Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Bauträger erleben das Immobiliengeschäft so umfassend wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig der Sparte. Die komplette Projektentwicklung birgt allerdings Risiken. Preispolitik und Personal werden zu entscheidenden Faktoren für die Zukunftsfähigkeit.

Extrem vielfältig, spannend in der Komplexität, abwechslungsreich in der Bandbreite – wer Bauträger nach dem Reiz ihrer Tätigkeit fragt, erhält in Abwandlungen stets die gleiche Antwort: Die Mischung macht’s.

Bauträger spüren gesellschaftliche Strömungen genauso wie technischen Wandel, müssen mit politischen Rahmenbedingungen umgehen und betriebswirtschaftlich fit sein.

„Man kann ein Projekt vom Grundstückskauf bis zur Übergabe begleiten, vom Anfang bis zum Ende“, sagt der Vertriebsleiter der Bayerischen Hausbau, Artur Riedl, stellvertretend für zahlreiche Kollegen.

Drei Säulen des Geschäfts: Grund, Kapital und Projekte

Das Geschäftsmodell von Bauträgern beziehungsweise Projektentwicklern fußt auf den drei Säulen Grund, Kapital und Projekten. Damit umfasst die Branche nicht nur Wohn-, Gewerbe- und Bürospezialisten, sondern etwa auch kommunale Wohnungsunternehmen oder Konzerne anderer Wirtschaftszweige, die für sich selbst Flächen entwickeln – bundesweit mehr als 20.000 Unternehmen. Zu den größten zählen laut einer jährlich erscheinenden bulwiengesa-Studie verzweigte Großunternehmen wie die Zech Group oder Strabag genauso wie die in Berlin ansässigen Firmen CG und Groth oder die schwedische Bonava, formart und BPD.

„Bauträger sind oft noch volatiler in der konjunkturellen Entwicklung als die Branche selbst“, beschreibt der Vize-Hauptgeschäftsführer des Bauindustrie-Verbands, Dr. Heiko Stiepelmann, den Wirtschaftszweig.

Im Prinzip habe sich daran in den vergangenen 20 Jahren nichts geändert, sagt Riedl. Indes haben sich seit damals Prozesse rasant beschleunigt, genauso wie sich Ausgangsbedingungen verschärft haben: „Das Preisniveau war vor 20 Jahren viel niedriger“, erklärt Nils Olov Boback, Geschäftsführer der Bonava Deutschland GmbH. „Das gleiche gilt für die Nachfrage nach Wohneigentum.“

Preise, Politik und Personal

War früher der Kauf einfacher, gestaltete sich der Vertrieb schwieriger. Gegenwärtig verhält es sich umgekehrt. Das gilt besonders mit Blick auf den langen Zyklus einer Projektentwicklung: „Wenn wir jetzt ein Grundstück ohne Baurecht zu den aktuellen, sehr hohen Preisen kaufe, kann es fünf Jahre dauern, bis ich tatsächlich die erste Wohnung verkaufe“, erklärt der für Projektentwicklung zuständige Geschäftsführer der Groth Gruppe, Henrik Thomsen. „Doch wer weiß schon, wie der Markt in fünf Jahren aussieht?“

Durch die Situation in Ballungsräumen wachsen sowohl der interne als auch der externe Wettbewerb, wie bulwiengesa-Expertin Ellen Heinrich erklärt. Projektentwickler müssten heute höhere Risiken eingehen, um sich überhaupt noch Grundstücke für künftige Geschäftstätigkeit sichern zu können.

Darüber hinaus sind die politischen und rechtlichen Vorgaben in den vergangenen Jahren deutlich komplexer geworden. „Es wird immer schwieriger, gut ausgebildete Fachkräfte zu finden“, bekräftigt Boback von Bonava.

Rosige Aussichten für Aspiranten

Absolventen und Berufserfahrene stehen somit Türen offen, zumal die grundsätzlichen Aussichten für die Branche rosig sind. Die fortschreitende Digitalisierung verstärkt die Attraktivität der Branche – verändern sich dadurch doch nicht nur Arbeitsaufgaben, sondern auch deren Prozesse. Der Geschäftsführer der BPD Immobilienentwicklung GmbH, Franz-Josef Lickteig, verweist auf die IT-gestützte Umsetzung von Kundenwünschen und die gestiegene Bedeutung von Marketing. Der Geschäftsführer der formart GmbH, Kruno Crepulja, zielt vor allem auf die neuen Möglichkeiten ab, die der digitale Wandel Bauträgern gibt. Noch einen Schritt weiter geht Michael Stüber, Vorstand der CD Deutsche Eigenheim AG: Er rechnet damit, dass Bauträger ihr Wirkungsfeld erweitern  und sich etwa mit der Energieversorgung von Komplettgebäuden beschäftigen müssen.

Die Zukunftsfähigkeit der Branche dürfte davon abhängen, all diese unterschiedlichen Strömungen einzufangen, in Einklang zu bringen und ein Stück weit mit zu steuern. Kaum verwunderlich, dass bulwiengesa-Projektleiterin Heinrich etwa von einer weiteren Konsolidierung des Marktes ausgeht. 

Asset-Assoziationen: Die Bauträger

Artur Riedl, Vertriebsleiter der Bayerischen Hausbau

Warum ist der Bereich der Bauträger die Königsklasse für die gesamte Immobilienbranche?

"Bauträger bergen die geballte Immobilienkompetenz vom Einkauf des Grundstücks über Planung und Bauen bis hin zum Verkauf – und das immer auf eigenes Risiko und eigene Rechnung, im Gegensatz zu Generalunternehmern."

Was wäre, wenn es Bauträger nicht gäbe?

Ohne die gestalterische und finanzielle Mitwirkung von Bauträgern an der städtebaulichen Entwicklung würden wir heute noch in dorfähnlichen Strukturen ohne Wirtschaftswachstum leben.

Welchen Konsumartikel (von Knetgummi bis BMW) verbinden Sie mit Bauträgern? Warum?

Einen Bleistift – zum kreativen Planen genauso wie zum Kalkulieren und Rechnen.

Welche berühmte Persönlichkeit hat eine Eigenschaft, die Sie mit einen Bauträger verbinden? Welche Eigenschaft ist das?

Josef Schörghuber war nicht nur unser Unternehmensgründer, sondern auch ein Visionär, der vorausschauend und nachhaltig ganz im heutigen Sinn gehandelt hat und somit ein Vorbild für die gesamte Branche ist. 

 

(Autorin: Kristina Pezzei, Berlin)

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