Dr. Matthias Nagel, Prof. Dr.-Ing. Ralph Riedel
2.1 Logistik und Lieferketten müssen in einer Welt im Wandel bestehen
In den letzten Jahren häuften sich singuläre Wetterereignisse und globale Krisen. Besonders die Ereignisse des Jahres 2021 und die Corona-Krise zeigen, wie fragil und anfällig moderne globale Lieferketten geworden sind. Es ist an der Zeit, über robustere und resiliente Lieferketten nachzudenken. In einer Untersuchung von Gartner zur Disruption bei Lieferketten werden als 5 wichtigste Gefahrenquellen für die Supply Chain Epidemien und Pandemien, Verknappung relevanter Rohmaterialien und Komponenten, Verknappung der Produktionsressourcen von Lieferanten, Handelskriege und Cyberattacken aufgeführt. Zusätzlich schädigt Russlands Krieg in der Ukraine Handel und Logistikketten nachhaltig und wird sie verändern.
Im Ishikawa-Diagramm der Abbildung 3 werden Ursachen betrachtet, die sich negativ auf Lieferketten auswirken können. Die einzelnen Auswirkungen der nach Großbuchstaben gegliederten Ursachenkomplexe wurden aus diversen Blogs extrahiert und grafisch zusammengestellt.
A) Corona-Krise
Die Corona-Krise zieht sich inzwischen länger als erwartet hin. Lockdowns führten zu starken Einschränkungen des Tourismus, wodurch weniger Flugzeuge unterwegs sind. Damit fehlt es an Frachtmöglichkeiten, was zu massivem Verlust an Transportkapazitäten führt. Grenzen wurden geschlossen – mit Auswirkungen auf den Gütertransport. Grenzschließungen sind weder vorhersehbar noch planbar, und für Grenzübertritte sind aktuelle Tests nötig. Lockdowns sind landesweit und lokal nicht vorhersehbar. Selbst kleinere Lockdowns von Häfen führen zu Störungen in Logistikketten. Lockdowns, geschlossene Betriebe, Heimarbeit, fehlender Tourismus usw. führen zu unkalkulierbaren Verschiebungen bei der Nachfrage nach Produkten.
Abb. 3: Ursachenkomplexe und ihre Auswirkungen (Störungen) auf Lieferketten und Logist...