Rz. 136
Durch sogenannte "Transferpreise" können Liquiditätskosten, -vorteile und -risiken der jeweiligen Geschäftsart zugeordnet werden, so dass Fehlanreize und damit zugleich Abweichungen vom übergeordneten Risikoappetit vermieden werden können. Implizite Liquiditätselemente in den Marktpreisen können ohne Transferpreise nicht sichtbar gemacht werden. Verzichtet man auf derartige Transferpreise, besteht also die Gefahr, dass sich das Funding zu sehr auf (günstigere) kurzfristige Mittel und die Anlagen zu sehr auf (ertragreichere) schwer zu veräußernde Aktiva konzentrieren. Dies führt zu einem tendenziellen Anstieg ebensolcher Positionen, die sich im Fall einer Liquiditätskrise als schwere Belastung erweisen können.
Rz. 137
So hatten insbesondere Return-on-Investment-orientierte Institute ohne Liquiditätstransferpreissysteme ("Funds Transfer Pricing", FTP) Schwierigkeiten, die damaligen Liquiditätsengpässe im Interbankenmarkt auszugleichen, weil die unbewerteten Liquiditätsrisiken nicht (rechtzeitig) wahrgenommen wurden. Während der Finanzmarktkrise wurden Liquiditätskosten, -nutzen und -risiken in der Treasury diverser Institute häufig nicht ausreichend intern bepreist. Außerdem waren keine hinreichenden Informationen über bedingte Liquiditätsrisiken vorhanden, die in dieser Form erstmalig in den letzten Jahrzehnten auftraten. Insofern soll nunmehr ein bislang von vielen Instituten vernachlässigtes Risikoelement weitgehend transparent gemacht werden. Dieses Vorhaben wird grundsätzlich auch von international tätigen Instituten unterstützt.
Rz. 138
Liquiditätstransferpreise sind laut Erkenntnissen der EZB für die Stabilität des Finanzsystems von Relevanz, da systematische Fehlanreize negative Konsequenzen für den gesamten Finanzmarkt haben können. Diese Zie...