht erfunden, aber an die Vision ihres Mannes glaubend, mit großer Hartnäckigkeit den Durchbruch für eine wirtschaftliche Realisierung geschafft.

(Autor: Jörg Seifert, Freiburg)

Lesen Sie mehr!

20 Assetklassen der Immobilienwirtschaft im Porträt - exklusiv zum 20. Geburstag der Zeitschrift Immobilienwirtschaft:

Stadtplaner: Viele Fehler bleiben bestehen

Logistikimmobilieninvestoren: Vom Schmuddelkind zum Aufsteiger

Büroimmobilieninvestoren: Neue Nutzer - neue Ansprüche

Shopping-Center-Investoren: Erleben statt einkaufen

Hotelinvestoren: Oui, ça marche!* (*französisch: Ja, hier läuft es gut!)

Investoren Pflegeheime: Nicht starr, sondern flexibel

Architekten: Die Werkstätten für das 21. Jahrhundert

Bauträger: Der Reiz des ganzen Lebenszyklus

Projektentwickler: Das Geschäft ist komplexer geworden

Gewerbemakler: Der pure Typ ist Fiktion

Wohnungsmakler: Beratung wird relevant

Immobilienbewerter: Zwischen gestern und morgen

Kommunale Wohnungsgesellschaften: Vom Glück der Städte mit kommunalen Einrichtungen

Private Wohnungsgesellschaften: Die Appetithappen gehen aus

Asset Manager: Früher: Warten aufs Verkaufen. Heute: Arbeiten an der Immobilie

Portfoliomanager: Aus Bauchgefühl wird durchgespielte Simulation

Immobilienverwalter: Hausverwaltung wird mobil

Corporate Real Estate Manager: Vom Verwalter zum Innovator

Facility Manager: Es sind nicht die Heinzelmännchen

Weitere Themen im großen Online-Special zur Jubiläumsausgabe der "Immobilienwirtschaft":

Die 20 besten Karikaturen von Thomas Plaßmann: Ein Video über seine Arbeit

Die 20 schönsten Zeitschriftencover der Immobilienwirtschaft: Eine Bilderserie von 1997 bis 2017

20 Jahre Immobilienwirtschaft: So arbeitet die Redaktion auf dem Mediencampus in Freiburg

Schlagworte zum Thema:  Immobilienwirtschaft20, Immobilienwirtschaft