Facility Manager: Es sind nicht die Heinzelmännchen

Das Facility Management ist heute aus der Wirtschaft nicht mehr wegzudenken. Wir schauen auf die Entwicklungen der letzten 20 Jahre und wagen den Blick nach vorn.

Das Facility Management ist eine relativ junge Disziplin. Mitte der 1980er Jahre beschäftigen sich in Deutschland erstmals Spezialisten mit Qualitätsverbesserung und Einsparung in den Bereichen Technik, Infrastruktur und kaufmännisches Gebäudemanagement. Zehn Jahre danach, im Jahr 1996, definiert der Branchenverband German Facility Management Association (GEFMA) Standards für kunden- und prozessorientiertes Facility Management (FM). Heute, rund 20 Jahre später, gehört die Branche mit einer Bruttowertschöpfung von 130 Milliarden Euro und mehr als 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu einer festen Größe der Wirtschaft.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland ein Spätzünder.

„In den 1990er Jahren fasste das FM in Deutschland langsam Fuß, rund 15 bis 20 Jahre später als zum Beispiel in den Niederlanden oder UK.“ Stefan Schwan, Geschäftsbereichsleiter Facility Services und Mitglied der Geschäftsleitung der Engie Deutschland

„In den letzten 20 Jahren ging es vor allem darum, die Vorteile von Outsourcing sichtbar zu machen und eine Akzeptanz für unsere Dienstleistung zu schaffen“, sagt Dr. Christine Sasse, Vorstand Human Resources, in der Dr. Sasse AG.

Nach und nach erkennen jedoch immer mehr Unternehmen, dass spezialisierte Dienstleister das Bewirtschaften von Büro- und Produktionsstandorten kostengünstiger und besser erledigen können als interne Abteilungen. Deshalb werden immer mehr Arbeiten outgesourct.

Facility Management: Die Herausforderungen

Die Anforderung an die FM-Spezialisten sind hoch – und steigen weiter.

„Vor zehn Jahren galt: Ein Facility Manager muss die berühmte Eier legende Wollmilchsau sein. Heute gilt sogar: Er oder sie muss während der Eier-, Woll- und Milchproduktion auch jonglieren und vor allem rechnen können.“ Michaela Mehls, Leiterin Unternehmenskommunikation Dussmann Group

Auch Otto Kajetan Weixler, Vorstandsvorsitzender der GEFMA, nimmt starke Veränderungen in der FM-Branche wahr: „Wurden FM-Dienstleistungen noch vor Jahren geringschätzig angesehen, haben sie sich zu einer der wenigen Wachstumsbranchen in Deutschland entwickelt.“ In den letzten Jahren habe sich die Branche enorm professionalisiert, und bei Kunden seien die Kosten im Durchschnitt um mehr als 30 Prozent gesenkt worden. Schwan sieht trotzdem noch viel Arbeit auf die Branche zukommen. Im Vergleich zu den britischen und niederländischen Nachbarn „ist unser FM-Markt noch Entwicklungsgebiet. So werden in UK mittlerweile Geschäftsprozesse von Kommunen und Gemeinden – Gehaltsabrechnung, Verwaltungstätigkeiten etc. – an externe FM-Spezialisten outgesourct.“ Dr. Sasse sieht vor allem in der Außendarstellung Nachholbedarf.

FM: Wie zukunftsfähig ist die Branche?

Zwar ist das FM in Zeiten zunehmender Digitalisierung ein weltweiter Wachstumsmarkt, jedoch herrscht in vielen Märkten gleichzeitig ein Verdrängungswettbewerb. Und so konsolidiert sich auch der deutsche Markt weiter.

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Die FM-Unternehmen treiben heute vor allem zwei Fragen um: Wie lässt sich die Effizienz der Prozesse erhöhen, und wie kann der Auftraggeber seine Verantwortung als Betreiber kostenoptimiert rechtssicher wahrnehmen? Hinzu kommen starke Veränderungen in den Schnittstellen zwischen FM-Dienstleister und Auftraggeber. Modernes FM stützt sich zunehmend auf sogenannte End-to-End-Prozesse, bei denen komplette Prozessketten und Workflows über digitale Plattformen abgewickelt und dokumentiert werden.

IT im Facility Management

Aus dieser Entwicklung folgt für Schwan: „IT wird Kernbestandteil von FM werden. FM-Dienstleister werden zukünftig Software as a Service anbieten.“ So können Auftraggeber auf sämtliche gebäudebezogenen Daten, Dokumente und Prozesse über eine browsergestützte Plattform zugreifen. Auch Martin Schenk, Vorsitzender der Geschäftsführung von Strabag Property and Facility Services, sieht hohe Anforderungen an das Know-how: „Neue Berufsbilder in einem zunehmend hochtechnologisierten Arbeitsumfeld, einhergehend mit der Notwendigkeit der Neueinstellung qualifizierter Expertinnen und Experten, stellen für alle Immobiliendienstleister eine große Herausforderung dar.“ Tatsächlich hat die FM-Branche das Thema Aus- und Fortbildung sehr weit oben auf der Agenda. 

Asset-Assoziationen: Der Facility Manager

Dr. Christine Sasse, Vorstand Human Resources, Dr. Sasse AG

Warum ist das Segment der Facility Manager die Königsklasse für die gesamte Immobilienbranche?

Wie schon Friedrich II., König von Preußen, postulierte, dass der König der erste Diener des Staates sei, verstehen sich Facility Manager als erste Diener der Immobilienbranche.

Was wäre, wenn es Facility Manager nicht gäbe?

Dann müssten wir wohl zusehen, dass die Heinzelmännchen Wirklichkeit werden.
 

Welchen Konsumartikel verbinden Sie mit dem Facility Manager?

Das Taschenmesser - unglaublich hilfreich und stets zur Hand.

Welche berühmte Persönlichkeit hat eine Eigenschaft, die Sie mit dem Facility Manager verbinden?

Ernest Hemingway: „Ich habe mir angewöhnt, jeden Menschen anzuhören und selbst, wenn er verrückt ist, ernst zu nehmen. Vor der Größe Gottes ist der Unterschied zwischen einem Genie und einem Blödsinnigen nicht allzu groß.“