Rz. 57
Um sicherzustellen, dass die Zahlungsverpflichtungen jederzeit erfüllt werden können (→ BTR 3.1 Tz. 1), muss sich das Institut zunächst einen Überblick darüber verschaffen, welche Zahlungsverpflichtungen in der Zukunft überhaupt und wann bestehen und welche liquiden Mittel für die Erfüllung dieser Verpflichtungen am jeweiligen Zahlungstermin voraussichtlich zur Verfügung stehen. Im Zentrum der Untersuchungen stehen somit die verschiedenen Zahlungsströme ("Cashflows") sowie die damit verbundenen Annahmen und Szenarien. Für diesen Zweck eignet sich z. B. eine Liquiditätsübersicht, die in der Praxis häufig auch als "Liquiditätsablaufbilanz" oder "Liquiditäts-Gap-Analyse" bezeichnet wird. Darin werden die erwarteten Mittelzuflüsse den erwarteten Mittelabflüssen in verschiedenen Laufzeitbändern ("Maturity Ladder") gegenübergestellt, so dass der ggf. vorhandene zusätzlich zu deckende Liquiditätsbedarf ("Gap") in den einzelnen Perioden als Saldo direkt ablesbar ist (siehe Abbildung 78).
Abb. 78: Liquiditätsübersicht für drei Monate
Rz. 58
Selbst wenn ein Institut zum Zeitpunkt der Erstellung in der Lage ist, seine Zahlungsverpflichtungen im vollen Umfang zu erfüllen, könnte es diese Fähigkeit mittel- bis langfristig verlieren, wenn der Saldo aus den auf diese Weise gegenübergestellten Summen ("Liquiditätssaldo") in den betrachteten Perioden überwiegend oder sogar durchgängig negativ ist, so dass der kumulierte Saldo in der Zukunft ebenfalls negativ wird. In diesem Fall muss sich das Institut die benötigte Liquidität auf andere Weise beschaffen. Die geforderte Liquiditätsübersicht dient folglich dem Zweck, die ggf. zusätzlich benötigte Liquidität für einen geeigneten Zeitraum im Voraus abzuschätzen, um im Bedarfsfall rechtzeitig geeignete Maßnahmen einleiten zu können. Au...