Rz. 170
Die Herleitung von Liquiditäts-Transferpreisen für die erwarteten Zahlungsströme und von Liquiditätsrisiko-Transferpreisen für die unerwarteten Zahlungsströme ist methodisch zumindest anspruchsvoll. Bei der Kalkulation wird zwischen Geschäften mit deterministischem Kapitalfluss hinsichtlich ihrer Höhe und Laufzeit (wie z. B. Termineinlagen) und Geschäften mit nicht-deterministischem Kapitalfluss (wie z. B. Kreditlinien) unterschieden, bei denen ein Verlauf der Zahlungsströme nur modelliert werden kann. Der individuelle Liquiditätsspread deckt grundsätzlich die Refinanzierungskosten für sämtliche erwarteten Zahlungsströme ab, umfasst hierbei jedoch nicht die Kosten für die unerwarteten Zahlungsströme bei Geschäften mit nicht-deterministischem Kapitalfluss, also die Kosten für das Vorhalten zusätzlicher Mittel.
Rz. 171
Das im Folgenden vorgestellte Modell setzt voraus, dass die Zahlungsströme aller Produkte, für die Preise festgelegt werden müssen, in erwartete und unerwartete unterteilt werden können. Trotz damit verbundener unterschiedlicher Risiken, die auf die Unsicherheit über die unerwarteten Zahlungsströme zurückzuführen sind, erfolgt die Berechnung der jeweiligen Transferpreise basierend auf der Annahme gleicher Prinzipien.
Rz. 172
Der Liquiditäts-Transferpreis für ein Aktivgeschäft entspricht dem Produkt aus den Absicherungskosten zum Zeitpunkt der erwarteten Zahlung (Liquiditätsspread) mit dem Zahlungsvolumen und dem Zeitraum der Liquiditätsbindung. Während bei außerbilanziellen Geschäften der Transferpreis analog berechnet werden kann, wird bei Passivgeschäften spiegelbildlich jener Zeitraum betrachtet, für den die Liquidität bereitgestellt werden muss. Die Berechnung des Liquiditätsrisiko-Transferpreises ist im letzteren Fall durch den Aspekt der m...